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August 09, 2015

Die Westküste ruft!

“Nichts ist so beständig wie der Wandel” 
Heraklit von Ephesus (etwa 540 - 480 v. Chr.)

Nach fünf Jahren in Alberta zogen wir im Frühjahr 2010 offiziell nach Britisch Kolumbien um, nach Port Moody, um genau zu sein, einem Vorort von Vancouver. Die Gründe waren vielfältig.

2010 Pitt Meadows

In 2005 Alberta bot die besseren Einstiegs- und Verdienstchancen, und so wurde Calgary unsere erste Adresse in Kanada. Und Alberta war gut zu uns. Krankenversicherung vom ersten Tag an (nicht erst nach drei Monaten Wartezeit, wie in anderen Provinzen üblich), lukrative Arbeitsangebote und niedrige Steuern. Auch landschaftlich war Alberta ein Glücksgriff. Wir hatten die Rocky Mountains vor der Tür, die Prärie und die Badlands.

Warum sind wir also weiter gezogen?

Seit der Rezession in 2009 hatte sich viel verändert in der wohlhabenden Provinz. Die Arbeitssituation war unsicher geworden, Freunde waren weggezogen, der Arbeit hinterher, und unser soziales Netz bekam Löcher. Man konnte auch sagen, es war kälter geworden, und damit meinten wir nicht das Wetter. Auf der anderen Seite war BC immer unser großer Traum gewesen. Als dann auch noch für Sonja ein Jobangebot von der Westküste ins Haus flatterte, war es klar, dass wir den Sprung wagen wollten.

Die nächsten drei Jahre an der Westküste wurden traumhaft. Die Berge und der Ozean, der Regenwald, das Marschland, die Weingüter. Moderate Temperaturen mit vier echten Jahreszeiten. Motorradfahren, Kayak fahren, Wanderungen und überall Wasser: Seen, Flüsse, das Meer. Einmal angekommen, möchte man hier nicht mehr weg, denkt man. 

Aber so einfach es für Sonja war, beruflich in BC Fuß zu fassen, so schwierig blieb es für Roland. Nur gut, dass er einen kulanten Arbeitgeber in Calgary hatte, der mit Homeoffice kein Problem hatte und ihn einfliegen ließ, wenn er vor Ort gebraucht wurde. Doch irgendwann wurde für ihn die Pendelei nervig und die lokale Arbeitssuche frustrierend. Das Homeoffice wurde zur sozialen Sackgasse, und schließlich brachten einsetzendes Heimweh und Sorge um den Gesundheitszustand der Mutter in 2013 den Stein zur Rückkehr nach Deutschland ins Rollen.

2012 Port Moody

Wir haben uns nach kurzer Zeit der Eingewöhnung (nun, Sonja brauchte etwas länger...) beruflich und privat wieder etabliert, alte Kontakte wiederbelebt und neue geknüpft und genießen den Schwarzwald und die Nähe zur Familie. Motorradfahren macht auch hier viel Spaß und wir verbringen viel Zeit mit Laufen, Wandern und Fahrradfahren. Dennoch, selbst nach mehr als zwei Jahren zurück in Deutschland, vermissen wir manchmal Kanadas Weite und die Natur und das doch wesentlich entspanntere Arbeitsleben. Die Sehnsucht bleibt.

August 01, 2015

Arbeitslos in Kanada

2009 schlug die Rezession mit voller Wucht in Alberta ein. Diese bedeutete für Sonja zum ersten Mal in ihrem Leben, Arbeitslosigkeit und damit reduzierte sich ihr Einkommen mal eben auf maximal 400$ pro Woche. Roland blieb damals von dem Ganzen verschont und somit war unsere Existenz trotz allem gesichert.

Das Positive an dem Dilemma: Frau meldet sich online auf dem Internet Portal von Service Canada arbeitslos. In den sieben Monaten der Beschäftigungslosigkeit hat Sonja nie ein kanadisches Arbeitsamt von innen gesehen, geschweige denn einen Betreuer, und das Arbeitslosengeld wurde mit jeder weiteren Statusmeldung trotzdem ausgezahlt. Auch die Abmeldung erfolgte im Internet. Davon könnte sich der deutsche Behördenapparat mal eine Scheibe abschneiden, so etwas spart massig Personalkosten...

