Pages

July 10, 2005

Rodeo Time

Via Park 'n' Ride geht's zu den Stampede Grounds. Cowboy-Hüte soweit das Auge reicht. Vor dem Eingang Demonstranten, die gegen die Misshandlung der Tiere protestieren. Wir wollen uns aber selbst eine Meinung bilden!
Da wir bereits über das Internet Karten bestellt hatten, gibt's kein Schlange-Stehen für uns.
Auf dem Gelände ein Riesenjahrmarkt mit Losbuden, Riesenrad, Wasserrutsche und anderen Schleudertrauma erregenden Attraktionen, die uns bereits beim Zuschauen den Magen umdrehen. Wir kämpfen uns an den zahllosen Fressbuden mit Bar-B-Q, Corn Dogs, Pizza, Pommes, Bretzeln vorbei und entern unsere ausgezeichneten(!) Sitzplätze für das Rodeo.

Die Show beginnt mit - wie könnte es auch anders - mit einer Stampede. Massen von Kühen werden durch die Arena getrieben. Danach beginnt das eigentliche Spektakel, welches es bereits seit 1912 gibt. Es gibt kaum Regeln, außer oben bleiben und gut aussehen. Bewertet wird der Reitstil, die Dauer auf dem Rücken des Tieres und wie sich das gerittene Tier verhält. Je wilder, je bockiger, desto besser! Geritten werden Pferde, mit und ohne Sattel (Saddle Bronc or Bareback Riding) und Bullen. Oft hält es die Reiter nur Sekunden oben. Obwohl durch Weste und Halskragen, manchmal auch Helm, geschützt, gibt es einige Verletzte. Tiere kamen jedoch unserer Meinung nach nicht zu Schaden. Vielleicht sollten die Demonstranten auch ein Herz für die armen Rodeo-Reiter zeigen, welche für ein Preisgeld von gerade mal 50.000 Bucks ihr Leben riskieren.
Weiterhin gab es das Pferderennen der Damen (Barrel Racing), bei dem in möglichst kurzer Zeit Tonnen umritten werden mussten. Weitere Attraktionen waren das Einfangen von Kälbern mit Lassos vom Pferd aus, deren Umlegen und Fesseln (Tie-Down Roping) und das in weniger als 10 Sekunden. Der schnellste hat es in 7,5 Sekunden geschafft. Dann das 'Stier-Würgen' (Steer Wrestling). Hier soll schnellstmöglich ein junger Stier bei den Hörnern genommen und flach gelegt werden. Die jungen Stiere und Kälber taten uns schon etwas leid. Andererseits, ein gutes Steak verachten wir auch nicht! Rodeo oder nicht, wir glauben, dass die Kühe hier bis zur Schlachtung ein wesentlich besseres Leben auf den weiten Weiden haben, als deutsches Vieh aus Massenhaltung. Die Stimmung war großartig und wir empfehlen: Schaut es Euch an! Bilder hier...
Rodeo ist ein sehr ernsthafter Sport. Der kanadische Sender CTV (vergleichsweise ARD/ZDF) überträgt jeden Abend um 9 Uhr die Hightlights und Ergebnisse. Am nächsten Tag berichtet der Calgary Herald (die größte Lokalzeitung) ausführlich im Sportteil. Reiter und Pferde (!) werden hier heldenhaft verehrt. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus Kanada und den USA, aber auch mehr und mehr aus Neuseeland und Australien.

July 09, 2005

Die Calgary Stampede beginnt!

Um 5 Uhr morgens geht der Wecker, um halb 7 sind wir bei Pam und Rachel. Bei Second Cup wird noch Kaffee getankt, dann geht's im Bus nach Downtown.

