Gestern ist unser englischer Ex-Kollege Cliff in Calgary angekommen, versehen mit einem frischen Permanent Resident Status. Wir haben ihn natürlich vom Flughafen abgeholt und für die nächsten Tage Asyl angeboten, damit er erst einmal in Ruhe alle nötigen Behördengänge vornehmen und sich eine eigene Bleibe suchen kann. Cliff hat seinen Permanent Resident-Antrag etwa ein dreiviertel Jahr nach uns gestellt, aber die Bearbeitungszeit in England ist offensichtlich deutlich länger als in Deutschland. Er hat deshalb seine Bestätigung erst in diesem Frühsommer erhalten. Nun ist er hier, und er ist tatsächlich nur mit einem Koffer und einer Tasche eingewandert. No goods to follow! Wow! Natürlich war er erst ziemlich geschockt, als er sich die aktuellen Miet- und Immobilienpreise anschaute. Das sah vor zwei Jahren, als er das letzte Mal hier war, doch noch ein bißchen anders aus!
Heute hat es den ganzen Tag geschneit, deshalb konnten wir nicht so sehr viel mit ihm unternehmen. Für einen Spaziergang durch den benachbarten Park hat es aber gereicht. Trotz unserer Warnungen, sich ordentlich warm einzupacken, glaubte er, ohne Schal und Mütze los gehen zu können. Doch der Windchill von -14°C hat ihn schnellstens eines besseren belehrt. Bloody British bloke...
Heute hatte die Frau des Hauses das Bedürfnis nach Urlaub. So ist man kurzerhand in das eine Stunde entfernte Banff gefahren, hat dort einen Bummel gemacht und dort die Ruhe der Nebensaison genossen. Anschließend ging es noch zum nahegelegenen Lake Minnewanka , der zur Zeit noch eisfrei ist. Was soll man sonst auch an einem Sonntag machen... ;-)
Beim Studium des Reiseteils im CALGARY HERALD haben wir wieder etwas über unsere neue Heimat Alberta gelernt. Auf einem km² leben statistisch gesehen knapp 5 Leute, in Deutschland hingegen sind es 232 Einwohner (NRW sogar 529). Somit befindet sich Deutschland auf Platz 50 und Kanada auf Platz 219 der Rangliste für Bevölkerungsdichte, das nur nebenbei. Na, wenn das kein Einwanderungsgrund ist! Weiterhin beträgt der Pro-Kopf-Anteil eines Albertaners ca. 1,5 Rinder. Besucher grüßt das Schild 'Willkommen im sonnigen Alberta' und das stimmt sogar, denn sogar bei -35°C haben wir bisher immer strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel gehabt. Alberta hat 50 Provincial Parks, 17 Heritage Sites, 5 Nationalparks und 5 UNESCO World Heritage Sites. Es gibt nur eine Giftschlange, die Prärie-Klapperschlange, und KEINE Ratten in Alberta. Schneeschaufeln haben eine 'mittlere Lebenserwartung' von 2,5 Jahren.
Und SNIRT ist nicht etwa IKEA's neuestes Designerstück, sondern der Terminus Technicus für das Gemisch aus Flugsand und Schneeverwehung in der Prärie. Quelle:
http://www.canada.com/calgaryherald/news/travel/story.html?id=ffae0b33-aa5d-4ea2-b514-6ba002a7fdfa
16:13 Uhr: Schreck in der Nachmittagsstunde:
Während sich der Herr Gemahl wieder einmal beim Future Shop vergnügte, surft die Frau des Hauses im Internet, als sie plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch vom Sofa hochspringen lässt. Die Feuermelder in der Wohnung sind angesprungen! Es blinkt und piept furchterregend. Erster Gedanke: Trockner oder Waschmaschine brennt. War aber nicht. Also, erstmal alle Melder auf stumm gestellt, warm angezogen (schließlich ist es nur knapp über Null), Handtasche gegriffen und über die Feuertreppe (der Fahrstuhl soll ja bei Bränden eher vermieden werden) ins Freie. So gesellte man sich dann zu den anderen ratlosen Bewohnern und wartete auf die Ankunft der Feuerwehr. Drei Feuerwehrwagen und ein Ambulanzfahrzeug waren innerhalb weniger Minuten zur Stelle. Dann die Entwarnung. Auf unserer Etage hatte wohl ein Bauarbeiter im Nordtrakt vergessen, einen Heizlüfter auszustellen, welcher dann - gottseidank schwerentzündliche - Teppich- und Plastikreste zum Schwelen gebracht hatte. Die Feuerwehrleute stellten dann Equipment auf, welches für eine schnelle Entlüftung der Hausflure sorgte und gaben dann Entwarnung für unseren Trakt.