April 15, 2019

Two days of pointless ups and downs - Zwei Tage auf- und abwärts (Nibelungensteig)

Schon seit Jahren fahre ich immer wieder an dem Hinweisschild Felsenmeer an der Autobahn A5 vorbei. Letztes Wochenende habe ich mich dann spontan für eine Zwei-Tages-Wanderung auf dem Nibelungensteig entschieden, von dem ich mir verspreche, dass er mich auf Siegfrieds Pfaden durch den Odenwald führen würde. 

Every so often while going north on the A5 we drive by the sign to Felsenmeer (sea of rocks a.k.a. boulder field). Last weekend I made it happen and visited. I was going to spend a two-day hike in the area following the Nibelungen Trail through the Odenwald mountain range.

 
Wetterbedingt erspare ich mir den Anstieg auf den Melibokus (mit 517m eher ein Hügel), denn Aussicht hätte es nicht gehabt, und wähle stattdessen das Geopark-Infocenter (war geschlossen!) in Lautertal am Felsberg als Startpunkt. Hier "wirft" mich der beste Ehemann von allen ab, bevor er weiter nach Norden fährt.

The weather wasn't at its best (light snow around freezing point) so I skipped part of the first section up mountain Melibokus (at 517m rather a hill), as there was no views to be had. Instead hubby left me at the trailhead of the sea of rocks in Lautertal. 
 

Die Fachwelt erklärt die geologische Besonderheit des Felsenmeers mit der Wollsackverwitterung, aber man könnte auch glauben, dass hier einmal Riesen mit Murmeln gespielt haben. Jedenfalls haben schon die Römer diese Murmeln, äh, das Quarzdiorit-Gestein, abgebaut, und es finden sich heute noch einige Zeitzeugen, wie eine unvollendete Säule oder ein Altarstein. 

This geological feature is called spheroidal weathering, but it rather looks like some giants were playing taw. Anyway those marbles or rather the diorate was already mined in the early days. One can still find artefacts from Roman mining, such as an unfinished column or an altar.


Ich bin im Trainingsmodus und habe bei der Kletterei den vollgepackten Rucksack (komplett mit Koch- und Schlafausstattung, Wasser und Futter) dabei. So geht es durch das Felsenmeer hinauf auf den Felsberg, und dann wieder hinunter. Das war schon recht anspruchsvoll. Danach laufe ich durch das unspektakuläre Örtchen Reichenbach. Den Aufenthalt in Dora's Café nutze ich, um mir auf dem WC eine zweite Schicht überzuziehen, denn es ist kalt und schneit leicht. Dort werde ich zu meiner völligen Überraschung mit einem kostenlosen Stück frisch gebackenen Kuchens wieder auf den Weg geschickt.


I am once again trying to get in shape for larger hikes, so I carried my backback along, loaded with food, water, a shelter and a sleeping system. And so I climb up to admire the feature from above, then down again and into the next village called Reichenbach in order to get a beverage and put long underwear. Dora's Café looked welcoming enough, and I made a pit stop to redress. We came to chat a bit and to my surprise the owner sent me on my way with a free piece of cake.


Der nächste Anstieg bringt mich zum Hohenstein, an dem gerade eine Klettergruppe eingewiesen wird. Sonst bin ich auf der Strecke allein unterwegs bis zum Dorf Knoden, in dem mir ein Wanderpaar 70+ begegnet, das den Fernwanderweg E8 läuft, 4.500 km durch England, die Niederlande, Deutschland, Österreich, die Slovakei, Polen, Rumänien und Bulgarien. Respekt! 

And then the trail went up again to Hohenstein, were I watched a climbing group in training. In the village of Knoden I met an elderly couple 70+ from England hiking the European longdistance trail E8 and therewith passing through England, the Netherlands, Germany, Austria, Slovakia, Poland, Romania and Bulgaria on a distance of 4,500 km (2,800 mi). Respect!
 

 
Im Gasthaus Zum Odental in Schannenbach kehre ich ein und gönne mir eine heiße Suppe und ein großes Glas Johannesbeerschorle und nutze die Örtlichkeiten, bevor ich weiter ziehe. Der Pfad führt mich Richtung Schlierbach hinunter, wo ich kurz überlege, ob ich hier nächtigen soll. Aber es ist noch zu früh und so nehme ich noch den Anstieg nach Lindenfels mit. 
 
At the inn Zum Odental I got the opportunity for a most welcome break. A hot spicy soup and a spritzer gave me needed motivation to continue my trek towards Schlierbach where I briefly consider to find accommodation. But it was still early, so I move on and up again in direction of the village Lindenfels.


