Inspiriert durch David's Blog Eintrag über den Ort den wir Zuhause oder Heimat nennen, überlegte ich mir, was der Begriff Heimat für mich bedeutet. Während dies für die meisten völlig klar zu sein scheint, ist es für mich nur schwer zu beantworten. Ich habe keine Heimat. Mein Zuhause ist, wo ich wohne, mein Zeug aufbewahre, wo ich nach der Arbeit hingehe, wo ich esse und schlafe. Mehr nicht. Ich habe keine emotionale Beziehung zu diesem Ort, und auch zu keinem anderen. Heimat und die damit assoziierte Bedeutung von Zugehörigkeit, Wurzeln oder Rückzugsort bedeuten mir nichts. Für mich gibt es so etwas nicht.
| The village |
In the Black Forest village I live in today I find a lot of people who were born and raised here. Sometimes they go away for a short period of their lives but they always come back. They marry someone local, build a house, raise a family, and, this goes without saying, they still have the same old friends since kindergarten, and eventually they will be buried in their native soil. They know they belong. I don't get it, and I do not belong. Because if necessity, or job, or the plain desire to go somewhere else should demand breaking camp, I would gladly and without hesitation pack my bundle and leave, nothing is holding me back, and I wouldn't miss a thing. Once again I would be left with the question where this mysterious place called home might be, and why I can't seem to find a way to get there.
In dem Schwarzwalddorf, in dem ich derzeit lebe, gibt es erstaunlich viele Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind. Manchmal verlassen sie für eine kurze Zeit ihr Zuhause, aber sie kommen immer zurück, dann heiraten jemanden aus der Gegend, bauen ihr Haus, gründen eine Familie, haben selbstverständlich immer noch die gleichen Freunde wie im Kindergarten und werden schließlich auch hier begraben werden. Sie wissen, sie gehören hierhin. Ich verstehe nur, dass ich nicht hierhin gehöre. Denn sollte es die Notwendigkeit, die Arbeit oder einfach das Bedürfnis erfordern, hier die Zelte abzubrechen, würde ich freudig und ohne Zögern mein Bündel schnüren und weiter ziehen. Keine Wurzeln halten mich zurück, und ich werde von hier nichts vermissen. Am Ende bleibe ich dann wieder einmal mit der Frage zurück, wo denn für mich dieser geheimnisvolle Ort Heimat sein könnte, und warum ich nicht dorthin finden kann.
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| Mushroom Parade in the Black Forest |
Coming to think of it, it might be somehow related to my upbringing. My parents had moved around a while before they settled in what I would call a typical blue collar town. I was born in northern Germany close to the Danish border, and my siblings in other parts of the country. I grew up in said working class city, went to school there, made a handful of good friends. I guess I was happy, but I also remember having early thoughts about stretching boundaries, getting out of there, escaping.
And not to worry, I didn't go through any major traumatic experience related to any loss or uprooting. Our family had a strong bond, and still has, despite the distance. I was a fairly good study, had piano lessons, played football (soccer) and volleyball, and made it on the school's swim team and the choir. Some of my teachers saw people skills in me, and helped me how to help others. I became a tutor, a mentor, a class rep, and I easily got along with the popular and the shy ones, the nerds and the jocks. Everything in school life and adolescence was a piece of cake for me, but yet it didn't give me any sense of belonging, or filled me with the desire to get rooted.
Eventually school was over. Now career building and money making became my major focus. I opted for a profession that would enable me to travel a lot, and boy, did I get around. I left town to settle in a big city with an international airport, and my work allowed me to see many places outside Germany early on: Paris, London, Helsinki, Warsaw, Barcelona, Milan just to name a few. I made new friends, found the love of my life, and at some point in time growing a family was on the radar, alas, some plans didn't work out the way we wish it would. It's part of life, not all dreams and wishes come true.
Das mag daran liegen, wie ich aufgewachsen bin. Meine Eltern waren einige Male umgezogen bis sie sich schließlich in einer typischen Arbeiterstadt in NRW nieder ließen. Während ich in Norddeutschland, nicht allzu weit weg von der dänischen Grenze geboren wurde, kamen meine Geschwister im Rheinland zur Welt. Ich wuchs in besagter Arbeiterstadt auf, ging dort zur Schule und hatte einige gute Freunde. Ich denke, ich war glücklich, aber erinnere mich auch, dass ich bereits früh Fluchtgedanken hegte, ich wollte da 'raus, entkommen, Grenzen austesten.