Während dieser "freien" Zeit wurde mal wieder Inventur gemacht und die Bude ausgemistet. Die daraus resultierenden Verkaufsaktionen hielten dabei nicht nur Sonja auf Trab, während sie zu Hause herum saß, sondern eröffneten auch Möglichkeiten, ein paar Dollar extra zu verdienen.

Was haben wir in dieser Zeit gelernt?
  • Es muss nicht immer Kaviar sein. (oder wie in unserem Falle: Aushäusig essen). Sonja entdeckte das Kochen wieder für sich.
  • Wir wurden Mitglieder bei der regionalen Bücherei und sparten fortan all die Ausgaben für CDs, Bücher und DVDs.
  • Ordnung reduziert die Zeit des Suchens und schafft Raum.
  • Soziale Plattformen wie Facebook, Stayfriends, Twitter etc. kosten viel Zeit, aber verkürzen den Leerlauf der between-jobs (so ein schöner Begriff für Arbeitslosigkeit) Phase.
  • Ausflüge in die umliegende Natur sind durch nichts zu ersetzen. Gleichzeitig löst man sich auch mal wieder von Computer und Mobiltelefon, denn Empfang gibt es in der Wildnis nicht.
Wir sind darüber sicher keine Minimalismus-Jünger geworden, aber da bekannterweise Besitz besitzt, wurde mit jedem verkauften Stück das Leben wieder leichter, sogar mit weniger Einkommen. Nebenbei wurde alles aufgeräumt, optimiert, sortiert: Schränke, Akten, Daten. Roland verbrachte allerdings noch Wochen danach fluchend damit, sich in dieser Neuordnung zurecht zu finden...
    Life is good!

    “Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher. 
    Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. 
    Wenn du ganz loslässt, bist du frei. "
    (Ajahn Chah, theravada-buddhistischer Mönch, 1918 – 1992)

    2006 - Alberta Prairies

    July 26, 2015

    Urlaub vom bisherigen (Arbeits-)Leben

    Kanada ist anders. Und das ist gut so. Denn wo gibt es den Chef, der einen spätestens um fünf Uhr nachmittags nach Hause schickt? Der einen nach Feierabend und am Wochenende nicht mit emails oder Anrufen bombardiert? Den Vorgesetzten, der sich mit einem Handschlag für die geleistete Arbeit bedankt, und das immer wieder? Das Unternehmen, das Arbeitsleistung unaufgefordert mit einer Gehaltserhöhung und einem Sonderbonus bedenkt? In Kanada, bzw. in Alberta haben wir das erlebt. Beim ersten Mal dachten wir noch, da will uns einer auf den Arm nehmen. Prämien? Gutscheine? Das konnte doch nur ein Irrtum sein, fragten wir irritiert. War es aber nicht, bestätigte uns der lachende Boss.

    Ach ja, und wo wurden noch die Steuern gesenkt und ein Überschuss direkt dem Steuerzahler zurück gezahlt? Auch das haben wir 2005 in Alberta erfahren, in Form des Prosperity Bonus, auch Ralph-Bucks genannt. Klar hätte man das Geld auch in Calgary's Infrastruktur stecken können, aber so wurde eben der Konsum angekurbelt, und wir haben niemanden kennen gelernt, der das Geld nicht sofort in Ware umgesetzt hätte (bei uns gab es Winterreifen dafür).

    Jedenfalls war dank entspannter Arbeitsweise und ebenso relaxten Vorgesetzten jeder Feierabend ein bisschen wie Urlaub. Und das musste auch so sein, denn wir hatten anfangs nur zwei Wochen bezahlten Urlaub. Doch wenn man darüber nachdenkt... mehr brauchten wir auch nicht.

    2006 im Kananaskis

    December 11, 2012

    Es geht wieder los!

    Kanada ist weltweit ein beliebtes Einwanderungsziel für jedermann(-frau). Das passt gut, denn es boomt schon wieder kräftig und plötzlich fehlen mal wieder (billige) Arbeitskräfte. Und da das Abwerben von Arbeitskräften ja viel preiswerter ist und schneller geht, als die Ausbildung des ortansässigen "Human Capitals", wie es ja so schön in der Konzernsprache heißt, und es ja so einfach ist, diese Immigranten wieder nach Hause zu schicken, sobald der Aufschwung vorbei ist, gibt es jetzt für Handwerker und andere skilled worker ein ganz tolles, neues beschleunigtes Bewerbungsverfahren. 