     
Wenn man über das Kopfsteinpflaster durch das Stadttor eintritt, fühlt man sich ins Mittelalter versetzt. Nur die kitschig bunten Drachenstatuen wollen so gar nicht ins Bild passen. Der Ort selbst scheint sich in einem Dornröschenschlaf zu befinden, viele Geschäfte sind dicht und Unterkünfte rar gesäht. Zu meiner positiven Überraschung hat das Eiscafé Venezia um diese Zeit noch geöffnet. Inzwischen hat es angefangen heftig zu schneien. Auch wenn ich mein Campingzeug dabei habe, verlässt mich der Mut, die Nacht draußen zu verbringen.
 

The trail lead into town through an old gate. Cobblestone roads and timber-framed houses gave the place a medieval touch. There was some misplaced dragon themed art but otherwise the village seemed to be in a state of sleeping beauty. I found many shops closed, and so were the obvious accommodation options. Meanwhile it had started snowing in earnest and I began to lose my confidence of spending the night out in the woods.


 
In meiner Ratlosigkeit frage ich die Chefin, ob sie eine Unterkunft wüsste, und diese beginnt herumzufragen. Drei Telefonate später kommt ein älteres Ehepaar an und lädt mich und mein Gepäck in ihr Auto. Nicht nur ist die Nacht im Warmen gesichert, auch lassen mich die Leutchen am nächsten Tag nicht ohne etwas zu Futtern von dannen ziehen. 
 

To my utter surprise I found an open icecream parlour (Venezia). I talked to the owner asking for support. She made three phone calls and voilà, an elderly couple came to my rescue and provided shelter for the night. Thank to the powers that be I didn't have to sleep outdoors and got breakfast in the morning as well. 
 




In der Nacht hat es weiter geschneit und so gestaltet sich der Aufstieg zur Bismarckwarte etwas rutschig, ist aber dank Trekkingstöcken machbar. Ich nehme den Zubringer zum Nibelungensteig und laufe über die Höhen. Dort bin ich einem scharfem Wind ausgesetzt und muss zwischendurch meine Regenjacke über den Windbreaker anziehen. 
 

It continued to snow, and so the hike up the hill to the Bismarck tower was a bit tricky but manageable thanks to my trekking poles. I got back on the Nibelungen trail, it was a chilly and windy morning and I had to don my rain gear over the windbreaker jacket to keep the cold away. 
 






Besondere geologische oder kulturelle Höhepunkte hat der Weg nicht zu bieten, es ging stetig auf und ab und der Pfad hat sich durch den tauenden Schnee in Matsch verwandelt. Besonders die Abstiege werden zur Rutschpartie.
 
 
 

The trail went up and down and up and down again without any further geological or cultural features. Meanwhile the thaw turned the surface into mud puddles, and especially downwards it got quite slippery.



In Weschnitz will ich einkehren, finde aber das Gasthaus geschlossen vor. Eine Dame mit Hund gibt mir den Tipp, es beim WoMo Stellplatz zu versuchen. Dort sind wenigstens die Toiletten geöffnet und ich kann meine Wasserflasche auffüllen.
 

In the town of Weschnitz I hoped to find an inn, but the only one around had been closed a while ago. A lady walking her dog recommended a camp site where I found restrooms and refilled my water bottle. 
 
 

Serpentinen führen mich nun steil hinauf zur Walburgiskapelle, von der man eine Aussicht über das Tal hat (sowie eine Bank für die mehr als nötige Verschnaufpause). Danach geht es meist über Wirtschaftswege über den Berg, auf dem sich einige Windkraftanlagen befinden, und dessen Geräuschkulisse sich schon von weitem bemerkbar macht. Der Steig führt direkt hindurch, und die Warnschilder vor herabfallendem Eis machen mich nervös, und so laufe ich zügig unter den rotierenden Monstern her. 

And up it went yet another hill: At Walburgis chapel I enjoy the view on a bench while recovering from walking up the tight switchbacks. On the next section the path was mostly forest trails over the hill and along a field of wind generators. Signs warned to beware of falling ice but the trail lead right across the field so I hurried through.
 

 
Das letzte Stück geht fast schon sanft bergab Richtung des Kurortes Grassellenbach. Mein Gang beschleunigt sich mit Aussicht auf das ausgezeichnete Kuchenbuffet (Low Carb, Gluten frei, Laktose frei) und Drachenbluteis im Nibelungen-Café im Hotel Grassbachtal, wo mein Gatte bereits auf mich wartet. Ein Wanderwochenende mit 40 km und ca. 1500 hm geht zu Ende.
 
