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April 18, 2016

Jenseits von Kanada

Sollten die Protagonisten dieses Blogs mal einen Roman schreiben wollen, würde er (frei nach dem Roman Jenseits von Afrika) sicherlich so beginnen...

"Wir hatten einen Platz in Kanada, am Fuße des Adlerbergs, am Ende des Burrard Inlets..."

Rocky Point Park, Port Moody, BC

Alle Jahre wieder feiern wir unser Immigrations-Jubiläum: am 18. April 2005 landeten wir mit Permanent Residence Status und 27 Kisten unseres alten Lebens im Gefolge in Calgary, Alberta.

Fünf Jahre verbrachten wir dort, wohnten zunächst im Nordosten und zogen dann in den Südwesten der Stadt um, bevor wir im Frühjahr 2010 nach Port Moody, British Columbia umsiedelten.

Wir fanden schnell Arbeit und neue Freunde, erlebten die Schönheit der Berge, der Prärie und der wilden Westküste. Seit Februar 2011 sind wir kanadische Staatsbürger.

So sehen Kanadier aus!

Im Mai 2013 bewogen uns familiäre Gründe, nach Deutschland zurück zu kehren, und so ließen wir uns, der Arbeit wegen, im südwestlichen Baden-Württemberg nieder. Nebenbei kam der Schwarzwald sowohl landschaftlich als auch geografisch unseren Vorstellungen von einem Neubeginn in der alten Heimat entgegen.

Nun leben wir schon wieder drei Jahre in Deutschland, zurück im Kreis der Familie und alter Freunde, zurück im deutschen Alltag.

Rückblickend fiel uns im Vergleich zur Anpassung an das Leben in Kanada die Rückwanderung ungleich schwerer. Besonders Sonja litt unter dem Phänomen Reverse Culture Shock (Eigenkulturschock). Uns fehlt die unendliche Weite, das Meer und... natürlich unsere Million-Dollar Aussicht!


Auf der anderen Seite des Ozeans hatten wir (gefühlt) mehr Freiheit, weniger Bürokratie, ein entspanntes Arbeitsleben. Wir waren nicht die "Zugereisten", sondern ein Teil des Multi-Kulti.

Grund genug, eines Tages nach Kanada zurück zu kehren? Oft werden wir genau dieses gefragt. Diese Frage ist nicht so einfach mit ja oder nein zu beantworten. Denn was wir dort aufgegeben haben, werden wir so nicht mehr vorfinden: Unsere schöne Wohnung mit Ausblick ist verkauft, ein Teil unserer Freunde inzwischen weiter gezogen und die Arbeitsmarktsituation derzeit eine andere. Das Thema Alter und Gesundheit lassen wir dabei mal beiseite, denn das wäre derzeit (noch) kein Hinderungsgrund.

Typisch deutsch: Im Jack Wolfskin Outfit!

Also sagen wir mal so: Es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass wir als Deutsch-Kanadier jederzeit in das Land unserer Träume zurück kehren dürfen.

April 02, 2016

Warum auswandern? Hier ist es doch schön...

... fragt uns so manche(r) eingeborene SchwarzwälderIn immer wieder. Und richtig, diese Ecke Deutschlands ist wirklich wunderschön, für viele andere sogar ein Grund, hier Urlaub zu machen.


Als wir uns 2003 entschlossen hatten, nach Kanada umzuziehen, und dieses 2005 in die Tat umsetzten, verließen wir das Land ja nicht, weil in Deutschland alles so schrecklich war, sondern weil uns die Neugier und die Liebe zu unserem Urlaubsland Kanada magnetisch angezogen hat, so wie auch der Schwarzwald immer wieder Menschen aus anderen Teilen Deutschlands (und der Welt) anlockt.

Aus dieser Motivation heraus hatten wir - für den Deutschen an sich fast undenkbar - im Oktober 2004 unsere unbefristeten (!) Arbeitsverhältnisse aufgekündigt, Wohnung und Hausstand verkauft und waren auf zu neuen Ufern (bzw. Bergen) gezogen. 


