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September 05, 2015

Über den Mississippi zur Hauptstadt Kanadas


2.9. Wir dachten zunächst, dass wir in Geographie gepennt haben mussten (was aller Wahrscheinlichkeit auch stimmte): Der Mississippi fließt durch Kanada? In der Tat gibt es hier einen Namensvetter des großen amerikanischen Flusses. Und über diesen führt eine befahrbare Fünf-Bogen-Brücke aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, welche die einzige ihrer Art in ganz Nordamerika sein soll.


Nach einer Stunde Fahrt waren wir in Ottawa angekommen, ganz so "aus der Welt" lebte Dave also doch nicht, hatte er doch jahrelang zwischen seinem Haus und der Hauptstadt hin und her gependelt.


Wir machten einen Stopp am Ottawa River, bei den Remic Rapids, um einem Künstler bei seiner Arbeit zuzusehen. John Felice Ceprano begann mit seinen vergänglichen Skulpturen (er balanciert Steine übereinander) 1986 und beginnt sie jedes Jahr nach Ende des Winters auf's Neue.


Unterstützt wird er inzwischen von der Stadt, die seine Skulpturen anfangs gar nicht toll fand und sie sogar immer wieder entfernen ließ. Doch das Publikum verlangte mehr und so hatten die Offiziellen schließlich ein Einsehen. Wir waren jedenfalls begeistert und konnten uns nur schwer von der Magie dieses Ortes trennen. Das war Zen in Reinkultur.


Schließlich parkten wir uns in der bescheiden gebliebenen Innenstadt Ottawas ab. Viele ältere Gebäude wurden erhalten und geben der Stadt einen Touch von Gründerzeit.


Überall gab es Obst- und Gemüsestände, so dass wir zwangsläufig an Essen denken mussten. Unsere Bedürfnisse wurden dann auch bestens beim Vietnamesen befriedigt.


Wir schlenderten hinüber zur National Gallery of Canada, bewunderten dort die Spinnenskulptur Maman und machten uns dann weiter auf zum Rideau Kanal, wo wir ein Schiff bei seinem Aufstieg beobachteten.



Irgendwie fanden wir das total spannend. Ein Spaziergang entlang des Kanals führte uns dann weiter zu verschiedenen offiziellen Gebäuden, und immer wieder blieben wir stehen, um Kunst und Skulpturen zu bewundern.



Am Kriegerdenkmal, an dem vor nicht allzu langer Zeit ein Attentat auf einen Ehrensoldaten geschehen war, patrouillieren inzwischen Polizisten, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Wir begegneten dort einem jungen Soldaten mit deutschen Wurzeln und bestaunen den ersten Sikh in der Wache. So etwas ist Kanada pur für uns. Integration von feinster Qualität.

Das Parlamentsgebäude lässt uns vergleichsweise kalt, aber das Denkmal der Suffragetten fanden wieder wiederum interessant.


Da Sonja sich einen ausgewachsenen Schnupfen eingefangen hatte (wie immer, bei Reisen nach Übersee), der sie etwas schwächeln ließ, haben wir nach einer kleinen Pause im Biermarkt bei (Gluten freiem) Bier den Rückzug angetreten.


Wieder bei Dave's "Hütte" angekommen, stolperte sie dann auch gleich ohne Umweg ins Bett und ward zwölf Stunden nicht mehr gesehen. Also fand der Grillabend diesmal ohne sie statt. Die Jungs waren auch prima ohne sie zurecht gekommen.

September 04, 2015

Begegnungen im Nirgendwo

1.9. verließen wir den schönen Algonquin Park und machten uns wieder einmal auf, einen Menschen zu treffen, den Sonja bisher nur über seinen Blog kannte. Dave war so nett, uns für zwei Tage in seine Hütte am See einzuladen und hatte uns angeboten, uns Kanadas Hauptstadt Ottawa zu zeigen.

