Nachdem uns das Wetter in der letzten Woche total verwöhnt hat mit Sonnenschein pur und bis zu 24°C, sind wir heute morgen mit kräftigen Schneefall und 0°C begrüsst worden. Das hat uns allerdings nicht überraschend getroffen, denn es war tatsächlich schon seit einer Woche im Wetterbericht angekündigt. Morgen soll es demnach aber auch schon wieder sonnig werden.
Anyway, hier gibt es momentan sowieso nur ein Thema, und das ist Hockey. Die Calgary Flames hatten die North Western Division als Primus abgeschlossen, und gestern gab es das erste Spiel der ersten Playoff-Runde gegen die Mighty Ducks Anaheim (Modus: Best of Seven, wer vier Spiele gewinnt, kommt in die nächste Runde). Das Spiel war schwach, aber das interessiert niemanden, denn die Flames haben mit 2:1 in der Verlängerung gewonnen. Anschließend war Party entlang der 17th Avenue, der Flaniermeile der Innenstadt. Die Party war aber wohl nicht halb so schön wie vor zwei Jahren, als die Flames bis ins Finale vorgestoßen sind. Damals müssen tausende von Fans dort nächtelang gefeiert haben, mit Musik, Tanz und Mädchen, die "flashten" (sprich: entblößend ihre T-Shirts lupften, davon spricht man heute noch hier!). Dieses Jahr gab es jedoch diverese öffentliche Warnungen von Seiten der Stadtverwaltung, und die Polizei reagiert wohl auch sehr streng, so dass die richtige Stimmung noch nicht aufkommen wollte. Roland hat seinen "flashing"-begeisterten Kollegen jedenfalls empfohlen, einmal die Love Parade in Berlin zu besuchen...
Im übrigen gibt es hier den Spruch "In Calgary gibt es zwei Jahreszeiten: Winter und Baustellensaison", und der Winter ist jetzt vorbei.. Im Stadtgebiet von Calgary gibt es 15 Großbaustellen mit einem Gesamtbudget von 700 Millionen Dollar. Dies ist auch absolut notwendig, da die Verkehrsinfrastruktur in den letzten Jahren weit hinter dem Bevölkerungswachstum zurück geblieben ist. Einige der Großprojekte ersetzen völlig überlastete Ampelkreuzungen durch Autobahnkreuzungen mit Auf-und Abfahrten. Es ist beeindruckend, wie schnell hier Brücken gebaut werden, vor allem, wenn man bedenkt, dass die meiste Arbeit nachts vonstatten geht (bei normalerweise komplett gesperrten Straßen). Trotzdem wird der Rückstand schwer aufzuholen sein, die Infrastruktur wird wahrscheinlich noch auf Jahre der Bevölkerungsexplosion hinterher hinken.
We only get one run at life so might as well have fun on the way. (Geoff James)
April 23, 2006
April 19, 2006
Happy Anniversary: unser erstes Jahr!
Heute vor einem Jahr sind wir in Calgary angekommen! Wie unglaublich schnell die Zeit vergeht... Hier ist ein kleines Resumé unserer ersten zwölf Monate:
Nach langen Jahren unermüdlichen Schaffens in Deutschland hatten wir uns (zugegebenermaßen etwas blauäugig) vorgestellt, nach unserer Ankunft in Kanada erst einmal ein paar Monate Ferien zu machen. Tatsächlich haben wir einen Großteil dieser Zeit dann mit der Anmeldung bei Ämtern, Versicherungen usw. und mit der umfassenden Marktstudie 'Möbel- und Autokauf in Calgary' (Spart Euch die Zeit, geht zu IKEA und TOYOTA!) verbracht. Allerdings haben wir uns intensive Tagesausflüge ins Umland, in die Badlands, ins Kananaskis Country, die Rockies und nach Edmonton gegönnt.
Nachdem dann der Juni 2005 sprichwörtlich ins Wasser gefallen war und uns die Erwerbslosigkeit langsam nervös machte (schließlich gaben wir ja dauernd Geld aus und es kam nichts mehr nach…), haben wir uns dem kanadischen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Dieser hat uns zwar anfangs zögerlich, aber letztendlich doch willig aufgenommen. Dank Fachkräftemangels in der ganzen Provinz bekamen auch wir Greenhorns ohne kanadische Berufserfahrung unsere Chance!
Als Neuankömmlinge in Alberta mussten wir natürlich die Stampede in standesgemäßer Ausrüstung mitmachen. Obwohl wir uns nie wirklich für den rheinischen Karneval begeistern konnten, hat uns der Western-Karneval viel Spaß gemacht. Hier wird man uns sicher noch öfters antreffen.