    Der Bewerber darf also nun das allgemein gültige Punktesystem umgehen, wenn er ein Arbeitsangebot in der bevorzugten Berufsgruppe vorlegen kann. (Das ist im Bewerbungsverfahren für ein Workpermit auch zwingend.) Darüber hinaus reicht es aus, ein Minimum von zwei Jahren Berufserfahrung in der gewünschten Sparte gesammelt zu haben. (Im Normalverfahren gilt: je mehr Erfahrung desto besser.) Des weiteren braucht er/sie nur noch über Basiskenntnisse in einer der Landessprachen verfügen. (Bei der normalen Bewerbung gibt es extra Punkte für Sprachkenntnisse, wenn man diese zertifizieren lässt.)


    Für den Unternehmer ist das natürlich besonders schön, denn er bekommt recht schnell, und oft zu viel niedrigeren Lohnkosten seine offenen Stellen mit Immigranten besetzt, für deren Ausbildung er selbst nicht einen Cent ausgeben musste. 

    Nur darf man sich jetzt wahrscheinlich schon darauf einstellen, dass die fehlende Berufserfahrung kombiniert mit mangelhaften Sprachkenntnissen unweigerlich zu Missverständnissen von Anweisungen, zu Qualitätsmängeln oder im schlimmsten Falle zu vermehrten Arbeitsunfällen führen wird. Ganz toll!

    October 05, 2012

    Alberta sitzt wieder fest im Sattel

    Yeehaw! Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich Alberta wieder von der Rezession erholt hat. In 2009, als auch Sonja (zum ersten Mal in ihrem Arbeitsleben) ihren Job verloren hatte, stiegen die Arbeitslosenzahlen extrem schnell, und viele verliessen die Provinz oder mussten sie verlassen, da sie nur mit einem Workpermit im Land waren.

    Nur drei Jahr später heisst fast schon wieder: Arbeitskräftemangel in Alberta. Während die landesweite Arbeitslosenquote noch bei 7.4% liegt, zählt man beim 'Klassenbesten' in Alberta nur 4.4%. Ein echtes Stehaufmännchen.

    Quelle: hier

    Vielleicht sollten die Verantwortlichen wieder den Slogan der Alberta Advantage heraus kramen, den man in 2009 (verschämt) mit einem geistfreien neuen Spruch ersetzt hatte.

    Der Grund für die schnelle Erholung liegt (leider) fast ausschliesslich in dem Industriezweig, der sich mit der Förderung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe befasst. Gut für den Arbeitnehmer, nicht so toll für die Umwelt...

    June 25, 2011

    Geschäftsreisen

    Roland hat noch einiges an Geschäftsreisen nachzutragen, was hiermit nun endlich geschehen soll...

    Zunächst ging es nach Houston, wo er bei einem Six Sigma Training aushalf. Dort traf er auch einen Ex-Kollegen aus uralten Air Liquide-Zeiten, Etienne, zu einem gemütlichen und erinnerungsreichen Abend beim Italiener:


    Am zweiten Abend ergab Roland sich dem Gruppenzwang und schaute sich ein Baseballspiel der lokalen "Houston Astronauts" an. Das Team ist das schlechteste der Liga, aber das Stadion, erbaut an der Stätte eines ehemaligen Bahnhofs, ist wunderschön. Klar ist, dass Roland niemals ein Baseballfan werden wird...

    Der kulinarische Höhepunkt des Trips war aber das brasilianische Restaurant, das die Gruppe am letzten Abend gemeinsam besuchte. Das war insofern passend, da Roland als Fast-Brasilianer im Training neben einer nach Texas ausgewanderten Brailianerin namens Lucienda sass. Das Essen im Fogo de Chao war schlichtweg fantastisch, lediglich die Fejoada ist bei Roland's Mama noch besser!

     
    Letzte Woche stand dann eine Reise ins Schwesterwerk in Evansville, Indiana sowie nach Calvert City zu einem weiteren Training (diesmal SAP Business Warehouse) an. Das Essen ist in diesen Gegenden natürlich längst nicht so gut, aber die Landschaft hat einige positive Überraschungen zu bieten. 
    Mit dem dortigen Kollegen John wurden deshalb auch ein paar der dortigen Sehenswürdigkeiten abgegrast, speziell "Land between the Lakes" und "Garden of the Gods". Bei letzteren war aufgrund eines gerade aufziehenden Gewitters eine fantastische Atmosphäre, die sich dann allerdings in biblischen Regengüssen entlud.
     