Da wir das Land ein paar Mal bereits ein paar Mal besucht hatten, wussten wir ja größtenteils, auf was wir uns einließen. Auch sprachen wir ganz gut Englisch und fühlten uns dank Ausbildung und Berufserfahrung ausreichend für den kanadischen Arbeitsmarkt vorbereitet. 

Dabei half uns das Internet nicht nur bei der ganzen Recherche rund um die Immigration, sondern auch beim Aufbau eines neuen sozialen Umfeldes. Letztendlich hatten wir eine ganze Menge Glück: Der Arbeitsmarkt boomte gerade und wir fanden großartige Arbeitgeber. Und so wurde das Projekt Auswanderung für uns ein voller Erfolg und unser neues Lebensmotto: Life is good!

March 27, 2016

Wo wir einst zu Hause waren

Beim Surfen im Internet entdeckt: ein Drohnen-Video von Paul Bennett über Port Moody.



In dem Gebäude bei 4:01 hatten wir im 9. Stock unsere Wohnung. Der Stadtteil, in dem wir von 2010 bis 2013 gelebt hatten, heißt Suter Brook. Hier ein Google Streetview Ausschnitt:


Und noch eins: Im Wedgewoods Komplex in Südwest Calgary wohnten wir von 2006 bis 2010, gefilmt wurde das Video von Robert Hamilton.



Unser Apartment lag mittig in dem Hufeisen-förmigen Gebäude rechts bei 0:13. Streetview zeigt hier die Einfahrt zu den Wohnhäusern:


Kurz nach unserer Immigration lebten wir von 2005 bis 2006 im Norden Calgary's im Stadtteil Hidden Valley. Hier ein Streetview Schnappschuss von unserem ersten Domizil.

August 09, 2015

Die Westküste ruft!

“Nichts ist so beständig wie der Wandel” 
Heraklit von Ephesus (etwa 540 - 480 v. Chr.)

Nach fünf Jahren in Alberta zogen wir im Frühjahr 2010 offiziell nach Britisch Kolumbien um, nach Port Moody, um genau zu sein, einem Vorort von Vancouver. Die Gründe waren vielfältig.

2010 Pitt Meadows

In 2005 Alberta bot die besseren Einstiegs- und Verdienstchancen, und so wurde Calgary unsere erste Adresse in Kanada. Und Alberta war gut zu uns. Krankenversicherung vom ersten Tag an (nicht erst nach drei Monaten Wartezeit, wie in anderen Provinzen üblich), lukrative Arbeitsangebote und niedrige Steuern. Auch landschaftlich war Alberta ein Glücksgriff. Wir hatten die Rocky Mountains vor der Tür, die Prärie und die Badlands.

Warum sind wir also weiter gezogen?

Seit der Rezession in 2009 hatte sich viel verändert in der wohlhabenden Provinz. Die Arbeitssituation war unsicher geworden, Freunde waren weggezogen, der Arbeit hinterher, und unser soziales Netz bekam Löcher. Man konnte auch sagen, es war kälter geworden, und damit meinten wir nicht das Wetter. Auf der anderen Seite war BC immer unser großer Traum gewesen. Als dann auch noch für Sonja ein Jobangebot von der Westküste ins Haus flatterte, war es klar, dass wir den Sprung wagen wollten.

Die nächsten drei Jahre an der Westküste wurden traumhaft. Die Berge und der Ozean, der Regenwald, das Marschland, die Weingüter. Moderate Temperaturen mit vier echten Jahreszeiten. Motorradfahren, Kayak fahren, Wanderungen und überall Wasser: Seen, Flüsse, das Meer. Einmal angekommen, möchte man hier nicht mehr weg, denkt man. 

