Letztes Wochenende haben wir unsere Vespas erstmalig auf eine mehrtägige Reise ausgeführt. Anlass was - neben einem montäglichen Feiertag und einer grossartig aussehenden Wettervorhersage - ein Konzert mit Bela Fleck und Bruce Hornsby auf dem Ste. Michelle-Weingut in Woodinville nahe Seattle. Roland hatte ein Kurhotel in Kirkland am Lake Washington gebucht.
Um 5 Uhr am Samstagmorgen ging der Wecker, um 6 waren wir auf der Strasse und um halb acht hatten wir bereits die amerikanische Grenze passiert, an der sich um diese Zeit bereits ein stundenlanger Rückstau gebildet hatte. Nach einem ausgiebigen Frühstück in Bellingham fuhren wir anschliessend den Chuckanut-Drive, einer der wohl schönsten Küstenstrassen Washingtons entlang in Richtung Whidbey Island, einer der vorgelagerten Pazifik-Inseln. Leider waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee, und so fanden wir uns zu unserer Überraschung in autobahnähnlichem Verkehr wieder, dem wir auch nicht entkommen konnten, da es eigentlich nur eine befahrbare Strasse auf dieser Insel in Richtung Seattle gibt. Mittlerweile hatte sich die Temperatur auch auf 12 Grad abgekühlt(!), sodass uns zwischendurch tatsächlich etwas frisch wurde auf unseren Wespen.
Nichtsdestotrotz erreichten wir kurz nach Mittag die Fähre von Clinton nach Mukilteo, das sich wieder auf dem Festland befindet. Von dort war es dann nur noch ein Katzensprung zum Hotel in Kirkland.
Das Kurhotel selbst machte einen durchaus edlen Eindruck, und da bei unserer Ankunft auch noch eine Hochzeit statt fand, waren wir zunächst gar nicht so sicher, ob wir mit unserem Biker-Outfit überhaupt willkommen sein würden. Jegliche Zweifel wurden aber schnell zerstreut, denn der Rezeptionist wusste zu berichten, dass seine Mutter selbst eine 150er Vespa fahren würde. Wir bekamen sogar Motorradparkplätze in der Tiefgarage zugewiesen und wussten Bella und Paolo deshalb in Sicherheit.Nach einem kurzen Mittagspäusschen fuhren wir dann die kurze Strecke zum Ste-Michelle-Weingut, wo das Konzert statt finden sollte. Nach einem kurzen Abendmahl in der benachbarten Brauerei (Bratwurst im Brötchen mit Sauerkraut!) waren wir dann auch gerade rechtzeitig zum Konzertbeginn mit Bela Fleck and the Original Flecktones da. Jazz vom feinsten, mit einer sehr ungewöhnlichen Besetzung: Banjo, Piano, Bass und der berühmte Futureman mit den seltsamsten Schlaginstrumenten. Machmal ein bisschen (zu) schräg, aber immer absolut mitreissend! Nach kurzer Pause dann der Topact: Bruce Hornsby and the Noisemakers, ein wunderbares Konzert voller Spontanität; leider ein bisschen kurz, aber da Roland's Lieblingslied ("White Wheeled Limousine") gespielt wurde, war er glücklich. Bela Fleck mit seinem Banjo kam auch mehrfach auf die Bühne, und es ist schon beeindruckend, wie gut Pianist Hornsby und Fleck miteinander harmonieren. Leider war fotografieren nicht erlaubt, deshalb haben wir kein Fotodokument...

Der nächste Tag begann mit durchwachsenem Wetter, trotzdem machten wir uns nach einem hervorragenden Frühstück im Kurhotel auf zu einer kleinen Tour durch das Hinterland von Seattle. Die zufällig ausgewählte Route führte uns durch Twin Peaks (das natürlich gar nicht exististiert, aber der Ort North Bend, wo die Serie gedreht wurde) und durch Bellevue, wo Roland's ehemaliger Mitschüler Detlef Schrempf heute lebt (hat Roland übrigens jemals erwähnt, dass er zu Schulzeiten gegen Schrempf Basketball gespielt hat?). Das Wetter wurde immer schöner, und deshalb verbrachten wir den Nachmittag am Seeufer des Kurhotels mit ein paar leckeren Cocktails und amerikanischem Stärkungsfutter (Burger). Erholung vor einer strapaziösen Tour zurück nach Kanada...
Am Montag morgen ging der Wecker um sechs, und um viertel vor sieben waren wir schon wieder unterwegs. In den USA war kein Feiertag, und so versuchten wir, dem Berufsverkehr zu entgehen, in dem wir uns nach Möglichkeit auf Nebenstrassen aufhielten. Das funktionierte auch eigentlich ganz gut, aber da es in den Staaten keine ordentlichen Strassenschilder gibt (statt in Richtung von Orten zu zeigen, zeigen sie maximal in Richtung anderer Strassen) verfuhren wir uns leider mehrfach. Das mitgeführte GPS war auch nicht wirklich hilfreich, weil es immer nach dem schnellsten Weg, und damit Hauptstrassen suchte. Wir verloren einige Stunden auf diese Weise, was aber nicht wirklich schlimm war, denn die Strecken waren allesamt wunderschön.
Trotz der Probleme des letzten Tags war es eine wunderbare Tour! Wir wurden von allen Seiten angesprochen auf unsere Wespen, die gerade in ländlichen Gebieten noch völlig unbekannt sind. "Können die denn auf der Autobahn fahren?" - " Wie viele Kubik haben die denn?" - "Wenn ich gross bin, werde ich auch Motorrad fahren, aber ein cooles!". Bella muss jetzt erst mal in die Werkstatt, aber danach sind wir wieder bereit für weitere Abenteuer!Wer will, kann auf Sonja's Blog noch weitere Bilder sehen!
No comments:
Post a Comment