Jeder Umzug ist ein reinigender Prozess. Ballast abwerfen, sich von Besitz befreien. Endlich werden mal die Sachen entsorgt (verkauft, verschenkt, gespendet), für die man schon seit langem keine Verwendung mehr hatte. Bei manchen Dingen erinnert man sich nicht einmal mehr, warum man sie überhaupt gekauft hat. Je öfter man umzieht, desto effizienter wird dieser Prozess, und schließlich kommt einem vielleicht sogar die Idee, einfach von vorn herein weniger zu kaufen und zu besitzen...
Bei unserem Umzug nach Kanada hatten wir jedenfalls alles, was nicht zu den unzertrennlichen Erinnerungsstücken unseres Lebens gehörte, hinter uns gelassen: Die Wohnung, die Möbel, das Auto, viele Bücher und CDs, Haushaltswaren, Kleidung... und haben festgestellt, dass unsere liebsten und wichtigsten Stücke in ein paar Kartons passten. Und die kamen dann mit!
In der Tat war es billiger, neue Möbel vor Ort zu beschaffen, als unsere alten Ikea-Freunde nach Kanada zu transportieren. Darüber hinaus brauchten wir ja keine Kleiderschränke mehr, denn die gab es als begehbare Version in jedem Wohnobjekt, genau wie eine mit Elektrogeräten ausgestattete Einbauküche. Bei einer Einbauküche handelt es sich im Übrigen um Küchenmobiliar, welche in der Immobilie verbleibt, wenn man weiter zieht, liebe Deutsche. Außerdem waren die Vorhänge und Fußbodenbeläge ebenso Teil des vorhandenen Inventars wie die Lampen. Wieder etwas, dass man nicht kaufen musste. Umziehen kann ja so einfach sein!
Als wir im
April 2005 unser neues Domizil im Norden Calgary's bezogen, gab es zum Schlafen erst einmal ein Schlafsofa, dazu einen Couchtisch, ein paar Regale für unsere Habseligkeiten und natürlich zur kulturellen Bereicherung... einen Fernseher. Fertig war die neue Einrichtung, Ikea sei Dank! Spartanisch, aber praktisch. (Später wanderte diese "Erstausrüstung" dann ins Gästezimmer.)
Vermisst haben wir... nichts. Der Wein schmeckte genauso gut aus Wassergläsern und das Bier gab's aus der Flasche (den Öffner dafür, den hatten wir allerdings mitgebracht.).
So haben wir mit diesem entscheidenden Wohnortwechsel ganz nebenbei den Minimalismus für uns entdeckt.
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| 2006 Gefrorene Wellen am Ghost Lake, westlich von Cochrane, AB |