Diese Woche waren Wahlen in Kanada, und wie im Laufe des Wahlkampfes immer mehr erwartet wurde, hat die konservative Partei die Wahl für sich entscheiden können. Der Calgarian Stephen Harper wird also den nur zwei Jahre amtierenden, relativ glücklosen Paul Martin ablösen. Martin war an einigen Skandalen innerhalb der Liberalen gescheitert, die sich ironischerweise größtenteils vor seiner Amtszeit zugetragen hatten. Er verabschiedete sich am Wahlabend mit einer perfekten Mixtur aus Englisch und fließendem Französisch von seiner Partei und seinen Wählern. Wie wir mittlerweile gelernt haben, ist es wohl Pflicht eines Prime Ministers in Kanada, beide Sprachen zu sprechen, da die Parlamentsdiskussionen durchaus auf Französisch statt finden können. Wir sind also sehr gespannt auf das Französisch Harpers, denn wir haben noch keinen Calgarian kennen gelernt, der auch nur ansatzweise Französich sprechen konnte.
Übrigens hat Kanada ein Mehrheitswahlrecht, bei dem (ähnlich wie in England) in jedem Stimmbezirk ein Vertreter gewählt wird und ins Parlament gesandt wird. Es gibt also kein Verhältniswahlrecht mit Zweistimme und entsprechender Sitzverteilung wie in Deutschland. Eigentlich sollte man meinen, dass diese Art des Wählens zu stabilen Mehrheiten führen sollte (in Deutschland hieße das: sehr viel CDU und SPD, mit einem bißchen PDS und so gut wie keinen Grünen und Liberalen im Parlament), aber das ist in Kanada keinesfalls so. In Alberta gibt es fast nur Konservative, in BC hauptsächlich Wähler der Nationalen Demokraten, in Québec den Bloc Québécois, und in Ontario wird alles Mögliche gewählt. Als Folge hat man in Kanada trotz des Mehrheitswahlrechts regelmäßig Minderheitenregierungen. Diesmal werden die Konservativen vom Bloc Québécois mitgetragen.
Ebenfalls in dieser Woche ist der seit einiger Zeit angekündigte "Bodenschatzrabatt" an alle steuerpflichtigen Albertaner ausgezahlt worden. Jeder Albertaner, der am 1. September in der Provinz gelebt hat - also auch wir :o) - und eine Steuererklärung für 2004 abgegeben hatte - wir also leider nicht :o( - bekommt 400$ pro im Haushalt lebender Person ausgezahlt. Als Folge versuchen die großen Möbelhäuser und Elektronikläden diese Woche ganz besonders, die Gunst der kauffreudigen Calgarians zu erobern. Wir sind ja der Meinung, man hätte das Geld auch z.B. für die Entwicklung alternativer Energieprojekte oder die Förderung des Gesundheitswesen ausgeben können, aber das ist wahrscheinlich mal wieder typisch deutsche Miesmacherei...
Nachdem man uns vor ein paar Monaten erklärt hatte, dass man alte Trinkflaschen nicht einfach wegschmeißen soll, da man dafür an speziell eingerichteten Rückgabestellen Geld bekommen kann, hatte sich in unserer Garage im Laufe der Zeit immer mehr Altplastik und ein bißchen Altglas aufgetürmt. Am letzten Wochenende hatten wir die Flaschen ausgespült, und heute haben wir sie dann weg gebracht. Man muss sich das so vorstellen: Vor der Abgabestelle findet sich eine eindrucksvolle Menge von Flaschensammlern ein, alle mit Säcken und Kisten voller mehr oder weniger sauberer Kunststoff- und Glasflaschen. Wenn man dann drankommt, schüttet man seine Flaschen auf einem großen Tisch aus. Einer der vielen dort arbeitenden jungen Leuten (hauptsächlich Schüler und Studenten, alle ohne Atemschutzmaske) zählt die Flaschen verschiedener Größen, sortiert diese in Kisten und packt die wiederum auf ein Fließband, welches in einen Bereich des Gebäudes führt, den wir lieber nicht kennen lernen wollen. Anschließend bekommt man einen Zettel, auf dem die Anzahl der abgegebenen Flaschen notiert ist und geht damit zur Kasse. Man nimmt seine Rückzahlung entgegen (in unserem Fall 11$), begibt sich zum nächstgelegenen Frühstücksrestaurant und gibt das Geld dort gleich wieder aus...
Gestern waren wir endlich einmal im Kino und haben uns Brokeback Mountain angesehen, eine Liebesgeschichte über zwei Cowboys in den 60ern, der in Wyoming spielt, aber in unserer Lieblingsgegend, dem Kananaskis Country - ein paar Minuten westlich von Calgary - gedreht wurde. Ein wunderschöner Film mit zwei herausragenden Hauptdarstellern (Heath Ledger und Jake Gyllenhal), oskarverdächtigen Maskenbildnern (die Protagonisten werden über zwei Jahrzehnte begleitet) und einer atemberaubend schönen Gegend! Wenn Ihr also wissen wollt, wo wir uns am Wochende immer herum treiben, schaut Euch den Film an!