Seit Arbeitsbeginn hat uns schließlich die Routine wieder, mit der Ausnahme, dass wir hier eine gelebte 40-Stunden-Woche haben, das Geld alle zwei Wochen fließt und Projektplanung oder die Einhaltung von Deadlines eine Fiktion ist. Urlaub haben wir bisher noch nicht gehabt (bis auf zwei Tage um Ostern), denn unsere Stippvisite in Deutschland zur Hochzeit von Sonjas Schwester konnte man nicht wirklich als Erholung bezeichnen. Schließlich bekamen wir in den 7 Tagen maximal 20 Stunden Schlaf… aber wer braucht den schon Urlaub… in der Tat gibt es Kollegen, die schon seit Jahren keine Ferien mehr gemacht haben und sich die Tage lieber ausbezahlen lassen.
Einen festen Platz in unserer Freizeitgestaltung haben unsere neuen Freunde Jane und Pam und die Treffen mit anderen Einwanderern, zum Beispiel mit Norbert's und Sylvia's Expat-Truppe http://ca.groups.yahoo.com/group/DeutscheInCalgary/. Darüberhinaus gilt es bei den regelmäßigen Treffen mit unseren multi-kulturellen Kollegen- und Bekanntenkreis immer wieder, unseren kulinarischen Horizont (letztlich: gegrillter Spargel!) zu erweitern. Die Wochenenden verbringen wir oft in den Bergen, in denen wir unseren neuen Hobbies Wandern, Naturkunde und - sofern Schnee vorhanden - Cross Country Skilaufen nachgehen.
Nach fast einem Jahr Kanada gehören zu unseren besten Erfahrungen:
- die einfache Integration
- das stressfreie Leben
- Natur und Wildlife vor der Tür
- die Wertschätzung deutscher Ausbildung und europäischer Arbeitserfahrung
- die Entdeckung der 40-h-Woche (und wir meinen v i e r z i g!)
- das Shopping am Sonntag
- Langlaufski und Hundeschlittentour
Negative Eindrücke gab es natürlich auch:
- Keine Kreditwürdigkeit für Neueinwanderer
- Hoher Kfz-Versicherungs-Einsteigertarif
- Niedriges Umweltbewusstsein
- Extrem schlechte Autofahrer (und in jedem Deutschen steckt ein Verkehrserzieher…)
- Nachrichten auf Boulevard-Zeitungs-Niveau (und wir streamen uns die Tagesschau…)
Das Leben in Kanada ist für uns, was die Franzosen unter ihrem Savoir Vivre verstehen. Hier kommt der Wein aus dem Okanagan Valley, das Baguette vom Safeway, und die Kanadier lieben es relaxt. Die Anpassung an das kanadische Leben ist uns nicht sehr schwer gefallen, auch wenn wir schon mal über unsere technologische Zeitreise in die 60er lästern oder über unsere deutsche Vorstellung von Qualität stolpern. Deutsche Technik und Qualität ist eben kaum zu toppen ;-) Für den Alltag und den eigenen Seelenfrieden haben wir uns daher schnell die Grundsätze kanadischer Gelassenheit angeeignet: Geduld und Rücksicht, dazu noch eine gewogene Mischung aus den Zutaten Improvisation, Investition, oder auch mal Ignoranz.
Unser Fazit: Bisher haben wir es nicht bereut. Allein der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden fehlt doch manchmal. So etwas kann man auch durch Internet und regelmäßige Telefongespräche nicht ersetzen. Aber dieses Jahr dürfen wir ja bereits die ersten Besucher in unserer neuen Heimat begrüßen! Besonders freuen wir uns schon auf die mitgebrachten Care-Pakete, vor allem aber auf Mom's Kochkunst.
Nach langen Jahren unermüdlichen Schaffens in Deutschland hatten wir uns (zugegebenermaßen etwas blauäugig) vorgestellt, nach unserer Ankunft in Kanada erst einmal ein paar Monate Ferien zu machen. Tatsächlich haben wir einen Großteil dieser Zeit dann mit der Anmeldung bei Ämtern, Versicherungen usw. und mit der umfassenden Marktstudie 'Möbel- und Autokauf in Calgary' (Spart Euch die Zeit, geht zu IKEA und TOYOTA!) verbracht. Allerdings haben wir uns intensive Tagesausflüge ins Umland, in die Badlands, ins Kananaskis Country, die Rockies und nach Edmonton gegönnt.