    Klick auf die Bilder, um die Landschaft in voller Pracht zu geniessen.

    June 10, 2011

    Unaufregende Geschäftsreisen


    Lichtspiele im Chicago Airport

    Warnschild am Cincinnati Airport

    Nachdem Sonja im Mai ja wieder einmal für Lieferantenbesuche in Michigan weilte (Detroit und Flint), konnte sie in dieser Woche zwei weitere US Staaten von ihrer Liste streichen: Kentucky und Ohio. Über den üblichen Umsteige-Bahnhof Flughafen Chicago ging es nach Cincinnati, dessen Flughafen allerdings in Kentucky liegt. 

    Es war HEISS, 32 Grad mit 200% Luftfeuchtigkeit. Ausser Flughafen, Taxis, Hotel und Meeting-Räumen hat sie leider nicht viel von der Gegend gesehen, aber wirklich zu sehen gab es wohl - wie in den meisten Staaten des Mittleren Westens der USA - auch nicht.
    Auffallend war einzig, wie auch in Michigan, Indiana und New York State, der Leerstand vieler Fabrik- und Bürogebäude. Die Rezession ist dort allerorts fühlbar stärker als hier bei uns im Westen Kanadas.

    April 08, 2011

    Und schon wieder eine 'Tour of Duty'


    Anzeigetafel am Flughafen Buffalo, NY

    Keine ruhige Minute. Sonja war schon wieder seit letzten Sonntag auf Achse, diesmal in New York State, Michigan, Indiana und Illinois, während Roland bei milden Frühlingstemperaturen in Vancouver den Kirschblüten beim Wachsen zusehen durfte. Was Sonja so alles passiert ist, steht hier -> KLICK

    March 31, 2011

    Verschollen

     
    Uptown Cafe, Branson, MI

    Wir waren m.i.a. (missing in action) und daher in der vergangenen Woche schlecht zu erreichen. Während sich Roland wieder mal im frostigen Calgary die Ohren abgefroren hat, war Sonja auf Lieferanten-Tour im Mittleren Westen der USA. Mehr davon hier und nachfolgende Einträge für die, die es interessiert...

    May 16, 2010

    Pleiten, Pech und Pannen, Teil 2

    Und hier Teil zwei der Pannenwoche...

    2. Der verfrühte R
    ückflug
    Roland's Training ging schneller als erwartet und war schon am Donnerstag beendet statt am Freitag. Roland hatte seine Reise über expedia gebucht, mit einem Rückflug via Denver für Samstag und einer Flughafenhotelübernachtung von Freitag auf Samstag in Dallas. Sollte ja möglich sein, das umzubuchen! Als Fluggesellschaft für den Rückflug war Air Canada angegeben, aber ein Anruf dort (mit 10 Minuten Wartezeit) ergab, dass American Airlines (mit denen Roland gekommen war) für alle Änderungen verantwortlich wäre, aber am besten würde er expedia anrufen. Gesagt, getan. Der Herr bei expedia benötigte gefühlte 30 Minuten an seinem Computersystem, um Roland dann mit zu teilen, dass er ihm wegen der unglücklichen Zusammensetzung der Flüge (neben Air Canada und American war auch noch United involviert) überhaupt nicht helfen könnte. Keine Änderung, keine Stornierung...

    Roland rief also seinen Chef an und schilderte ihm die Situation. Chef zögerte keine Sekunde und wies Roland an, einen neuen Flug am Freitag zu buchen. Nach kurzer Recherche fand sich auch ein einigermassen bezahlbarer Flug von Dallas über Seattle nach Vancouver, Abflug 12.45, Ankunft 17.30.

    Roland rief also beim Flughafenhotel an, um die Übernachtung vorzuziehen, bekam aber wieder einmal die mittlerweile schon bekannte Hilfsbereitschaft zu spüren: "Ich kann Ihnen nicht helfen, das müssen Sie mit expedia ausmachen". Toll, also auf der Reservierung nach der Reservierungsnummer geschaut, nur um folgende dick und fett gedruckte Zeilen zu sehen: "Diese Reservierung kann weder storniert noch geändert werden".

    Roland entschloss sich also, im Trainingshotel zu bleiben und von dort aus am frühen Freitag Morgen zum Flughafen zu fahren (3 Stunden Strecke). Aus bislang unbekannten Gründen funktionierte die Fahrt reibungslos, sodass er um 9.30 am Flughafen und um 10.00 Uhr durch alle Sicherheitschecks durch war.