Doch bevor es dazu kam, hatten wir eine unglaubliche Begegnung: Beim einzigen Tim Horton's (wo auch sonst) im Umkreis von 50km in Barry's Bay, einem 1300 Seelen-Dorf im Madawaska County saßen wir gerade beim Kaffee und checkten unsere Emails, als uns ein netter Herr ansprach, ob wir wohl deutsch sprechen würden.

Aber klar, antworteten wir und so stand er da, schaute uns an, schüttelte den Kopf und sagte: Das fasse ich nicht! Wir dachten ok, wo wird uns dieses Gespräch hin führen? Und wir warteten seine Antwort ab: Ich verfolge Euren Kanada-Blog schon seit zehn Jahren, berichtet der Mann, der sich inzwischen als Eugen vorgestellt hatte. Jetzt war es an uns, ungläubig drein zu blicken.

Eugen erklärt, dass er mit Familie vor fünf Jahren ausgewandert und inzwischen Permanent Residency hat. Er läuft hinaus und holt seine Frau Emma wieder hinein zu Tim's. Und für die nächste Stunde unterhielten wir uns, als wenn wir uns schon ewig kennen würden.

Emma&Eugen mit Magers

Kann man sich das vorstellen? Ein Tim's am A.d.W. und der Mann erkennt uns von unserem Auswanderer-Blog wieder... Wir sollten wohl mal Lotto spielen.

Wir bekamen neben ihrer persönlichen Geschichte noch einige Tipps mit auf den Weg und dann trennten sich unsere Wege leider schon wieder. Aber wir haben das Gefühl, dass wir die beiden nicht zum letzten Mal gesehen haben...


Wir lernten über diese Gegend, dass im 19. Jahrhundert eine Einwanderungswelle von Kaschubiern und Deutschen statt fand. Hier gab es die ersten polnische (kaschubischen) Ansiedlungen. Leider hatte das hiesige Museum in Wilno geschlossen. Unser Weg führte uns weiter über das Land, vorbei an Golden Lake und Egansville.


Überall Bilderbuchfarmen und gepflegte Gärten. Wir fragten am Visitor Center, warum es überall so aufgeräumt aussehen würde und bekamen (und da war eindeutig Stolz in der Stimme) zu hören, das kommt von unserer deutschen Herkunft. Schaut mal auf der anderen Seite nach, da wohnen die Iren... wir beließen es bei dieser Aussage.


Schließlich kamen wir in Renfrew bei Tim Horton's (wo auch sonst) an, wo wir uns doch mit dem noch unbekannten Blogger Dave treffen wollten. Wie wir, war auch er zu früh dran, und auch er erkannte uns sofort. Ob er wohl auch deutsche Wurzeln hat? Nein, nicht er, sagte Dave, aber seine Frau... 


Wir folgten dann Dave's Harley ins tiefste Hinterland. So kam es uns jedenfalls vor. Eine halbe Stunde fuhren wir über Wege, die nicht mehr auf unserem Navi angezeigt wurden. Schließlich bogen wir in einen weiteren Schotterweg ab, und nach ein paar Kilometern standen wir vor seiner "Hütte". Nun, sagen wir mal, unser 80qm Apartment würde locker drei Mal in dieses Gebäude passen. 


Ein wunderschön wilder Garten umgibt das Haus, die Garage ist wiederum extra (Mann braucht schließlich Spielzeuge für jede Jahreszeit...) und die Terrasse hat einen Seeblick. Das darf doch gar nicht wahr sein. Purer Luxus mitten in der Wildnis.


Wir wurden schnell warm miteinander, stellen fest dass wir ähnliche Interessen in Politik, Kunst, Musik und Kultur hatten und bereiteten gemeinsam das Abendessen vor. Sonja übernahm mal wieder die Küche, während der Hausherr draußen am Barbecue grillte. Es gab frischen Mais, den wir vorher bei einem lokalen Stand "geschossen" hatten, sowie Fleisch vom Supermarkt für die Männer.


Wieder ging ein ereignisreicher Tag mit großartigen Begegnungen vorbei. Unsere Karma-Punkte scheinen uns einfach nicht auszugehen (hoffentlich bleibt das so). Life is good!