Keine Sorge, es lag nicht an irgend einem traumatischen Kindheitserlebnis. Unsere Familie war und ist immer noch eng miteinander verbunden, obwohl uns die Entfernung trennt. Ich war eine recht gute Schülerin, lernte Klavierspielen, spielte Fußball und Volleyball, war in der Schwimmmannschaft und im Schulchor. Manche Lehrer merkten, dass ich eine "soziale Ader" hatte und halfen mir, zu helfen, wo ich konnte. So gab ich Nachhilfe, betreute benachteiligte MitschülerInnen, war mal Klassensprecherin und kam mit allen gut zurecht, den Populären und den Schüchternen, den Sonderlingen und den Sportskanonen. Kindheit, Schule und Heranwachsen war einfach für mich, alles passte, aber ich fühlte mich trotzdem nicht dazugehörig und schlug keine Wurzeln.
Dann war die Schulzeit vorbei und Karriere und Geldverdienen standen im Vordergrund. Ich hatte mir einen Beruf ausgesucht, der mir das Reisen ermöglichen würde, und das tat ich auch, oft und mit Vergnügen. Ich zog in eine Großstadt mit einem internationalen Flughafen und meine Arbeit brachte mich schnell an ferne Orte außerhalb Deutschlands wie Paris, London, Helsinki, Warschau, Barcelona, Mailand, nur um mal ein paar zu nennen. Ich lernte neue Leute kennen, fand schließlich die Liebe meines Lebens und irgendwann stand auch die Familienplanung auf dem Programm, welche aber dann nicht so verlief, wie wir es uns gewünscht hatten. So spielt das Leben, nicht alle Wünsche und Träume werden wahr.
As it does, life went on. Eventually the repeat business trips all over Europe started to wear me out, once a pleasure it now became a chore, I felt like in a straightjacket. Then, on my first visit to Canada back in 1998 something happened to me, I found greener pasture, and many new places to visit on the other side of the ocean. So we moved overseas, and the rest is history. Life in Canada was different in a good way, but yet another place that didn't become homey. We moved four times within eight years, twice in Alberta, and twice in BC, and the place I loved the most was living close to the Burrard Inlet, in an apartment with water views and mountain views. Believe me, I had a hard time leaving, and when we did, I felt like swallowed by a big black hole. Up to now I am still drawn to that place... could it be? Did I find home and let it slip away? Or is this sense of loss simply associated with missing the proximity and access to an ocean? As a Northerner I have saltwater in my veins, you know... Ever since, I have thought about returning to Canada's west coast many times. But in the meantime this place has changed significantly. The flat is sold, the economy not too well, friends have moved on, and it just wouldn't be the same, or would it?
Das Leben ging weiter. Die wiederholten Geschäftsreisen durch Europa fingen an, mich anzustrengen, was einst ein Vergnügen war, wurde nun zur Last. Ich fühlte mich wie in einer Zwangsjacke. Da war es nur natürlich, dass beim ersten Besuch in Kanada 1998 etwas mit mir passierte. Das Gras war grüner auf der anderen Seite, und es gab dort so viele neue Orte zu besichtigen. Also zogen wir nach Übersee, und der Rest ist Geschichte. Doch eine Heimat hatte ich auch dort immer noch nicht gefunden.
Innerhalb von acht Jahren zogen wir viermal um, zweimal in Alberta und zweimal in BC, und das erste vage Gefühl von Heimat vermeinte ich zu verspüren, als wir in unserer Wohnung am Burrard Inlet lebten, mit Blick auf das Wasser und die Berge. Glaubt mir, noch nie ist es mir so schwer gefallen, von einem Ort wegzuziehen. Und als wir es taten, fiel ich erst einmal in ein Loch. Seither fühle ich mich immer noch dorthin zurück gezogen. Konnte es sein... hatte ich vielleicht doch ein Zuhause gefunden und es wieder verloren? Oder ist es einfach nur die Nähe zum Meer, die ich vermisse? Schließlich habe ich ja als Fischkopp Salzwasser in den Adern. Jedenfalls musste ich seitdem oft an eine Rückkehr an Kanadas Westküste denken, doch zwischenzeitlich hat sich dort auch vieles verändert. Das Apartment ist verkauft, die Arbeitsaussichten schlechter, Freunde sind weiter gezogen, also würde es wohl nicht mehr dasselbe sein, oder?
Doch solange ich mit der Suche nach dem Konzept Heimat und dem Weg dahin beschäftigt bin, hätte ich nichts dagegen, mit etwas dieser Art meine Zeit zu vertreiben, bis ich dort angekommen bin ;-)
| as seen on the trade fair: one can dream... |
And I would be curious to learn what the meaning of home is for you...
Und natürlich würde ich zu gern wissen, was Heimat für Euch bedeutet...