    Boarding war um 12.15, da war also noch Zeit für ein Frühstück. Roland nahm sogar noch wahr, dass ein paar Regentropfen gegen die Scheiben rieselten, dachte sich aber nichts dabei. Er fand sich nach dem Frühstück also wieder am Gate ein, wo wir pünktlich um 12.15 Uhr erfuhren, dass unser Flug gecancelt wurde. Tatsächlich war der gesamte Flughafen für knapp eine Stunde von einem heftigen Gewitter komplett lahm gelegt. Dutzende hereinkommende und ausfliegende Flüge wurden gecancelt, tausende von Reisenden mussten sich neue Verbindungen suchen.

    Roland gehörte nach ausgiebigem Schlangestehen zu den Glücklichen, die einen Direktflug nach Vancouver ergattern konnten (der eigentlich das doppelte von Rolands ursprünglichen Flug gekostet haette). Abflug 17.00 Uhr. Es galt also, fast 5 Stunden totzuschlagen, was vorzugsweise mit Hilfe von Rolands ipod geschah. Roland hatte seine Bordkarte schon und war darüber sehr glücklich, denn in den nächsten Stunden wuchs die Warteliste für den Flug auf 37 Passagiere an! Natürlich hatte der neue Flug ebenfalls Verspätung, und zwischendurch wurde unser Gate von D18 auf D28 geändert (Völkerwanderung), um 10 Minuten später wieder auf D20 geändert zu werden (Völkerwanderung zurück, zum Gate gleich neben D18).

    Roland lernte ein freundliches älteres Ehepaar aus Whiterock kennen, das in der Warteliste irgendwo auf paarundzwanzig rangierte. Da er ja immer noch ein Hotelzimmer hatte, hat er dem Paar seine Informationen gegeben, damit sie statt seiner das Zimmer nutzen könnten. Ob das tatsächlich geklappt hat, steht allerdings in den Sternen...

    Um 19.45 Uhr ging es dann endlich ans Boarding, um 20.15 Uhr war der Flieger auf der Rollbahn und um 22.00 Uhr Pacific Time landete er in Vancouver. Müssig zu sagen, dass Rolands Tasche
    nicht an Bord war. Diese Schicksal teilte er mit einigen anderen Passagieren, also stand noch einmal Schlangestehen an, um die nötigen Informationen abzugeben. Dann endlich raus (23.00 Uhr) und mit Sonja nach hause (24.00 Uhr).

    Die gesamte Reise hat also von der Abfahrt vom Hotel bis Ankunft zuhause 20 Stunden gedauert. So macht Reisen Spass! Immerhin kam die Tasche heute mittag an, und ausserdem erwiesen sich die Mitarbeiter von American Airlines als ausserordentlich freundlich und hilfsbereit. Trotzdem ist Roland froh, auf absehbare Zeit nicht mehr in die USA fliegen zu müssen...

    May 15, 2010

    Pleiten, Pech und Pannen, Teil 1

    Hinter uns liegt eine Woche, in der so gut wir gar nichts funktionierte... Hier eine Zusammenfassung der ersten von zwei der Pannenserien während Rolands Reise zu seinem vierten Six Sigma Training in Longview, TX:

    1. Die vergessenen Medikamente
    Vor lauter Aufregung hatte Roland beim Einpacken seine letztendlich lebenswichtigen Medikamente vergessen. Ihm fiel beim Landeanflug auf Dallas ein, dass die Sachen noch auf dem Waschtisch im Badezimmer lagen. Also flugs Sonja angerufen, damit sie die Pillen "overnight" nach Longview, Texas schickt.

    Am nächsten Morgen ging Sonja also zu ups, um dort zu erfahren, dass Medikamente nur dann in die USA geschickt werden können, wenn eine Kopie des Reisepasses und eine Kopie des Rezeptes beigelegt sind. Glücklicherweise hatten wir tatsächlich eine Kopie des Reisepasses zuhause, und für das Rezept hat sie unsere Apotheke in Calgary um eine Faxkopie gebeten. Das Paket mit 10(!) Tabletten ging also für einen Preis von 70 Dollar auf den Weg, aber ups konnte nicht garantieren, dass der US-Zoll die Sendung auch passieren lassen wuerde.