Thankfully the final section was a smooth walk downhill into the spa village of Grassellenbach. I sped up when I learned that a buffet of cake and ice cream (among others low carb, gluten free, lactose free) awaited at the Nibelungen Café in the Hotel Grassbachtal. And hubby had already arrived to pick me up and take me home. Weekend hiking stats were: 40 km (25 mi) and over 1500 m (5000 ft) in elevation.

 

 
Résumé: Es ist ein Steig, also sind Steigungen Programm (und somit auch der Muskelkater danach). Die Wegmarkierungen waren top, ich habe weder Karte noch App gebraucht. Die Wegführung war allerdings etwas enttäuschend, naturbelassene Pfade waren nur selten dabei, meist ging es auf Forst- und Wirtschaftswegen entlang. Viele Gaststätten sind nur am Wochenende geöffnet und viele Pensionen haben wohl mangels Touristen oder mangels Nachwuchs aufgegeben. Für Trekker gibt es einige schöne Übernachtungsmöglichkeiten in Hütten, manche davon sogar mit Aussicht. Man kommt immer wieder durch Ansiedelungen, so dass die Wasserversorgung gewährleistet ist. Die Nibelungen, Namenspaten dieses Wanderweges sind m.E. zu kurz gekommen. Auf Lindenfels gibt es das Drachenmuseum und einige bunt angemalte Drachenstatuen, bei Grassellenbach befindet sich der Siegfriedbrunnen, an dem der Held sein Schicksal gefunden haben soll, aber das war es dann auf dem Abschnitt auch. Fazit: Kann man machen, muss man aber nicht. 

Recap: A Steig is a steep track. So naturally one will encounter a lot of uphill and downhill trails (and for sure sore muscles after). The way markers were great, I didn't need a map or app at all. The trail quality on the other hand was average at best: almost no single trails, mostly farm and forest trails, and sometimes road. Many inns were closed or open on weekends only. Accommodation options are very limited due to lack of successors or lack of tourism. However, there are quite a few nice huts and camp spots with a view along the trail. Water sources are plenty due to the path leading through villages every so often. I was hoping that the trail was somehow feature some themes with regards to the legend of the Nibelungen. There were the colourful dragons in Lindenfels and Siegfried's fountain, where the hero was supposedly killed but that was it. Over all the trail gets an average rating on my scale.

12 comments:

  1. Cool trail, warmer weather would probably enhance it somewhat but your pics captured a desirable destination for hikers....

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    1. Weather somehow doesn't always cooperate, Dom. I am willing to endure it to a point. Camping below freezing point is still a bit too much to ask though. The area was nice but the Black Forest nicer ;-)

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  2. What an amazing set of photos Sonja! I've never seen a boulder field like that - really impressive. I think I'd sooner have Roland's job of picking you up as opposed to hiking :-)

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    1. Thanks, Geoff. Some might come to think that Roland has the better job but looking at the pics... I don't think so. They are well worth the sweat and pain ;-)
      My muscles are still pretty sore I have to admit that.

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  3. Wow, that is some hike! Stunning scenery. I love that you can pop into villages along the way. Hope the muscles are recovering.

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    1. It's getting better, Kari. But it had hurt good. Not being too far from civilization certainly has its advantages when it comes to re-supplying.

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  4. Pretty nice hike even with your “average” rating. I like hikes with lots of ups and down. It keeps things interesting. That boulder field looks treacherous. But you didn’t get to use your camping gear after carrying it around...

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    1. I don't mind the change in elevation, Richard. As for bringing all my gear along, that was a trial run, and I chickened out when the snowfall started.

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  5. So, endlich komme ich dazu wieder Deine Blogs durchzugehen....und zu diesem fallen mir nur zwei Dinge ein....boah, wie schoen ist das denn da und ..... unglaublich, wie gut die Frau in Form ist !!!
    Respekt .... ich bin beim Lesen schon in Schweiss ausgebrochen und hab bestimmt morgen Muskelkater ;-)
    Ach, wie schoen jedenfalls immer mit Euch "auf Reisen" zu gehen !
    Guten Start in die Woche und glg von ueber'n Teich
    Ela

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    1. Hi Ela, ich bin eher nicht in Form, hoffe aber, mit solchen Touren in ebendiese zu kommen ;-)

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  6. Respekt bei dem Wetter, aber die Fotos entlang des Weges sind dennoch toll. Und vor allem soviel hilfsbereite Menschen :-).

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    1. Man wird immer wieder positiv überrascht von den Eingeborenen ;-)

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