WOHNEN: Unser Haus ist eine Holzrahmenkonstruktion (Fachwerk ist was anderes) und leider nur mäßig isoliert. Wenn es stürmt, zieht es auch im Haus, wenn es regnet, merken wir das ebenfalls an manch undichtem Fenster. Noch sind die Heizkosten recht gering, aber wir hatten bisher auch noch keine minus 35°C. Aber da die Energie fast nichts kostet, gibt es nur wenige Anstrengungen, bessere Häuser zu bauen.
Über die Installation und Lichtschalter sagen wir lieber erst gar nichts, aber schaut Euch mal einen amerikanischen Film aus den 60ern an, die Technik ist noch dieselbe, obwohl das Haus erst 1999 gebaut wurde.
Die Badezimmerausstattung ist ein Witz, vor allem gemessen an den Produkten, die unser ehemaliger Arbeitgeber zu bieten hatte. Die Toilette (natürlich kein Wandhänger, das würde die Wand sicher nicht überleben) braucht 13 Liter pro Spülung. Öko, nein danke. Die Wanne ist American Standard und somit zu klein für Roland. Der Duschkopf ist fest in der Wand installiert. Wofür braucht man auch eine Schlauchbrause?
Unser Herd ‚läuft‘ auf Fahrenheit, was allerdings nirgendwo steht, so endete Rolands erster Versuch, einen Geburtstagskuchen zu backen, als Kuchensuppe.
Die Spülmaschine reinigt zwar das Geschirr nur unzureichend, macht dafür aber einen Höllenlärm. Jedenfalls sind ein gewisses Geschick beim Arrangement des Geschirrs und vor allem die Verwendung des richtigen Spültabs gefragt, um glänzende Resultate zu erzielen. Jacques (der Freund unserer Vermieterin) fachsimpelt gern über das Thema Spültabs, da er glaubt, es liegt am Spülmittel und nicht an der Technik...
Waschmaschinen sind auf dem Stand der Technik um 1950. Die Füllung erfolgt von oben, erst das Pulver, dann die Wäsche, Deckel zu und zwischen kalt/warm und schnell/langsam wählen. Vorsicht, denn der Deckel ist während der Waschzeit nicht gesichert! Nach einer Stunde entnimmt man die Wäsche noch tropfnaß, aber gut riechend. Man kann nur nicht davon ausgehen, dass Flecken herausgehen...
Der Trockner ist ein anderes Thema. Wir haben bisher nicht herausgefunden, bei welcher Einstellung hier wirklich trockene Wäsche herauskommt. Aber wir haben ja viel Sonne, und hängen die Wäsche halt noch ein paar Minuten draußen auf...
AUTOFAHREN: In Calgary gibt es die wahrscheinlich schlechtesten Autofahrer Kanadas. Hier scheint manchem Cowboy schon mal der Gaul durchzugehen. Auch die Sicherung von LKW-Ladungen ist so eine Sache: Viele Trucks fahren hier ohne Plane. Das heißt, Steine in der Windschutzscheibe sind vorprogrammiert und daher sind Schäden dieser Art auch von der normalen Autoversicherung von vorne herein ausgeschlossen. Ladungen gehen auch gern mal verloren, so haben wir mit großem Glück schon Autoreifen, Holzplanken oder Pflastersteinen ausweichen können.
POLITIK: Die Sparmaßnahmen der Provinz-Regierung von Alberta. Die Provinz ist zwar schuldenfrei, aber dafür sind die Straßen in katastrophalem Allgemeinzustand. Auch das Gesundheits- und Bildungswesen hatte unter den Budgetkürzungen erheblich zu leiden. Es fehlt besonders an medizinischen Einrichtungen und Pflegepersonal. Premier Klein verspricht aber Besserung durch Aufnahme eines Kredites, der aber irgendwie nicht zu Schulden führen soll. Unsere Englischkenntnisse reichen wohl nicht aus, um das zu verstehen... aber an die Versprechungen deutscher Politiker gewöhnt, gehen wir mal davon aus, dass die Besserung mit Steuererhöhungen einhergehen wird.
Über unser Abenteuer mit der Bank berichten wir, wenn wir seelisch darüber hinweggekommen sind, dass man unsere Bewerbung für eine Kreditkarte abgelehnt hat.
Alles in allem nichts, was ernsthaft unsere Lebensqualität beeinträchtigt oder die Laune verdirbt! Die Miete für das Haus ist relativ gering und Küche und sämtliche Elektrogeräte sind im Preis inbegriffen, also nicht wirklich ein Grund sich zu beschweren. Ins WC wird eine Wasserspartaste eingebaut, der Duschkopf ausgewechselt, und was nicht sauber wird (Geschirr oder Wäsche), wird halt mit der Hand gereinigt. Rolands Kuchen ist beim nächsten Versuch schließlich was geworden und hat lecker geschmeckt. Wir passen uns den Fahrgewohnheiten an und hoffen ansonsten auf die Wachsamkeit unseres Schutzengels. Und, Leute, wir zahlen im Verhältnis zu Deutschland weniger Abgaben, so dass wir gerne etwas von unserem Gehalt abgeben würden, wenn dafür das Gesundheits- und Bildungswesen weiter ausgebaut werden. Nebenbei bemerkt haben wir inzwischen auch eine Kreditkarte. Meckern ist nutzlos, es geht doch nichts über kanadische Gelassenheit, Eigeninitiative und Improvisationstalent.
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