    Mit dem ausgezeichneten ups-Trackingsystem konnten wir jederzeit verfolgen, wo das Päckchen war, und um 2 Uhr am nächsten Morgen befand es sich bereits in Louisville, Kentucky. Nun kam jedoch der Zoll ins Spiel, und damit war jedes Tempo raus. Nun hiess es nur noch warten auf dies, warten auf das, warten auf... whatever!

    Roland wurde nun langsam ziemlich nervös und entschied sich, zu Plan B zu greifen, nämlich ebenfalls mit einer Faxkopie des Rezeptes bewaffnet einen Arzt zu finden, der ihm ein amerikanisches Rezept für ein paar Pillen ausschreibt. Beispiel einer Unterhaltung mit der Sprechstunde: "Bin aus Kanada, nur hier für eine Woche, Medikamente vergessen, dringend, habe kanadische Rezeptkopie, können Sie helfen?" - "Sind Sie denn Patient bei uns?" - "Nein, Kanada, eine Woche hier, wie soll ich da Patient sein?" - "Da können wir nicht helfen, wenn Sie kein Patient sind." - "Also, Sie würden mich eher sterben lassen, als mir zu helfen?" - "Tut mir leid!"
    Nach ungefähr sechs vergleichbaren Gesprächen (allerdings meist mit hilfsbereiteren Sprechstunden) gab Roland auf und entschloss sich zum Rückflug, falls das Paket bis zum nächsten Tag nicht da wäre.

    Und tatsächlich, am nächsten Morgen zeigte der ups-Tracker Bewegung an! Das Paket war mittlerweile im 100 km entfernten Shreveport gelandet. Kurze Zeit später war es schon in Longview und auf dem Auslieferfahrzeug. Die Rezeption war informiert, Roland sofort aus seinem Training zu holen, da konnte ja nichts mehr schief gehen. Roland checkte regelmässig den Tracking-Status auf seinem Laptop und... plötzlich erschien die Meldung "Anlieferung versucht; konnte die Bezahlung nicht eintreiben, wird es später noch mal versuchen"...

    Roland sofort zur Rezeption, was das nun wieder soll, um dort eine andere Empfangsdame als zuvor zu finden, die natürlich nichts davon wusste, dass er alarmiert werden sollte. Aber der Bote hatte gesagt, dass er noch weitere Pakete für das Hotel in seinem Wagen hätte, an die er im Moment schlecht heran kommen würde, er wäre bald also wieder da und würde dann das Geld eintreiben. Roland hinterliess also weitere 21.25 USD als Bezahlung und bat erneut um Info, wenn das Paket ankommt.

    Und diesmal klappte es! Eine halbe Stunde später klopfte es im Trainingsraum, und Roland konnte seine Medikamente entgegen nehmen. Aber: der ups-Mann nahm weder Bargeld noch Kreditkarte an, ein Scheck müsste es schon sein!!!!! Den schleppt anscheinend jeder Amerikaner mit sich herum, aber Roland natürlich nicht. Glücklicherweise fand sich ein Hotelmitarbeiter, der einen Scheck ausstellte und im Gegenzug Rolands Bargeld an sich nahm.

    In Summe hat uns Rolands Vergesslichkeit fast 100 Dollar für 10 Pillen mit einem Wert von 25 cts gekostet. Aber aus Schaden wird man ja bekanntlich klug, und wir haben gelernt, dass der hypokratische Eid in den USA durch den hypokritischen (heuchlerischen) Eid ersetzt wurde. Das wird noch ein paar Jahrzehnte dauern bis zu einem funktionierenden sozialen Gesundheitssystem.

    April 18, 2010

    Der langweiligste Flughafen der Welt

    Roland war wieder einmal in Houston, Texas, um an der dritten von vier Six Sigma-Trainingseinheiten teil zu nehmen. Das Training war wieder sehr gut, diesmal haben wir mit Holzkatapulten Golfbälle aus drei Metern Entfernung in eine grosse Kaffeetasse geschossen. Der Sinn der Übung lag darin, mit geschicktem Sammeln von Daten (Auswerten von hunderten von Schüssen mit verschiedenen Einstellungen des Katapults) und Minimierung möglicher Varianzen (ungewolltes Spiel im Katapult und im Gummizug) die optimale Einstellung zu finden, um den Ball möglichst genau auf Zielweite zu schiessen. Eines unserer Teams (natürlich nicht Rolands) stellte dabei einen neuen Allzeitrekord auf mit fünf Volltreffern bei fünf Schüssen.

