Selbst auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen, aber es ist nicht alles rosig im Sonnenstaat Alberta. Im heutigen Calgary Herald wurden die aktuellen kanadischen Arbeitsmarktzahlen veröffentlicht, und die lesen sich auf den ersten Blick grandios:
Arbeitslosenquoten per Provinz:
Nfld. and Labrador 14.6%
Prince Edward Island 11.2%
New Brunswick 8.9%
Nova Scotia 8.3%
Quebec 8.1%
Ontario 6.5%
Saskatchewan 4.7%
Manitoba 4.7%
British Columbia 4.7%Alberta 3.6%
Das sieht ja zunächst einmal wirklich gut aus für Alberta und sein Zugpferd Calgary. Im selben Bericht wird aber auch darauf eingegangen, dass es mittlerweile einige Probleme gibt:
1. Der Arbeitskräftemangel hat zu einer Verschlechterung des Services, speziell im Hotel- und Gastronomiebereich geführt. Hotels bekommen kein Personal mehr für einfache Tätigkeiten wie Zimmermädchen, Köche und Kellner. Für Löhne von 12$/h will hier einfach niemand mehr arbeiten, wenn man in der Öl- und Gasindustrie das Doppelte verdienen kann. Auch wir gehen schon erheblich seltener in Restaurants, weil die Qualität im Laufe des letzten Jahres erheblich abgenommen hat.
2. Die Wohnungsknappheit und die explodierenden Mietpreise machen es fast unmöglich, neue Mitarbeiter aus Ostkanada oder Übersee zu rekrutieren. Für 15 bis 18$/h kann man sich hier halt kaum eine Wohnung leisten, die 1000$ im Monat kostet (und nebenbei vielleicht noch eine Familie ernähren). Im Hotelgewerbe ist man deshalb dazu übergegangen, neuen Mitarbeitern eigene Hotelzimmer anzubieten, die dann natürlich nicht mehr an Touristen vergeben werden können, was dann wiederum denn Profit verringert.
3. Die Jugend spielt völlig verrückt. Anstatt eine Mindestschulausbildung zu absolvieren, beenden viele junge Leute die Schule ohne Abschluss, um für 50.000$ im Jahr in den Ölfeldern zu arbeiten. Natürlich kaufen sie sich auch gleich einen Pick-Up Truck auf Pump. Dies wird wie ein Bumerang zurück schießen, wenn sich hier die allgemeine wirtschaftliche Lage erst einmal abgekühlt hat!
4. Bei den ersten nicht-Öl-und-Gas-produzierenden Unternehmen hat die Abwanderung schon begonnen. So hat der größte Kunde von Rolands Firma in Ontario eine neue Fabrik aufgebaut und begonnen, Produktionskapazitäten von Edmonton nach Ontario zu verlegen. Rolands Firma wird auf Dauer auch nichts anderes übrig bleiben, als die einfache Produktion in andere preiswerter produzierende Provinzen oder direkt offshore (nach China?) zu verlagern. In Calgary würde dann neben Forschung und Entwicklung nur noch die Fertigung komplizierterer Produkte verbleiben.
Auf Dauer wird Alberta also ausschließlich auf Öl und Gas bauen. Diese Strategie mag aufgehen, solange genügend Ölreserven aus nord-albertanischem Sand zu gewinnen sind, der Ölpreis auf diesem Niveau bleibt, Amerika und Asien so energiehungrig bleiben und in Nahost täglich Bomben hoch gehen. Aber in 100 Jahren, wenn Autos auf Wasserstoffbasis oder mit Sonnenenergie fahren, kann Alberta dann durchaus aussehen wie ein postapokalyptisches Hochhausmeer ohne Menschen darin…
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