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February 28, 2009

The Alberta (Dis-)Advantage

Plötzlich und unerwartet verstarb diesen Monat der Slogan: Die Alberta Überlegenheit (Der Alberta Vorteil, der Alberta Pluspunkt).

Was bleibt übrig, nun da der Provinz die (einzige) Einkommensquelle (Öl und Gasförderung und deren Service Industrie) wegbricht? Genau: Nicht viel! Denn in Alberta wurde versäumt, auf die Diversifizierung der Industrien zu setzen.

Damit werden wir uns wohl auch bald von den Vorteilsargumenten Albertas trennen müssen: Höchster Lebensstandard, niedrigste Steuern, höchste Einkommen und niedrigste Arbeitslosenzahlen.

Die "strong and vibrant economy" entwickelt sich gerade zur schwächlichen Zitterpartie. Die "young, skilled and productive workforce" wird arbeitslos, geht zurück nach Hause (Workpermit-Inhaber, Kanadier aus anderen Provinzen) oder wandert weiter.
Die "affordable living costs" kann man sich nicht mehr leisten, da das Haushaltseinkommen gerade rapide schneller sinkt, als die Lebenshaltungskosten.
Der "strong commitment to innovation and knowledge-based progress" und
die "highly entrepreneurial and competitive business community" hat sich mit seiner Beschränkung auf die Förderung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe selbst ein Bein gestellt.
Derzeit nicht hilfreich, aber dieser Vorteil existiert noch: Die "business-friendly province committed to responsible regulation" ist immer schon unternehmerfreundlich gewesen, und hat die Vorschriften immer sehr flexibel (nicht immer zum Vorteil der Umwelt) ausgelegt.
Die Provinz hat sogar mit "modern and efficient infrastructure" geworben, was soviel heisst wie: Ja, wir haben auch asphaltierte Strassen. Denn der öffentliche Nahverkehr ist ein Witz, und es gibt immer noch keine Zugverbindung zwischen Calgary und Edmonton, von der medizinischen Notversorgung ganz zu schweigen.

Nun reduziert sich die Provinz wieder auf das, was immer schon die Alberta Advantage - aber nicht die seiner Einwohner - war:
"An abundance of natural resources" = Ja, hier gibt es fossile Brennstoffe.

Währenddessen sitzt der von den Ereignissen überrollte - nun arbeitslose - Eingeborene in seinem Millionen-Dollar-Haus (dessen Wert stündlich sinkt), trauert um den bevorstehenden Verlust seines europäisch geprägten Fuhrparks, seines Bootes und der Zweitvilla in BC und betet: Lieber Gott, lass den Ölpreis wieder auf $100.00 steigen, damit wir weiterhin ein gutes und sorgenfreies Leben führen können.

Doch es gibt einen Lichtblick: Alberta wird sich wohl dank seines
"beautiful natural environment" (Rockies, Badlands, Prairies) wieder auf das gesund schrumpfen, was es vor ein paar Jahren noch war: eine bescheidene Prärieprovinz mit den wirtschaftlichen Schwerpunkten Ackerbau, Viehzucht und Tourismus.
Vielleicht entdeckt sogar die "
highly entrepreneurial and competitive business community" eines Tages, dass es hier viel Wind und Sonnenlicht für die kommerzielle Vermarktung alternativer Energiequellen gibt.

Auf dieses neue Alberta freuen wir uns schon! Der neue Slogan: Alberta, the green Advantage! Klingt doch gut, oder? Vielleicht finden sich zwischenzeitlich ein paar nature loving, tree hugging liberals aus BC oder Ontario, die den konservativen Eingeborenen hier ein wenig Entwicklungshilfe leisten können.

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