    Allerdings war das gesamte Trainingsmodul diesmal etwas kurz geraten, so dass wir am Freitag anstatt um 15.00 Uhr schon um 10.00 morgens durch waren. Roland hatte seinen Flug für 18.15 gebucht, und damit 8 Stunden Leerzeit. Glücklicherweise konnte er seinen Flug auf 15.00 Uhr umbuchen, aber das war immer noch eine Menge Zeit... Also entschloss er sich, am George Bush Airport eine kleine Shoppingtour zu unternehmen. Allerdings stellte sich heraus, dass keines der fünf Terminals auch nur einen einzigen Laden zu bieten hatte. Ein Zeitschriftenstand und ein Starbuck's, das war's! Auch ansonsten hat George Bush (der Flughafen) absolut überhaupt nichts zu bieten. Völlig überaltet, und das Layout ist so schlecht, das man beim Taxiing zur Rollbahn glaubt, man würde zum Zielort fahren. Auf Rolands Frage, warum man denn einen solchen Flughafen nach einem Präsidenten benennen würde, antwortete Rolands Kollege Mark: "sie hatten halt keinen besseren...". Bleibt die Frage, was sie denn dann wohl irgendwann einmal nach dem Sohnemann benennen werden, einen Busbahnhof?!

    March 06, 2010

    Wochenende!

    So, die erste Arbeitswoche ist um, und Sonja gefällt es noch. Inzwischen liegen auch schon einige Wohnungsbesichtigungen hinter ihr, aber das richtige Objekt war noch nicht dabei. Dienstag abend ging es mit Kollege Vijay, Freundin Carol und ihren Vermietern Ivan und Debra ins Boathouse, wo wir Lobster, King Crabs und Shrimps in Massen vernichtet haben.

    Für Freitag hatte sie sich mit Bob, den sie über ihren Motorrad-Blog kennengelernt hatte, und seiner Frau Yvonne zum Sushi-Essen im Tanpopo getroffen. Für heute nachmittag hat sich Sonja mit Cliff (dem Zehenlosen) und Anna zum Kaffee verabredet und für morgen ist Frühstücken mit Hagen und Petra geplant. Soviel 'social live' hat sie in Calgary in den letzten Monaten nicht gehabt... Es tut gut, nicht ganz allein an einem fremden Ort zu sein.

    March 02, 2010

    Fluch und Segen einer Startup-Company


    Derzeit teilen wir uns zu viert ein Büro, welches locker zehn Mitarbeiter beherbergen könnte. Die beiden Projektingenieure werden oft unterwegs sein, und auch der Chef, welcher für den Vertrieb zuständig ist, wird nicht sehr oft vor Ort sein, so dass Sonja zeitweise wohl nur die Saeco Espresso-Maschine zur Gesellschaft haben wird. Interessant ist, dass das Hauptkommunikationsmittel des Unternehmens ist nicht etwa das Mobiltelefon, sondern Skype ist, welches im besonderen natürlich für die Kontaktpflege mit dem Gatten von Vorteil sein wird. Bisher ist die neue Niederlassung noch nicht an das Computersystem der Firma angeschlossen, darum wird sich Sonja jetzt kümmern müssen. Hier heisst es Ärmel hoch krempeln und alles selber machen.

    February 27, 2010

    Hummeln im Hintern

    Für Sonja ist Winnipeg nun endgültig Vergangenheit, und gestern war schon wieder der letzte Tag im Calgary Office. Am Sonntag geht es für sie nun erstmal weiter nach Vancouver, wo ein neuer Einsatz auf sie wartet. Der Flug ist gebucht, ein kleines Apartment ist von der Firma bereits angemietet und für die Logistik ist auch erstmal gesorgt.


    Die Winterstiefel werden nun gegen Gummstiefel getauscht, die Wollhandschuhe gegen einen Regenschirm und die Thermojacke gegen einen wasserdichten Überwurf.