Aber so einfach es für Sonja war, beruflich in BC Fuß zu fassen, so schwierig blieb es für Roland. Nur gut, dass er einen kulanten Arbeitgeber in Calgary hatte, der mit Homeoffice kein Problem hatte und ihn einfliegen ließ, wenn er vor Ort gebraucht wurde. Doch irgendwann wurde für ihn die Pendelei nervig und die lokale Arbeitssuche frustrierend. Das Homeoffice wurde zur sozialen Sackgasse, und schließlich brachten einsetzendes Heimweh und Sorge um den Gesundheitszustand der Mutter in 2013 den Stein zur Rückkehr nach Deutschland ins Rollen.

2012 Port Moody

Wir haben uns nach kurzer Zeit der Eingewöhnung (nun, Sonja brauchte etwas länger...) beruflich und privat wieder etabliert, alte Kontakte wiederbelebt und neue geknüpft und genießen den Schwarzwald und die Nähe zur Familie. Motorradfahren macht auch hier viel Spaß und wir verbringen viel Zeit mit Laufen, Wandern und Fahrradfahren. Dennoch, selbst nach mehr als zwei Jahren zurück in Deutschland, vermissen wir manchmal Kanadas Weite und die Natur und das doch wesentlich entspanntere Arbeitsleben. Die Sehnsucht bleibt.

August 01, 2015

Arbeitslos in Kanada

2009 schlug die Rezession mit voller Wucht in Alberta ein. Diese bedeutete für Sonja zum ersten Mal in ihrem Leben, Arbeitslosigkeit und damit reduzierte sich ihr Einkommen mal eben auf maximal 400$ pro Woche. Roland blieb damals von dem Ganzen verschont und somit war unsere Existenz trotz allem gesichert.

Das Positive an dem Dilemma: Frau meldet sich online auf dem Internet Portal von Service Canada arbeitslos. In den sieben Monaten der Beschäftigungslosigkeit hat Sonja nie ein kanadisches Arbeitsamt von innen gesehen, geschweige denn einen Betreuer, und das Arbeitslosengeld wurde mit jeder weiteren Statusmeldung trotzdem ausgezahlt. Auch die Abmeldung erfolgte im Internet. Davon könnte sich der deutsche Behördenapparat mal eine Scheibe abschneiden, so etwas spart massig Personalkosten...

Während dieser "freien" Zeit wurde mal wieder Inventur gemacht und die Bude ausgemistet. Die daraus resultierenden Verkaufsaktionen hielten dabei nicht nur Sonja auf Trab, während sie zu Hause herum saß, sondern eröffneten auch Möglichkeiten, ein paar Dollar extra zu verdienen.

Was haben wir in dieser Zeit gelernt?
  • Es muss nicht immer Kaviar sein. (oder wie in unserem Falle: Aushäusig essen). Sonja entdeckte das Kochen wieder für sich.
  • Wir wurden Mitglieder bei der regionalen Bücherei und sparten fortan all die Ausgaben für CDs, Bücher und DVDs.
  • Ordnung reduziert die Zeit des Suchens und schafft Raum.
  • Soziale Plattformen wie Facebook, Stayfriends, Twitter etc. kosten viel Zeit, aber verkürzen den Leerlauf der between-jobs (so ein schöner Begriff für Arbeitslosigkeit) Phase.
  • Ausflüge in die umliegende Natur sind durch nichts zu ersetzen. Gleichzeitig löst man sich auch mal wieder von Computer und Mobiltelefon, denn Empfang gibt es in der Wildnis nicht.
Wir sind darüber sicher keine Minimalismus-Jünger geworden, aber da bekannterweise Besitz besitzt, wurde mit jedem verkauften Stück das Leben wieder leichter, sogar mit weniger Einkommen. Nebenbei wurde alles aufgeräumt, optimiert, sortiert: Schränke, Akten, Daten. Roland verbrachte allerdings noch Wochen danach fluchend damit, sich in dieser Neuordnung zurecht zu finden...
    Life is good!

