Wer kennt ihn nicht, den ewig nörgelnden Deutschen im Hotel auf Mallorca und dort, wo es am lautesten ist, das können ja - ganz klar - auch nur Deutsche sein. Aufgrund dieses Traumas trifft man auch hier in Kanada Landsleute mit einer ausgeprägten Phobie gegen Bekanntschaften aus Deutschland. So hatte die junge Mutter, die mit Ihrer Tochter offensichtlich Deutsch sprach, den unverbindlichen freundlichen Gruß im Supermarkt nicht mal mit einem Blick erwidert und blieb ganz kurz angebunden. Ja, ja, schließlich ist man ja aus Deutschland ausgewandert, um den Deutschen zu entkommen, sonst hätte man ja auch zuhause bleiben können. Naja, Schwamm drüber!
Wir haben jedenfalls Spaß an den Begegnungen mit unseren Landsleuten. So sind wir gestern ganz spontan einer Einladung zu Kaffee und Kuchen (echter Käsekuchen, Schwarzwälder Kirsch und Obsttorte) bei Familie V. gefolgt, einer Einwandererfamilie, die schon vor 50 Jahren immigriert ist. Der Kontakt kam dank WWW über die Tochter, die seit langen Jahren in Deutschland lebt und zurzeit hier ihren Urlaub verbringt, zustande. Der Garten erinnerte uns an Tante Sigrid's Reich, alles blühte und duftete, der Rasen war 1a gepflegt und wurde selbstverständlich von einem Gartenzwerg 'bewacht'.
Es ist immer wieder spannend, den Geschichten anderer Einwanderer zu lauschen, in diesem Fall die anfängliche Zeit auf der Familien-Farm in Lethbridge, wo das Wasser noch aus dem Fluss geholt werden musste, bis dann der erste Brunnen gebaut wurde. Das Einwandererleben war früher mit Sicherheit härter und entbehrungsreicher. Da müssen wir uns ja fast schämen, dass bei uns alles so glatt läuft, und wir heute sogar eher weniger 'ackern' als in Deutschland. So verging die Zeit im Fluge, mit Vergleichen von hüben zu drüben, von früher zu heute, die Hausherrin verschwand und kam kurze Zeit mit ein paar zünftigen Schnittchen zurück, und wenn uns nicht die Mücken vertrieben hätten, hätten wir wohl noch bis nach Mitternacht geplaudert…
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