    Auch wenn der Auftrag in erster Linie viel Arbeit und wenig Freizeit bedeuten wird, so freut sie sich schon darauf, ein paar alte und neue Bekannte (wieder) zu treffen. So ist zum Beispiel Cliff (der Zehenlose) inzwischen mit Frau nach Vancouver gezogen. Auch wird es die Gelegenheit geben, mit Hagen persönlichen Kontakt aufzunehmen, mit dem wir uns schon einmal einen Zeitungsbericht in der Kölnischen Rundschau geteilt haben. Des weiteren hat Sonja, wie zuvor bei unserer Einwanderung nach Kanada, bereits einige neue Internet-Kontakte an der Westküste aufgebaut, und nicht zu vergessen ist das neue Team, welches schon darauf wartet, Sonja das Leben so schwer angenehm wie möglich zu machen. Es wird bestimmt nicht langweilig werden. Roland wird derweil sein Strohwitwer-Dasein in vollen Zügen geniessen, und wahrscheinlich jeden Abend vor seiner Playstation verbringen, wenn er nicht gerade beim Brotbacken ist.

    February 15, 2010

    Six Sigma oder die Kunst, ein T-Shirt zu falten

    Während Sonja letzte Woche wieder einmal in Winnipeg weilte, war Roland zur Abwechslung auch unterwegs, nämlich zur ersten von vier Trainingswochen in Six Sigma, einer in Nordamerika sehr angesehenen Philosophie für Projektmanagement und Prozessoptimierung. Im Grunde nichts neues, aber insgesamt eine gute Sammlung von Werkzeugen, um Unternehmensprozesse zu verbessern.

    Das Training war ausserordentlich intensiv, der Trainer war sehr gut. Er hatte auch eine umfangreiche Sammlung kurzer Videos, mit denen man etwas fürs Leben lernen konnte, z. B. das Falten eines T-Shirts in 2 Sekunden. Wir haben es zuhause probiert, das klappt!

    February 13, 2010

    Sticky Stuff


    Was wäre unsere Welt ohne PostIt Notes?

    February 05, 2010

    Ein Tag im Calgary Office

    Da ist Sonja mal einen Tag eher im Büro... und dann so was: Erst einmal ist ihr Schreibtisch besetzt! Jemand hat sich dort einfach so breit gemacht, da angenommen würde, dass sie sowieso nie da ist. Dann wird Sonja's Zimmer-Kollegin zu einem Meeting gerufen. In der Zwischenzeit kommt ein Mitarbeiter der Personalabteilung herein, sammelt ihre persönlichen Sachen ein, packt diese in eine Box und verschwindet wieder. Von besagter Kollegin erfährt Sonja dann ein paar Stunden später per Email, dass diese gerade entlassen wurde. Sie konnte sich weder verabschieden, noch ihre restlichen persönlichen Dinge einsammeln, diese werden ihr per Kurier zugestellt werden.
    Auf diesen Schreck hat sich Sonja erst einmal einen Chai Latte gegönnt, und ist dabei zufälligerweise bei einem Friseur vorbei gekommen. Gesagt, getan. Mit Kopfmassage und neuem Haarschnitt lässt sich das Ganze besser 'verdauen'. Nächste Woche geht es noch einmal Vollzeit nach Winnipeg, dann ist der Sondereinsatz erst einmal vorbei, denn das Büro in Manitoba hat endlich einen eigenen Spezialisten gefunden und eingestellt.


    Ein früher Feierabend hat uns dann zum ersten mal seit langer Zeit einen Sonnenuntergang an einem Arbeitstag beschert.

    January 26, 2010

    Gestrandet

    Es ist Montag morgen: Um halb sechs geht es wie üblich zum Flughafen. Der Flieger nach Winnipeg startet mit einer halben Stunde Verspätung. Nach etwa einer Stunde in der Luft, macht das Flugzeug eine 180 Grad Drehung und es geht zurück Richtung Calgary. In Winnipeg gibt es wegen des Blizzards und Eisnebel keine Landeerlaubnis. Die Passagiere werden aufgefordert, ihre Koffer wieder abzuholen und für den nächsten Flug neu einzuchecken. Für Sonja geht es (schon!) drei Stunden später weiter. Es herrscht immer noch sehr starker und böiger Wind, aber der Pilot macht seine Sache gut. Um 17 Uhr Ortszeit lässt sich Sonja direkt am Hotel absetzen. Der Kunde hat sowieso bereits Feierabend.

    January 24, 2010

    Zimmer mit Aussicht


    Sonja hat zwar derzeit keinen eigenen Schreibtisch (Scully hatte ja auch nie einen... siehe X-Files 4x13 - Never Again) und die ergonomischen Voraussetzungen sind alles andere als perfekt, aber wenigstens einen Ausblick. Allerdings hat sich dieser in der vergangenen Woche lediglich von dunkel nach hell und wieder nach dunkel verändert, ansonsten war alles grau in grau.