    “Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher. 
    Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. 
    Wenn du ganz loslässt, bist du frei. "
    (Ajahn Chah, theravada-buddhistischer Mönch, 1918 – 1992)

    2006 - Alberta Prairies

    July 26, 2015

    Urlaub vom bisherigen (Arbeits-)Leben

    Kanada ist anders. Und das ist gut so. Denn wo gibt es den Chef, der einen spätestens um fünf Uhr nachmittags nach Hause schickt? Der einen nach Feierabend und am Wochenende nicht mit emails oder Anrufen bombardiert? Den Vorgesetzten, der sich mit einem Handschlag für die geleistete Arbeit bedankt, und das immer wieder? Das Unternehmen, das Arbeitsleistung unaufgefordert mit einer Gehaltserhöhung und einem Sonderbonus bedenkt? In Kanada, bzw. in Alberta haben wir das erlebt. Beim ersten Mal dachten wir noch, da will uns einer auf den Arm nehmen. Prämien? Gutscheine? Das konnte doch nur ein Irrtum sein, fragten wir irritiert. War es aber nicht, bestätigte uns der lachende Boss.

    Ach ja, und wo wurden noch die Steuern gesenkt und ein Überschuss direkt dem Steuerzahler zurück gezahlt? Auch das haben wir 2005 in Alberta erfahren, in Form des Prosperity Bonus, auch Ralph-Bucks genannt. Klar hätte man das Geld auch in Calgary's Infrastruktur stecken können, aber so wurde eben der Konsum angekurbelt, und wir haben niemanden kennen gelernt, der das Geld nicht sofort in Ware umgesetzt hätte (bei uns gab es Winterreifen dafür).

    Jedenfalls war dank entspannter Arbeitsweise und ebenso relaxten Vorgesetzten jeder Feierabend ein bisschen wie Urlaub. Und das musste auch so sein, denn wir hatten anfangs nur zwei Wochen bezahlten Urlaub. Doch wenn man darüber nachdenkt... mehr brauchten wir auch nicht.

    2006 im Kananaskis

    July 18, 2015

    Weniger ist mehr!

    Jeder Umzug ist ein reinigender Prozess. Ballast abwerfen, sich von Besitz befreien. Endlich werden mal die Sachen entsorgt (verkauft, verschenkt, gespendet), für die man schon seit langem keine Verwendung mehr hatte. Bei manchen Dingen erinnert man sich nicht einmal mehr, warum man sie überhaupt gekauft hat. Je öfter man umzieht, desto effizienter wird dieser Prozess, und schließlich kommt einem vielleicht sogar die Idee, einfach von vorn herein weniger zu kaufen und zu besitzen...

    Bei unserem Umzug nach Kanada hatten wir jedenfalls alles, was nicht zu den unzertrennlichen Erinnerungsstücken unseres Lebens gehörte, hinter uns gelassen: Die Wohnung, die Möbel, das Auto, viele Bücher und CDs, Haushaltswaren, Kleidung... und haben festgestellt, dass unsere liebsten und wichtigsten Stücke in ein paar Kartons passten. Und die kamen dann mit!

    In der Tat war es billiger, neue Möbel vor Ort zu beschaffen, als unsere alten Ikea-Freunde nach Kanada zu transportieren. Darüber hinaus brauchten wir ja keine Kleiderschränke mehr, denn die gab es als begehbare Version in jedem Wohnobjekt, genau wie eine mit Elektrogeräten ausgestattete Einbauküche. Bei einer Einbauküche handelt es sich im Übrigen um Küchenmobiliar, welche in der Immobilie verbleibt, wenn man weiter zieht, liebe Deutsche. Außerdem waren die Vorhänge und Fußbodenbeläge ebenso Teil des vorhandenen Inventars wie die Lampen. Wieder etwas, dass man nicht kaufen musste. Umziehen kann ja so einfach sein!