Nachdem dann der Juni 2005 sprichwörtlich ins Wasser gefallen war und uns die Erwerbslosigkeit langsam nervös machte (schließlich gaben wir ja dauernd Geld aus und es kam nichts mehr nach…), haben wir uns dem kanadischen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Dieser hat uns zwar anfangs zögerlich, aber letztendlich doch willig aufgenommen. Dank Fachkräftemangels in der ganzen Provinz bekamen auch wir Greenhorns ohne kanadische Berufserfahrung unsere Chance!
Als Neuankömmlinge in Alberta mussten wir natürlich die Stampede in standesgemäßer Ausrüstung mitmachen. Obwohl wir uns nie wirklich für den rheinischen Karneval begeistern konnten, hat uns der Western-Karneval viel Spaß gemacht. Hier wird man uns sicher noch öfters antreffen.
Seit Arbeitsbeginn hat uns schließlich die Routine wieder, mit der Ausnahme, dass wir hier eine gelebte 40-Stunden-Woche haben, das Geld alle zwei Wochen fließt und Projektplanung oder die Einhaltung von Deadlines eine Fiktion ist. Urlaub haben wir bisher noch nicht gehabt (bis auf zwei Tage um Ostern), denn unsere Stippvisite in Deutschland zur Hochzeit von Sonjas Schwester konnte man nicht wirklich als Erholung bezeichnen. Schließlich bekamen wir in den 7 Tagen maximal 20 Stunden Schlaf… aber wer braucht den schon Urlaub… in der Tat gibt es Kollegen, die schon seit Jahren keine Ferien mehr gemacht haben und sich die Tage lieber ausbezahlen lassen.
Einen festen Platz in unserer Freizeitgestaltung haben unsere neuen Freunde Jane und Pam und die Treffen mit anderen Einwanderern, zum Beispiel mit Norbert's und Sylvia's Expat-Truppe http://ca.groups.yahoo.com/group/DeutscheInCalgary/. Darüberhinaus gilt es bei den regelmäßigen Treffen mit unseren multi-kulturellen Kollegen- und Bekanntenkreis immer wieder, unseren kulinarischen Horizont (letztlich: gegrillter Spargel!) zu erweitern. Die Wochenenden verbringen wir oft in den Bergen, in denen wir unseren neuen Hobbies Wandern, Naturkunde und - sofern Schnee vorhanden - Cross Country Skilaufen nachgehen.
Nach fast einem Jahr Kanada gehören zu unseren besten Erfahrungen:
- die einfache Integration
- das stressfreie Leben
- Natur und Wildlife vor der Tür
- die Wertschätzung deutscher Ausbildung und europäischer Arbeitserfahrung
- die Entdeckung der 40-h-Woche (und wir meinen v i e r z i g!)
- das Shopping am Sonntag
- Langlaufski und Hundeschlittentour
Negative Eindrücke gab es natürlich auch:
- Keine Kreditwürdigkeit für Neueinwanderer
- Hoher Kfz-Versicherungs-Einsteigertarif
- Niedriges Umweltbewusstsein
- Extrem schlechte Autofahrer (und in jedem Deutschen steckt ein Verkehrserzieher…)
- Nachrichten auf Boulevard-Zeitungs-Niveau (und wir streamen uns die Tagesschau…)
Das Leben in Kanada ist für uns, was die Franzosen unter ihrem Savoir Vivre verstehen. Hier kommt der Wein aus dem Okanagan Valley, das Baguette vom Safeway, und die Kanadier lieben es relaxt. Die Anpassung an das kanadische Leben ist uns nicht sehr schwer gefallen, auch wenn wir schon mal über unsere technologische Zeitreise in die 60er lästern oder über unsere deutsche Vorstellung von Qualität stolpern. Deutsche Technik und Qualität ist eben kaum zu toppen ;-) Für den Alltag und den eigenen Seelenfrieden haben wir uns daher schnell die Grundsätze kanadischer Gelassenheit angeeignet: Geduld und Rücksicht, dazu noch eine gewogene Mischung aus den Zutaten Improvisation, Investition, oder auch mal Ignoranz.
Unser Fazit: Bisher haben wir es nicht bereut. Allein der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden fehlt doch manchmal. So etwas kann man auch durch Internet und regelmäßige Telefongespräche nicht ersetzen. Aber dieses Jahr dürfen wir ja bereits die ersten Besucher in unserer neuen Heimat begrüßen! Besonders freuen wir uns schon auf die mitgebrachten Care-Pakete, vor allem aber auf Mom's Kochkunst.
