Minus 18°C und Schneeverwehungen führen auch im wintererprobten Calgary zu kilometerlangen Staus, was uns nach der Arbeit dazu veranlasst hat, zunächst ein Fastfood-Restaurant (zwecks Nahrungsaufnahme und zum Aufwärmen ins A&W, eine kanadische Hamburger-Kette mit VIIIIIIEEEEL besseren Hamburgern als bei McDoof) und danach ein Shopping-Center (wieder zum Aufwärmen) aufzusuchen, statt uns sinnlos in das Verkehrchaos einzureihen. Die Geschäfte waren so leer, dass auf einen Kunden mindestens drei Verkäufer kamen… Eine Stunde später hatten wir dann freie Bahn und Gelegenheit, unserem neuen Lieblingsspiel nachzugehen, nämlich die wegen der Kälte liegen gebliebenen Stauverursacher zu zählen, Domestic Makes (GMCs, Ford, Dodge, Buick, Chrysler) gegen Ausländer (VW, BMWs, Toyota, Volvo). Gestern endete das Spiel 6:1 für die Einheimischen, heute 4:0.
Unser Toyota ist trotz Minustemperaturen ohne Mullen und Knullen angesprungen und hat sich auf seinen Allwetterreifen als spurtauglich erwiesen.
Übrigens wird es in Kanada vorgezogene Neuwahlen geben, nachdem die jetzige Regierung ein Misstrauensvotum verloren hat. Ministerpräsident Paul Martin ist über einen Korruptionsskandal seiner Mitarbeiter gestolpert und hat die Vertreterin unserer Königin darüber informiert, dass am 23. Januar Neuwahlen statt finden sollen. Man erwartet, dass die Liberalen als Minderheitsregierung wieder gewählt werden.
In Montréal findet momentan der Weltklimagipfel statt. Allerdings hat beispielsweise keiner von Sonjas KollegInnen schon mal etwas vom Kyoto-Abkommen gehört. Es wird auch so gut wie gar nicht in den Medien vom Gipfel berichtet. Kein Wunder, denn Kanada ist auf Platz 8 der Umweltsünder-Rangliste. 30 Millionen Kanadier verbrauchen doppelt so viel Energie wie 60 Millionen Franzosen! Dazu passt, dass in unserer Straße jeden Morgen dutzende Autos minutenlang warm laufen, per Fernbedienung angestellt aus der warmen Wohnung. Theoretisch könnte man den Wagen ja in die warme Garage stellen, aber die ist voll mit dem Pröll, der beim letzten Garage Sale erstanden wurde...
Darüber hinaus dürften die Stromkosten zur Unterhaltung der Weihnachtsbeleuchtung am typischen kanadischen Haus den Staatshaushalt Liechtensteins übersteigen. Da werden kilometerlange, blinkende Lichterketten ums Haus gewickelt und aus Lichterketten geformte Rehe in den Vorgarten gestellt... Und der eigentlich sonst sehr angenehme lokale Radiosender "the Breeze", der uns sonst mit Easy Listening-Jazz versorgt, terrorisiert uns seit Tagen nur noch Weihnachtsmusik. Wir sind gespannt, was im konsumwütigen Kanada bis Heiligabend noch auf uns zukommen wird...

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