    Als wir im April 2005 unser neues Domizil im Norden Calgary's bezogen, gab es zum Schlafen erst einmal ein Schlafsofa, dazu einen Couchtisch, ein paar Regale für unsere Habseligkeiten und natürlich zur kulturellen Bereicherung... einen Fernseher. Fertig war die neue Einrichtung, Ikea sei Dank! Spartanisch, aber praktisch. (Später wanderte diese "Erstausrüstung" dann ins Gästezimmer.)

    Vermisst haben wir... nichts. Der Wein schmeckte genauso gut aus Wassergläsern und das Bier gab's aus der Flasche (den Öffner dafür, den hatten wir allerdings mitgebracht.).

    So haben wir mit diesem entscheidenden Wohnortwechsel ganz nebenbei den Minimalismus für uns entdeckt.

    2006 Gefrorene Wellen am Ghost Lake, westlich von Cochrane, AB

    July 05, 2015

    Amateur-Vagabunden sind wir

    Der Deutsche an sich scheint ja recht Heimat verbunden zu sein. Die meisten Umzüge finden innerhalb des eigenen Ortes statt, nur jeder zehnte verlässt seine Region, und nur vier Prozent sind schon mal ins Ausland gezogen, so jedenfalls sagt es eine FORSA Studie von 2011 (Quelle: Stern).

    Durchschnittlich ziehen Wessies öfter um als Ossies, Norddeutsche (wie Sonja) öfter als der Rest der Bevölkerung. Die Damen ziehen eher der Liebe wegen um, die Herren wegen der Arbeit. Junge Leute ziehen von zuhause aus und danach in eine größere Wohnung oder in ein Haus, oft wegen zu erwartendem Nachwuchs. Doch im Durchschnitt zieht der Deutsche gerade viermal in seinem ganzen Leben um.

    Wir entsprechen mit (bisher!) elf Umzügen so gar nicht dem Durchschnitt. Allein in der Region waren es locker fünf Mal, dazu vier Umzüge in Kanada und zwei weitere mit der Rückkehr nach DE. Die Motive waren dabei: Umzüge wegen Job und/oder Studium, oder immer wieder von einer Miet- in eine Eigentumswohnung.

    Der Umzug nach Kanada fand völlig außer der Reihe statt. Da wartete kein neuer Job und keine neue Wohnung auf uns. Wir hatten unser Eigentum aufgegeben, alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war und unsere (unbefristeten!) Arbeitsverträge gekündigt. Auch für uns Amateur-Vagabunden ein großer Schritt, der mit viel Herzklopfen und noch mehr Fragezeichen verbunden war.

    Wir fingen tatsächlich noch einmal ganz von vorne an. Und warum?

    in unser'n Herzen brennt eine Sehnsucht,
    die läßt uns nimmermehr in Ruh´.
    (aus dem Lied: Bergvagabunden sind wir)

    2005 Alberta Prairies & Rocky Mountains

    April 18, 2013

    Acht Jahre!

    Es gibt Menschen, die sind voller verpasster Gelegenheiten. Wir wollten nicht zu jenen gehören, die später einmal sagen “Ach, hätten wir doch...”. Kanada ist für uns die Realisierung eines Traums, ein Abenteuer, etwas, dass wir machen wollten, bevor wir zu alt oder krank oder unflexibel für Veränderungen werden. Acht Jahre Kanada. Wo ist nur die Zeit geblieben? 

    Am 18. April 2005 wanderten wir nach Calgary in Alberta ein. Dort waren wir willkommen, fanden schnell Arbeit und neue Freunde. Es gab die Badlands, die Prairies und die Rocky Mountains, einen Haufen Schnee, aber auch viel Sonnenschein. 
    Vor drei Jahren zog es uns dann weiter nach Port Moody in British Columbia. Das Wetter an der pazifischen Westküste ist im Gegensatz zum rauhen Klima in den Prairies vergleichsweise mild, und so tauschten wir Schnee und Kälte gegen wochenlangen Regen ein. Aber kann es etwas Schöneres geben, als die Berge und den Ozean direkt vor der Tür zu haben?
    In Kanada haben wir zu unserer Work-Life Balance gefunden und staunen immer wieder auf's Neue über das, was uns Mutter Natur zu bieten hat. Wir lieben dieses Land, es ist uns zu einer zweiten Heimat geworden.