April 17, 2006
Feuchte Ostern in BC
Kurzentschlossen haben wir uns etwas - unbezahlten - Urlaub gegönnt und uns zunächst nach Süden in den Waterton Nationalpark aufgemacht, der im Süden an den Glacier National Park in den USA angrenzt. Der Park ist im Sommer ein beliebtes Reiseziel für Besucher von beiden Seiten der Grenze, jetzt war der Grenzübergang aber noch geschlossen und dementsprechend war nicht viel los.
Eine der üblichen Heritage Sites auf dem Weg zum Cameron Lake weist auf die erste Ölbohrung in Kanada Ende des 19. Jahrhunderts hin. Für uns war der See und die Tierwelt jedoch die größte Attraktion. Der starke Wind hatte das Wasser aufgepeitscht und Sonja hat sich dementsprechend fast wie am Meer gefühlt. Wir haben Cariboo Herden vorbeiziehen sehen, einen Fuchs auf der Pirsch (nach Pikas) erwischt und unzählige Vögel beobachtet. |
Unsere Tour führte uns weiter über den Crowsnest Highway nach Westen, und schon drückte Roland das Gaspedal durch (der berühmte BC-Virus, der einen so lange Richtung Westen fahren lässt, bis man am Pazifik-Strand von Tofino angelangt ist...). Nein, wir werden nicht nach Vancouver fahren, dafür reicht die Zeit doch nicht! Stattdessen machten wir einen Abstecher nach Kimberley, einem pseudo-bayrischen Örtchen und Kanadas wenig geschmackvoller Beitrag zu 'Sehenswürdigkeiten, die das Land nicht braucht'. Die deutsche Gaststube im Gelsenkirchener Barock kommt mit einer mittelmäßigen Küche daher, die Fußgängerzone ist eine exakte Kopie der Innenstadt von Hilden (incl. der geschlossenen und leerstehenden Geschäfte, nur die italienische Eisdiele fehlt), und zur Krönung fängt es auch noch an zu regnen. Das haben wir wirklich nicht vermisst...
Leider hat es schon seit 'Grenzübergang' BC ziemlich heftig geregnet, aber: wow, ist das GRÜN hier. Das Kootenay Gebiet war uns aus vergangenen Touren noch bekannt, so haben wieder die kostenlosen Fähren genutzt. Jetzt war auch Sonja wieder happy, da Wasser unterm Kiel. Weil wir uns an dem grünen Gras nicht satt sehen konnten, haben wir auf einem Golfplatz, bzw. im Golfhotel daneben übernachtet (Kootenay Lakeview Lodge, klasse Zimmer, gute Küche, faire Preise). Dann ging es nach Norden, eine Stippvisite in Kaslo, hallo "SS Moyie". Und es beginnt tatsächlich zu schneien. Wo bleibt der Frühling? In Revelstoke haben wir den üblichen Rundgang gemacht, hallo "Grizzly Book and Serendipity Shop". Immer wieder nett, das Örtchen, aber die Züge waren so laut und der Revelstoke Nationalpark noch geschlossen, so dass wir hier auf die Übernachtung verzichtet haben.
Also ging es nach Osten über den Rogers Pass (beinahe hätten wir Schneeketten gebraucht). In Golden haben wir es uns dann in der Alpine Meadows Lodge gemütlich gemacht (einem gepflegten B&B mit ausgezeichnetem Frühstück) und haben im Ort nach langer Enthaltsamkeit im "Apostoles" echtes griechisches Essen genossen. In Golden lohnt ein Blick 'hinter die Kulissen', denn der vordergründig häßliche Ort im wunderschönen Tal des Columbia Rivers verfügt über ein gutes Ski-Gebiet, viele Wanderwege und bietet eine Menge Alternativen, die wunderbare Landschaft aktiv zu genießen. Unser Tripp nähert sich leider viel zu schnell dem Ende, ein Abstecher zum Emerald Lake, der noch im Winterschlaf liegt, dann der Versuch, den Icefield Parkway zu bewältigen. Leider wurden wir von einem Whiteout (Schneesturm mit Null Sicht) überrascht und mussten umdrehen.Zuletzt ging es noch zum Lake Louise, japanische Touristen jagen. Nein, natürlich nicht! Der See ist selbst im Winter ein attraktives Reiseziel und kommt auch schneebedeckt malerisch daher. Nach vier Tagen und knapp 1.700 km sind wir wieder zuhause im wolkenlosen, schneefreien, warmen Calgary und machen es uns bei 10°C plus am Nachmittag mit einer Tasse importierten Vanilletees auf der heimischen Terrasse gemütlich. Fazit: Vor unserer nächsten Tour nach BC werden wir genauestens die lokalen Wettervorhersagen checken!
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