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Vor einer Weile, es war 2011, hatte Gary in seinem Blog vom Beginn seiner Motorrad-Karriere erzählt und brachte damit den Stein ins Rollen, dass auch andere Moto-Blogger von ihren Anfängen berichteten. Ich hatte seinerzeit ebenfalls meine (leider nicht allzu spektakuläre) Geschichte nieder geschrieben. Nun hatte Funny kürzlich von ihren ersten Erfahrungen berichtet, und dadurch inspiriert, stelle ich hier noch einmal meine Motorrad-Geburtsstunde auf Deutsch ein.
Es war einmal...
Ich war bestimmt nicht die geborene Motorradfahrerin, bereits das Fahrrad fahren war mir als Knirps zuwider. Nicht, dass ich Gleichgewichts- oder sonstige Probleme mit dem Pedal betriebenen Vehikel gehabt hätte... Es begab sich aber, dass ich als Fischkopp und Flachländerin im hohen Norden geboren, meine Kindheit im Tal der Wupper, oder genauer, auf einem der drum herum liegenden Hügel verbrachte. Mit anderen Worten: von unserem Haus aus ging es überall nur bergab und der Heimweg wurde jedes Mal zur elend anstrengenden Angelegenheit.
Als ich etwa sieben Jahre alt war, fand ich den Nachbarsohn Lothar ganz toll. Mit seiner abgewetzten Lederjacke sah er aus wie ein Rocker. Den hätte ich gern als großen Bruder gehabt... Darüber hinaus fuhr er das coolste Mopped (jedenfalls dachte ich das damals). Es handelte sich um eine Honda Monkey (anbei ein Bild aus dem Web). Na ja, Ich war jung und leicht zu beeindrucken.
Eines Tages fragte mich Lothar tatsächlich, ob ich mal auf seiner Honda sitzen wollte. Er hatte noch nicht ausgeredet, da saß ich (in Shorts, Bluse, Sandalen und Helm-los) schon hinten drauf, meine Nase in seine Lederjacke vergraben und quietschte vor Vergnügen, als er im Schritttempo auf dem Garagenvorplatz eine Runde drehte. Natürlich blieb diese Tat nicht unentdeckt und meinem Helden wurden die Ohren lang gezogen. Beim Abstieg vom Mopped verbrannte ich mich dann noch am Auspuff, aber die Saat ging auf, und ich sah eine Zukunft in Zweirädern der motorisierten Fraktion.
Die nächsten zehn Jahre verbrachte ich, wann immer sich die Gelegenheit ergab, auf dem Sozius-Sitz verschiedener Moppeds. Dann kam die Zeit des Führerscheins, und während mein Bruder sowohl den Auto- als auch den Motorrad-Schein gesponsert bekam, erhielt ich leider nur den für die Dose.
1991 war es schließlich soweit: Ich hatte das nötige Kleingeld zusammen, mir den Motorrad-Führerschein selbst zu finanzieren. Im November (!) meldete ich mich an. Die Theorie war kein Problem und die harte Praxis lernte ich auf einer Kawasaki ZL 400 mit Kardan-Antrieb.
Mein Fahrlehrer war ein unbarmherziger Knochen, der mich bei jedem Wetter an die Luft scheuchte. Die ersten Stunden wackelte ich über den Übungsplatz, lernte mühselig Slalom und Kurven fahren und merkte sehr schnell am eigenen Leib, dass nasses Laub eine rutschige Angelegenheit war. Die Maschine hatte einen Wendekreis wie ein Traktor, der Kardanantrieb war alles andere als geschmeidig, die Kupplung ungenau und schwer gängig und vom hoch gelegenen Schwerpunkt möchte ich gar nicht erst anfangen. Nachdem ich erfolgreich genügend orangene Hütchen ins Jenseits befördert hatte, fand (für diese Gegend ganz normal) das Am-Berg-Anfahr-Training statt. Nach einer Übungsstunde war meine linke Hand schließlich dermaßen verkrampft, dass ich sie kaum noch vom Griff lösen konnte. Ich ließ das Ding dauernd absaufen, kam mit dem Kupplungsspiel einfach nicht klar. Nie wieder Kawasaki, schwor ich mir damals.