    Aber nach acht Jahren vermissen wir die Nähe zur Familie und haben Heimweh nach europäischer Kultur und Landschaft. Ja, uns ist bewusst, dass wir ein Luxusproblem haben, oder besser: wir haben die Wahl, denn...

    ... wir ziehen einfach mal wieder um! 


    Bevor wir uns zu einer Rückkehr entschlossen, stand sogar Neuseeland mal zur Diskussion, wurde aber wegen der noch weiteren Entfernung zu Freunden und Familie dann doch wieder verworfen. Denn bei aller Liebe und Bewunderung für die fantastische Gegend, sie ersetzt doch auf Dauer Familie und Freunde nicht.

    So machten wir eine Liste der Länder, die uns auch noch interessieren könnten. Dabei stellten wir fest, dass für uns der gesamte deutsche und englische Sprachraum, sowie Skandinavien oder Holland zum Leben und Arbeiten in Betracht kommen können.


    Dem/der geneigten Leser/in wird vielleicht aufgefallen sein, dass wir im vergangenen Jahr verdächtig oft in Europa waren. Wir wollten ein Gefühl für eine Rückkehr entwickeln, und konnten sagen, es hat sich gut angefühlt.
    Auswanderung - Rückwanderung. Das hört sich doch alles sowieso viel zu entgültig an. Wir nennen es daher Weiterwanderung. 

    Zum Zwecke einer Neuorientierung werden wir erst einmal wieder in unsere alte Heimat umziehen, uns nach geeigneten Arbeitstellen umsehen und überraschen lassen, wohin es uns als nächstes verschlagen wird. 


    Am meisten freuen wir uns schon auf die wieder gewonnene Nähe zur Familie und zu Freunden, auf Straßencafes und Biergärten und auf Ausfahrten mit unseren Vespa’s, auf Museen, historische Architektur und Konzerte und darauf, dass wir innerhalb weniger Flugstunden in eine völlig andere Kultur 'eintauchen' können. 


    Der erste Schritt ist getan: Wir haben unsere Jobs gekündigt!


    Wir sind dann mal weg! Das Ende? Nein, ein neuer Anfang. Denn, so unglaublich es klingen mag, jetzt heißt es: 


    Goodbye, Canada - Hallo, Europa!

    Wer an unserer Auswanderungsgeschichte interessiert ist, ist eingeladen, sich auf eine Zeitreise in das Jahr 2003 begeben, wo alles anfing.

    April 19, 2012

    Unser ganz persönlicher Canada Day

    Am 18. April 2005 kamen wir nach Kanada und... wir sind immer noch hier. Fünf Jahre haben wir in Calgary, Alberta gelebt, gearbeitet und gefroren. Nun haben wir mittlerweile zwei Jahre an der Westküste hinter uns und sagen, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass im Lower Mainland von British Columbia

    ... es im allgemeinen etwas länger dauern kann.
    ... für die meisten Rücksicht und Höflichkeit Fremdwörter zu sein scheinen.
    ... ein etwas anderes Verständnis von Arbeitsmoral und -qualität herrscht.
    ... Baustellen endlos, und für immer und ewig da sind.
    ... es regnet, regnet, regnet.

    Dafür entschädigt die fantastische und immer grüne Landschaft, das gute Essen, die Nähe zum Meer, das kulturelle Angebot und die Temperaturen, und nicht zu vergessen, unsere neu bzw. wieder entdeckte Leidenschaft für das Vespa fahren.