We only get one run at life so might as well have fun on the way. (Geoff James)
January 29, 2006
January 23, 2006
Tierischer Gegenverkehr
Gestern waren wir endlich mal wieder in den Rockies, bei strahlendem Sonnenschein und leider viel zu wenig Schnee. Wir vermuten, dass dieses Jahre eine schwierige Saison für den Wintersport ist, da ganz einfach viel zu wenig Schnee gefallen ist und der Chinook davon zu viel gefressen hat.
Wir haben Banff besucht und haben dort die Gondelbahn auf den Sulphur Mountain genommen. Da die Gondel (natürlich) eine Schweizer Produktion ist, waren alle Warnhinweise auf deutsch... Oben auf dem Sulphur Mountain hat man einen wunderschönen Blick über die Berge um Banff, Fotos gibt's auf unserer Widescreen-Seite. Allerdings war es sch...kalt. Obwohl das Thermometer nur -12 Grad anzeigte, ging ein kräftiger Wind, der eine gefühlte Temperatur um -30 Grad erzeugte. Dies führte dann dazu, dass Roland sich entscheiden musste, ob er sich entweder die Nase abfrieren wollte, oder ob er seinen Schal über die Nase ziehen sollte, was wiederum zu sofortigen Beschlagens seiner Brille mit einhergehender weitgehender Erblindung führte.
Anschließend haben wir einen Spaziergang am nahegelegenen Lake Minnewanka gemacht. Dort gab es außer uns eigentlich nur Ski-Langläufer, die auf einer anderen Strecke unterwegs waren als wir. So hatten wir unseren Spazierweg allein für uns. Bis auf den zwischenzeitlichen Gegenverkehr:
Wir waren froh, dass es sich bei dem Gegenverkehr nur um eine Canada Goat Familie handelte, und nicht etwa um Familie Petz. Aber die schläft ja wohl auch um diese Zeit. Familie Goat war offensichtlich recht hungrig, hier führte es jedenfalls zu einer interessanten Variation einer Autowaschanlage (offensichtlich schmeckt das Streusalz sehr gut):
Wir haben Banff besucht und haben dort die Gondelbahn auf den Sulphur Mountain genommen. Da die Gondel (natürlich) eine Schweizer Produktion ist, waren alle Warnhinweise auf deutsch... Oben auf dem Sulphur Mountain hat man einen wunderschönen Blick über die Berge um Banff, Fotos gibt's auf unserer Widescreen-Seite. Allerdings war es sch...kalt. Obwohl das Thermometer nur -12 Grad anzeigte, ging ein kräftiger Wind, der eine gefühlte Temperatur um -30 Grad erzeugte. Dies führte dann dazu, dass Roland sich entscheiden musste, ob er sich entweder die Nase abfrieren wollte, oder ob er seinen Schal über die Nase ziehen sollte, was wiederum zu sofortigen Beschlagens seiner Brille mit einhergehender weitgehender Erblindung führte.
Anschließend haben wir einen Spaziergang am nahegelegenen Lake Minnewanka gemacht. Dort gab es außer uns eigentlich nur Ski-Langläufer, die auf einer anderen Strecke unterwegs waren als wir. So hatten wir unseren Spazierweg allein für uns. Bis auf den zwischenzeitlichen Gegenverkehr:
Wir waren froh, dass es sich bei dem Gegenverkehr nur um eine Canada Goat Familie handelte, und nicht etwa um Familie Petz. Aber die schläft ja wohl auch um diese Zeit. Familie Goat war offensichtlich recht hungrig, hier führte es jedenfalls zu einer interessanten Variation einer Autowaschanlage (offensichtlich schmeckt das Streusalz sehr gut):
January 17, 2006
Der Kamin funzt net
Dass kanadischer Service auch mal 'anders' sein kann, haben wir bei der Reparatur unseres Gas-Kamines erfahren müssen. Ein paar Tage vor Weihnachten gab dieser plötzlich seinen Geist auf. Ein Anruf beim Service. Man versprach Abhilfe, sogar noch vor dem Fest. Es blieb bei dem Versprechen. Das Ersatzteil war nicht vorrätig und damit begann das große Schweigen. Anfang Januar fragten wir vorsichtig nach dem Stand der Dinge und bekamen sofort einen Termin für den nächsten Tag, aber niemand kam. Auf unsere erneute Nachfrage teilte man uns mit, dass das falsche Teil bestellt worden sei und man außerdem unsere Kontaktdaten verloren hätte. Weitere Tage gingen ins Land, erst meldete sich keiner oder man war nicht zuständig. Die Bitte um Klärung und Rückruf war vergeblich. Letztendlich nach einem Anruf beim Chef und entsprechender Änderung im Tonfall kam der Stein doch noch ins Rollen. Der Monteur kam mit zweistündiger Verspätung (ohne Vorankündigung oder Entschuldigung), hat nach weiteren zwei Stunden aufgegeben und gemeint, dass es wohl an einem anderen Teil liegen müsste... Dass sich 'der Deutsche' in uns wieder mal tierisch aufgeregt hat, ist klar. Gut, dass wir wenigstens nicht für die Kosten aufkommen müssen, die trägt selbstverständlich unsere Vermieterin. To be continued...
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