Um 8 Uhr haben wir unsere Plätze eingenommen und machen es uns mit mitgebrachten Klappstühlen und Kissen gemütlich, lesen Zeitung und warten gemeinsam mit ca. 400.000 anderen Schaulustigen auf die Parade, die traditionell die Stampede eröffnet. Ein Geheimtipp: am besten sucht man sich einen 'Glotzplatz' in der Nähe der Fernsehkameras, dann kann man sicher gehen, dass die Parade-Teilnehmer ihre beste Show abgeben…
Um 9 Uhr beginnt die Parade am anderen Ende von Downtown, die Live-Musik und das unvermeidliche "Yahoo!" und "Yeehaw!" schallen durch die Häuserschluchten. Dazu Stimmung wie beim Familienpicknick. Auf dem Parkplatz hinter uns wird gegrillt, man unterhält sich und zwischendurch werden wir immer mal wieder zu einem kräftigen "Yahoo!" und "Yeehaw!" animiert. Wie schon so oft, scheint der Kanadier auch diesmal ohne Alkohol und Zigaretten feiern zu können. Gegen 10 Uhr sind wir 'dran'. Wie im deutschen Karneval gibt es auch hier Marschkapellen (hier meistens Highschool-Bands), Tänzer und Themen-Wagen, letztere jedoch meist Städte in Alberta und sind ohne politischen Hintergrund.

Dann Pferde, Cowboys und echte Indianer. Aber auch zugewanderte Kulturen haben ihren Platz in der Parade. So gibt es chinesischen Drachentanz, Dudelsackkapellen oder indische Sikh, Polen, Ukrainer, Araber. Die bayrisch-kanadische Stadt Kimberley hat seinen eigenen kulturellen Beitrag mit Ziehharmonika und Lederhosen geleistet. Bilder hier!
Toll war, dass nach dem schrecklichen Ereignis in London, die muslimischen Teilnehmer mit besonders viel Applaus bedacht wurden. Als wenn die Kanadier damit sagen wollten: Wir wissen, das war nicht Eure Schuld.
Nach etwa dreistündigem Spektakel lösen sich die Zuschauermassen ganz friedlich auf und die Reinigungskolonnen beseitigen die Hinterlassenschaften der Zwei- und Vierbeiner. Eine halbe Stunde später fließt der Verkehr wieder, als wenn nichts gewesen wäre…

July 08, 2005

Sonja hat den Job!

Nicht, daß das nun irgend jemanden überraschen würde, aber natürlich wollen die Jungs Sonja haben! Yippeeekayeeeh! Damit ist unsere Miete erst einmal gesichert und Roland wird nun den Hausmann machen... Er hat mittlerweile fast 30 Bewerbungen raus, und muss jetzt mal langsam nachziehen mit einem Gespräch!

Für uns Deutsche ist das ja alles etwas gewöhnungsbedürftig: Erst gibt es gar kein Feedback auf Bewerbungsschreiben, dann geht alles Schlag auf Schlag, und wenn man einen Job hat, muss man sich nicht wundern, wenn man nicht mal einen schriftlichen (!)Vertrag bekommt. Wir haben uns von Freunden bestätigen lassen, daß das normal ist, zumindest bei kleinen Firmen! Aber wenn Sonja einen Vertrag haben will, dann soll sie halt ein Dokument entwerfen und mitbringen, der Chef wird es dann unterschreiben! Denn Gehaltsscheck(!!!) gibt es alle 14 Tage. Gleichzeitig damit erhält man einen
pay stub
(=Gehaltszettel), auf dem die Steuern und Abgaben festgehalten werden. Kündigungsfrist ist übrigens eine Woche...
Am Montag, dem 11. Juli geht's los mit dem Arbeiten und der unmenschlichen Arbeitszeit 7.30 - 16.00 Uhr (O-Ton des Chefs: "dann kann man nachmittags noch in die Berge..."). Drückt alle die Daumen, daß der Job Spaß macht und das Gehalt auch ohne Vertrag ankommt!

Falls man wissen will, wieviel einem nach Abzug der Steuern übrig bleibt, findet man entsprechende Informationen auf den Seiten der canada revenue agency.

Gesetzlich gibt es 10 Tage bezahlten Urlaub (erst) nach einem Jahr Beschäftigung, nach 5 Jahren, 3 Wochen usw., falls man beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt bleibt. Wechselt man den Arbeitgeber, geht es wieder von vorne los.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall obliegt der Gunst der Arbeitgeber, m Fall eines Arbeitsunfalls tritt die Berufsgenossenschaft ein, aber bei längerer Krankheit muss Arbeitslosengeld beantragt werden, welches dann maximal für sechs Monate gezahlt wird, und das auch nur, wenn man bereits 52 Wochen in die Employment Insurance eingezahlt hat. Zahlungen in Form von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gib es nicht.