    Ist also alles gar nicht so schlimm! Nebenbei pendelt Roland immer noch zwischen Vancouver und Calgary hin und her, bekommt also von oben genanntem gar nicht viel mit, während Sonja für ihre Company um die halbe Welt jettet und demnächst wohl mal wieder aus Neuseeland berichten wird.

    April 18, 2011

    Sechs Jahre in Kanada

    … und kein bisschen langweilig.



    Mehr als genug Aufregung hatten wir ja bereits im ersten Quartal 2011, als da wäre unser Umzug in unser Appartment mit Ausblick im Januar, die kanadische Staatsbürgerschaft im Februar, eine Tsunami Warnung auf Maui, und mehrere Geschäftsreisen in die USA im März.

    Und auch jetzt geht es für uns spannend weiter. Wir haben uns zwei Vespa Scooter zugelegt, es liegen weitere Dienst- und Vergnügungsreisen in die USA an, darunter auch zwei grössere Motorradtouren, und wir bekommen einiges an Besuch, dem wir die Schönheit der pazifischen Westküste Kanada's näher bringen dürfen.


    Life is good!

    April 19, 2007

    Zwei Jahre Ferien

    Das stimmt so natürlich nicht ganz, denn Urlaub ist ja genau das, wovon wir hier in Kanada viel zu wenig haben, aber der Titel passte irgendwie doch, denn wir fühlen uns manchmal wirklich, als wären wir in Dauerferien!
    Zwei Jahre sind wir jetzt schon hier, und immer noch haben wir den Eindruck, dass Kanada es gut mit uns meint. Wir sind mittlerweile in unsere Eigentumswohnung gezogen, die in der Zwischenzeit einen satten Wertgewinn erfahren hat, haben uns ein neues Auto zugelegt, kommen im Normalfall immer noch stressfrei von der Arbeit nach hause, müssen nur in extremen Ausnahmefällen am Wochenende arbeiten... Was will man mehr?
    Na ja, vielleicht mehr Wasser in Form von Meer oder Seen in der Nähe, aber wir sind nun einmal in Alberta, und hier gibt’s nun einmal mehr Öl als Wasser. Also können wir ein wenig weiter träumen: von einem Haus auf Vancouver Island!

    Sonja hat zu unserem anniversary mal wieder eine kleine Diaschau zusammengestellt. Kuckst Du
    hier! Viel Spass!

    April 19, 2006

    Happy Anniversary: unser erstes Jahr!

    Heute vor einem Jahr sind wir in Calgary angekommen! Wie unglaublich schnell die Zeit vergeht... Hier ist ein kleines Resumé unserer ersten zwölf Monate:
     
    Nach langen Jahren unermüdlichen Schaffens in Deutschland hatten wir uns (zugegebenermaßen etwas blauäugig) vorgestellt, nach unserer Ankunft in Kanada erst einmal ein paar Monate Ferien zu machen. Tatsächlich haben wir einen Großteil dieser Zeit dann mit der Anmeldung bei Ämtern, Versicherungen usw. und mit der umfassenden Marktstudie 'Möbel- und Autokauf in Calgary' (Spart Euch die Zeit, geht zu IKEA und TOYOTA!) verbracht. Allerdings haben wir uns intensive Tagesausflüge ins Umland, in die Badlands, ins Kananaskis Country, die Rockies und nach Edmonton gegönnt.
    Nachdem dann der Juni 2005 sprichwörtlich ins Wasser gefallen war und uns die Erwerbslosigkeit langsam nervös machte (schließlich gaben wir ja dauernd Geld aus und es kam nichts mehr nach…), haben wir uns dem kanadischen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Dieser hat uns zwar anfangs zögerlich, aber letztendlich doch willig aufgenommen. Dank Fachkräftemangels in der ganzen Provinz bekamen auch wir Greenhorns ohne kanadische Berufserfahrung unsere Chance!
     
    Als Neuankömmlinge in Alberta mussten wir natürlich die Stampede in standesgemäßer Ausrüstung mitmachen. Obwohl wir uns nie wirklich für den rheinischen Karneval begeistern konnten, hat uns der Western-Karneval viel Spaß gemacht. Hier wird man uns sicher noch öfters antreffen.
     