Endlich wurde ich auf die Straße entlassen. Natürlich regnete es und passende Damen-Motorradkleidung gab es nicht. Die Ärmel der Fahrschuljacke waren zu lang, die Handschuhe zu weit und ich hatte nur Jeans und Bundeswehrstiefel an. Natürlich stand mir das Wasser schnell bis zum Hals. Und von wegen Aufwärmpause bei Mäckes... die Doppelstunde wurde durchgezogen und erst zurück im Fahrschulbüro bekam ich von der mitleidigen Sekretärin warme Worte und einen heißen Pott Tee.
Die Funkverbindungen waren damals echt übel. Die halbe Zeit habe ich die ins Mikro gebellten Ansagen des Fahrlehrers (der im übrigen hinter mir fahrend im warmen Fahrschul-Golf saß) nicht verstanden und musste mich auf meinen Instinkt verlassen, bzw. lernte dabei, im Rückspiegel seinen Blinker zu beobachten, um einen Richtungswechsel daraus zu interpretieren.
Wie den meisten bekannt, mussten Nachtfahrten, Autobahn, Stadtverkehr und Landstraße bewältigt werden. Letzteres hätte bestimmt am meisten Spaß gebracht, wenn das Wetter nicht gewesen wäre. Meine letzte Fahrstunde musste dann auch wegen Schneeregens abgebrochen werden. Als ich dann ernsthaft an zu schlittern fing und mich fast hinlegte, entschied der Fahrlehrer, das letzte Stück auf dem Motorrad zurück legen, während ich den Golf übernahm.
Im April 1992 war es dann soweit. Endlich spielte das Wetter einigermaßen mit und der Prüfungstermin wurde festgelegt. Ich bestand dann erwartungsgemäß mit wehenden Fahnen und mein neues (gebrauchtes) Motorrad, die Yamaha Virago 250, stand schon in der Garage.
Ich war damals stolz wie Oskar. Endlich hatte sich mein lang gehegter Traum erfüllt. Sogar die Rechnung habe ich aus nostalgischen Gründen aufbewahrt. Damals hat der Schein noch harte D-Mark gekostet, umgerechnet knapp 500 Euronen.
Sechs Jahre lang habe ich mich durch verschiedene Motorradmodelle (Yamaha, Suzuki, Honda, Vespa, BMW) durch probiert, bin durch (West-)Europa gegurkt und habe viel gesehen und erlebt, bis ich 1998 bedingt durch Karriere und Lebensumstände eine elf Jahre lange Motorradpause einlegte. Erst im Sommer 2009 habe ich das Motorradfahren wieder für mich entdeckt. Heute fahre ich Harley Davidson und Vespa und habe noch eine Honda in Kanada stehen und hoffe, dass ich dieses neue-alte Hobby noch viele Jahre betreiben kann, bevor ich den Helm an die Wand hängen muss...



Hach, ich liebe diese Geschichten! Ich kann immer nur erzählen, daß beim Nachbarn im Hühnerstall eine ganze Gang am Werke war und ich die furchtbar doof fand.
ReplyDeleteWie man bei Deiner Bike History sieht, bist Du dem Grundsatz "nie wieder Kawasaki" treu geblieben. :)
So ist es, Minya. Man soll ja nie nie sagen. David und ich hatten uns bei der Mopped-Auswahl fast schon für eine Kawa Vulkan entschieden. Die war dann aber doch einen Tick teurer, als die Honda Shadow.
DeleteHach ja, immer wieder schön, solche Geschichten zu lesen.
ReplyDeleteMeine Karriere begann 1972, als ein junger Wissenschaftler 2 Monate bei uns zu Gast war. Er kam mit Motorrad und Freundin aus Frankreich gefahren und eines Tages fragte er mich, ob ich mal eine Runde mitfahren wollte. Ich war neun und leicht zu beeindrucken, und noch ehe er ausgesprochen hatte ... na, du weißt ... *grins* ... Neulich schrieb ich ihm, It was you, who hooked me." :-)
Man beachte den Einkaufskorb an der Monkey. Sehr geil :-D
Das ist ja ein Ding ;-)
DeleteDer Einkaufskorb ist doch voll cool.
Ich finde das Körbchen großartig :-)
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