Was Herr Schopenhauer da so wortreich erklärt, meint, dass ein einfältiger Mensch aus Mangel an eigenen Qualitäten auf Nationalstolz zurück greift, weil er sonst nichts hat.
Die meisten Deutschen werden bei diesem Wort (immer noch) zusammen zucken. Wir sind da keine Ausnahme. Wie soll man auch auf etwas stolz sein, auf das man so keinen Einfluss hatte: die Geburt.
Wir sind uns der schrecklichen Taten unserer Groß- und Urgroßeltern bewusst und übernehmen die Verantwortung dafür, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Und gerade deswegen gehen wir mit dem vom Nazi-Regime instrumentalisierten Wort Nationalstolz sehr vorsichtig um.
Doch es gibt Dinge in Deutschland, auf die wir stolz, oder besser: über die wir glücklich sein können: Wir sind in einem wohlhabenden Land aufgewachsen und haben eine hervorragende Schul- und Ausbildung genossen, die uns keine - damals noch - D-Mark gekostet hat. Wir wurden weltoffen, tolerant und demokratisch erzogen und haben Krieg, Terrorismus und Extremismus nie kennen gelernt. Wir haben die Wiedervereinigung miterlebt, den Euro willkommen geheißen und bei den Fußballweltmeisterschaften der deutschen Mannschaft zugejubelt.
Unser Erscheinungsbild im Ausland hat seit langem nur noch verschwindend wenig mit dem 2. Weltkrieg zu tun. Deutschland spielt eine wichtige Rolle in dieser Welt, sei es politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, sportlich oder kulturell. So überrascht es auch nicht wirklich, dass Deutschland in einer BBC-Studie zum angesehensten Land der Welt gewählt wurde. Darauf können wir alle in der Tat stolz sein, denn wir alle haben - jeder zu einem kleinen Teil - dazu beigetragen.
Und wie sehen uns die Kanadier? Ein Hoch auf die Klischees! Neben der Tatsache, dass wir alle humorlose, biertrinkende, Bratwurst essende Vereinsmeier sind, die mit 300km/h über die Autobahn fegen, haftet uns gleichermaßen das Klischee des zuverlässigen, pünktlichen, ordnungsliebenden, pflichtbewussten Arbeitstieres an. Mit anderen Worten: Du bist Deutsche(r)? Dann hast Du den Job! Und tatsächlich war es so bei uns. (Sonja hat diese Erfahrung sogar gleich dreimal gemacht.) Ja, so einfach kann der Bewerbungsprozess sein.
| 2006 - Alberta Prairies |
Wobei man ja auch leider sagen muss, dass man in den USA und Kanada auch imernoch sehr häufig auf das Thema 3. Reich angesprochen wird. Die meinen es ja i.d.R. gar nicht böse, aber ich habe denen dann immer verklickert, dass ich es auch langsam nicht mehr hören kann ;-) .
ReplyDeleteAbgesehen davon ist es wohl schon so, dass die Außenwirkung von Deutschland sich inzwischen zum positiven geändert hat!
Nationalstolz muss das Nachkriegsdeutschland selber aber erst noch lernen. :-)
Hallo, Basti! Danke für Deinen Kommentar. Da sagst Du was... Roland ist einmal morgens mal mit "Heil..." begrüßt worden. Die Kollegen fanden das nur total lustig, wir waren entsetzt! Aber in unserem Freundeskreis drüben, war eher die deutsche Einheit interessanter als das 3. Reich.
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