    Seit Arbeitsbeginn hat uns schließlich die Routine wieder, mit der Ausnahme, dass wir hier eine gelebte 40-Stunden-Woche haben, das Geld alle zwei Wochen fließt und Projektplanung oder die Einhaltung von Deadlines eine Fiktion ist. Urlaub haben wir bisher noch nicht gehabt (bis auf zwei Tage um Ostern), denn unsere Stippvisite in Deutschland zur Hochzeit von Sonjas Schwester konnte man nicht wirklich als Erholung bezeichnen. Schließlich bekamen wir in den 7 Tagen maximal 20 Stunden Schlaf… aber wer braucht den schon Urlaub… in der Tat gibt es Kollegen, die schon seit Jahren keine Ferien mehr gemacht haben und sich die Tage lieber ausbezahlen lassen.
     
    Einen festen Platz in unserer Freizeitgestaltung haben unsere neuen Freunde Jane und Pam und die Treffen mit anderen Einwanderern, zum Beispiel mit Norbert's und Sylvia's Expat-Truppe http://ca.groups.yahoo.com/group/DeutscheInCalgary/. Darüberhinaus gilt es bei den regelmäßigen Treffen mit unseren multi-kulturellen Kollegen- und Bekanntenkreis immer wieder, unseren kulinarischen Horizont (letztlich: gegrillter Spargel!) zu erweitern. Die Wochenenden verbringen wir oft in den Bergen, in denen wir unseren neuen Hobbies Wandern, Naturkunde und - sofern Schnee vorhanden - Cross Country Skilaufen nachgehen.
     
    Nach fast einem Jahr Kanada gehören zu unseren besten Erfahrungen:
    - die einfache Integration
    - das stressfreie Leben
    - Natur und Wildlife vor der Tür
    - die Wertschätzung deutscher Ausbildung und europäischer Arbeitserfahrung
    - die Entdeckung der 40-h-Woche (und wir meinen v i e r z i g!)
    - das Shopping am Sonntag
    - Langlaufski und Hundeschlittentour
     
    Negative Eindrücke gab es natürlich auch:
    - Keine Kreditwürdigkeit für Neueinwanderer
    - Hoher Kfz-Versicherungs-Einsteigertarif
    - Niedriges Umweltbewusstsein
    - Extrem schlechte Autofahrer (und in jedem Deutschen steckt ein Verkehrserzieher…)
    - Nachrichten auf Boulevard-Zeitungs-Niveau (und wir streamen uns die Tagesschau…)
     
    Das Leben in Kanada ist für uns, was die Franzosen unter ihrem Savoir Vivre verstehen. Hier kommt der Wein aus dem Okanagan Valley, das Baguette vom Safeway, und die Kanadier lieben es relaxt. Die Anpassung an das kanadische Leben ist uns nicht sehr schwer gefallen, auch wenn wir schon mal über unsere technologische Zeitreise in die 60er lästern oder über unsere deutsche Vorstellung von Qualität stolpern. Deutsche Technik und Qualität ist eben kaum zu toppen ;-) Für den Alltag und den eigenen Seelenfrieden haben wir uns daher schnell die Grundsätze kanadischer Gelassenheit angeeignet: Geduld und Rücksicht, dazu noch eine gewogene Mischung aus den Zutaten Improvisation, Investition, oder auch mal Ignoranz.
     
    Unser Fazit: Bisher haben wir es nicht bereut. Allein der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden fehlt doch manchmal. So etwas kann man auch durch Internet und regelmäßige Telefongespräche nicht ersetzen. Aber dieses Jahr dürfen wir ja bereits die ersten Besucher in unserer neuen Heimat begrüßen! Besonders freuen wir uns schon auf die mitgebrachten Care-Pakete, vor allem aber auf Mom's Kochkunst.