
Zu Ferienbeginn hat auch Kanada sein Zeugnis erhalten. Man sollte meinen, dass ein Land mit Wirtschaftswachstum, starker Währung und niedrigen Arbeitslosenquoten, in dem die Lebensqualität höher als irgendwo sonst ist, auch Bestnoten aufzuweisen hat, aber der Kandidat hat im Vergleich mit 17 anderen Industrienationen tatsächlich gerade mal den Klassendurchschnitt erreicht.
Die Wirtschaft stützt sich fast vollständig auf die Ausbeutung der Bodenschätze, und weil man damit ja schon ganz netten Profit macht, muss man ja auch nicht in Forschung und Entwicklung anderer Wirtschaftszweige investieren. Welche bahnbrechenden Innovationen kennt man aus Kanada, den Blackberry von 1999 mal ausgenommen? Dass sich die Ausbeutung von Resourcen nicht gerade mit Umweltschutz verträgt, und sich das Land entsprechend in der untersten Bewertungskategorie wieder findet, verwundert ebenfalls nicht.
Auch das in der PISA Studie hoch gelobte Ausbildungssystem konnte uns bisher nicht wirklich überzeugen. Wenn die kanadische Bildung so viel besser ist, warum begegnet man nicht wirklich vielen innovativen, smarten, zukunftsorientierten KanadierInnen? Naja, vielleicht bewegen wir uns nur in den falschen Kreisen. Jedenfalls weiss das Conference Board of Canada zu berichten, dass 4 von 10 Menschen in diesem Land nicht einmal über ausreichend Allgemeinbildung verfügen, um mit dem Alltag klar zu kommen. (quote: "7 million adult Canadians—or 4 in 10—do not have the literacy skills to cope with the demands of everyday life and work in modern society.")
Das Gesundheitssystem ist sicher nicht schlecht, es ist preiswert (in Alberta kostet es gar nichts, Zusatzversicherungen zahlt der Arbeitgeber), modernste Ausrüstung und Infrastruktur ist vorhanden. Allerdings fehlt es an Fachkräften und Nachwuchs, aber das ist nicht nur ein kanadisches Problem.
Zuletzt befindet sich die Gesellschaft im Umbruch. Auch kein ausschliesslich kanadisches Phänomen ist die Zuwanderung aus verschiedensten Kulturkreisen, die Überalterung, zu viel Stress durch Arbeitskräftemangel, aber auch der gesellschaftliche Druck, der mit Geld oft verbunden ist (mein Haus, mein Auto etc...). Aber, auch wenn Kanada in der Kategorie Lebensstandard im Ranking der letzten Jahrzehnte vom vierten auf den neunten Platz gefallen ist, den gefühlten Lebensstandard kann jeder noch für sich selbst festlegen, und wir fühlen uns hier (immer noch) sehr wohl.
Quelle: http://sso.conferenceboard.ca/HCP.aspx














