Who would have thought that a mere Sunday walk in the woods would turn out to become a major lesson in history. On a gloomy morning we ventured out into the wetlands along the big river (Rhine) in order to get my need for water fixed. It was was cold and wet, and we were glad to have put on appropriate footgear, as occasionally our boots would sink ankle-deep into the mud.
Wer hätte gedacht, dass aus einem Sonntagsausflug in die Wälder eine Lektion in Geschichte werden würde. An einem trüben Morgen machten wir uns auf in die Rheinauen, damit ich mal wieder meine Sehnsucht nach Wasser stillen konnte. Es war kalt und nass, und wir waren froh, das richtige Schuhwerk angezogen zu haben, denn gelegentlich sanken wir bis zu den Knöcheln im Schlamm ein.
We had water around alright: puddles and creeks, ponds and streams. At one point we spotted a rather inconspicuous sign introducing us to the American Oak. This very tree had been planted here in reminiscence of a former landing, where barges would take Black Forest emigrants to the promised land that was America. Many locals must have left the country in the early 19th century, but why? I became curious with regards to their motivation, and as soon as I got back home I did some research... the internet is an awesome tool for this.
Tatsächlich wurde hier viel Wasser geboten: es gab Pfützen und Bäche, Teiche und Flüsse. Schließlich entdeckten wir am Wegesrand ein eher unscheinbares Schild, welches uns die Amerikaner Eiche vorstellte. Früher gab es hier eine Anlegestelle für die Binnenschifffahrt. Der Baum wurde in Erinnerung an frühere Schwarzwälder Migranten gepflanzt, die im frühen 19. Jahrhundert ihre Heimat verließen, um das gelobte Land - Amerika - zu finden. Ich wurde neugierig. Sobald ich wieder zuhause angekommen war, stellte ich ein paar Nachforschungen an... das Internet ist richtig gut für so etwas.
In a nutshell: Napoleon and the Coalition War was just about over, and a new German confederation had been formed. The war had left people already struggling with their lives. And then there was the year without a summer. A huge volcanic eruption on the opposite side of the earth became famous for stealing the sun in 1816. The ashes of the Tambora in Indonesia caused a global cooling that was felt all over the world, which should become the coldest ever summer in weather recording. For months on end Europe had been covered under thick layers of clouds. Torrential rains and heavy hail storms led to flooding. Crops were destroyed, and famine and social unrest threatened the newfound peace in the region. People fled the country out of sheer desperation, and afraid to die of starvation. Lured in by human traffickers and false prophets they left by the thousands, wanting to believe that a better world was waiting for them with open arms, with warmer weather and greener pastures: The American Dream was born here, and elsewhere. (Sounds somewhat familiar, doesn't it?)
Today no remains or ruins can be found. The landing has long rotten away. Instead an American oak tree, and a humble sign remind of the history and tragedy caused by a geological event far away...
Zusammengefasst: Die Napoleonischen Kriege waren gerade vorbei und der deutsche Bund frisch gegründet. Die langen Kämpfe hatten die Menschen ausgelaugt und das Leben war schwer genug. Und dann kam auch noch das Jahr ohne Sommer. Im Jahr 1816 wurde ein Vulkanausbruch auf der anderen Seite der Welt dafür berühmt, die Sonne gestohlen zu haben. Die Asche des Tambora in Indonesien hatte eine globale Abkühlung gebracht, die rund um den Globus zu spüren war. Dieser Sommer ging als kältester Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die meteorologische Geschichte ein. Für viele Monate war Europa von dichten Wolken bedeckt. Sintflutartige Regenfälle und schwere Hagelstürme zerstörten die Ernten, Hungersnöte und soziale Unruhen bedrohten den erst kürzlich geschlossenen Frieden in der Region. Die Menschen flüchteten aus Verzweiflung, in der Angst, verhungern zu müssen. Verführt von Menschenhändlern und falschen Propheten verließen sie zu tausenden das Land in der Hoffnung, dass auf der anderen Seite des Ozeans das Gras grüner und die Sonne wärmer sein würde. So wurde hier und anderswo der Amerikanische Traum geboren. (Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?)
Heute sind nicht einmal mehr Überreste oder Ruinen zu finden. Die Anlegestelle ist schon lange weg gerottet. Stattdessen erinnert nur eine amerikanische Eiche und ein einfaches Schild an die Geschichte und Tragödie, die seinerzeit von einer Naturkatastrophe weit weg ausgelöst wurde.
On a side note, 1816 also marks the year that Mary Shelley, confined to indoors in cold and rainy Switzerland, wrote her famous novel Frankenstein.
Nebenbei, 1816 war auch das Jahr, in dem Mary Shelley ihren berühmten Roman Frankenstein schrieb, als sie in der kalten, verregneten Schweiz fest saß.

Cool discovery of a historical marker....
ReplyDeleteThat's when walking/hiking is at its best. Discovery time!
DeleteAny idea when this oak was planted?...
ReplyDeleteForgive me for having said such things before, but I believe they can't be said enough, especially in this political climate: American has been made strong, has been made--well--America, by such immigration. And I, for one, am grateful for it.
Ry, I am guessing in the 70's, when the area was declared a nature reserve. It also made me think about the current political situation we are in, and how the migration factor has influenced every single country for the better.
DeleteGeschichte zum Anfassen - würde ich in der Nähe wohnen, gäbe es schon bald eine Tour dorthin :-)
ReplyDeleteHab ich mir doch gedacht, dass Dir so etwas gefallen würde ;-)
DeleteSo macht Geschichte doch viel mehr Spaß als nur Daten lernen und runterleiern (333...Issus Keilerei...)
ReplyDelete;)
Geschichte (bzw. Geschichtsunterricht) habe ich nie als Spaß, sondern als todlangweilig empfunden, das mag aber auch seinerzeit an den Lee(h)rkörpern gelegen haben.
DeleteHeute sehe ich das differenzierter ;-)
Thank you Sonja, that was really interesting.
ReplyDeleteMeine Güte, ich habe 'Angestellte für die Binnenschifffahrt' gelesen und mich schon gewundert, warum für sie eine Eiche gepflanzt wurde :-D
ReplyDeleteGell, wenn man so langsam durch die Gegend kommt, entdeckt man so viel, was einem motorisiert entgeht oder entgangen wäre. Ich finde das cool.
Interessante Lesart. Was würde Freud dazu sagen?
DeleteIch bin auch überrascht, was es so alles am Wegesrand gibt. Selbst viele Einheimische wissen nichts darüber...