6.9. Wenn man auf dem Mopped unterwegs ist, steht frau um 7 Uhr auf, damit sie um 9 Uhr reisefertig ist. Das Gepäck will wieder optimiert und verstaut und das Bike auf Reifendruck und Kettenspannung überprüft werden. An der Rezeption gibt es noch eine kleine Verzögerung, weil man einen Voucher für die Buchung haben will. Im Internet-Zeitalter ein Stück Papier? Ich habe denen dann meine Reisebestätigung ge-emailt. Sollen die das selbst mit der TUI klären... Voucher? Wo man sogar Flugtickets auf dem Mobiltelefon zeigt...
Etwa 10km von der Stadt entfernt ist bereits wieder ein Halt angesagt: Die Montmorency Falls. Mit 83m die höchsten Wasserfälle Quebecs, und 30m höher als die Niagara Fälle. Obwohl ich ja Wasserfälle eher im natürlichen Zustand bevorzuge, bin ich diesmal froh um die Logistik. Stadtnah und direkt an der Autobahn gelegen, mit Seilbahn und angelegten Wegen. Ich löhne die 8$ Parkgebühren, lasse Jacke und Helm am Mopped und trabe schnurstracks zur Gondelbahn, die vom Parkplatz auf das Kliff führt.
Es gibt zwar auch einen Fußweg mit Treppe, aber da ich nicht den halben Tag hier verbringen will, und ich meine Energie noch für das Motorradfahren brauche, nehme ich für 16$ hin und her die bequeme Variante in Anspruch. Obwohl Feiertag ist, ist es noch erfreulich leer, und ich kann sofort in die Gondel. Oben angekommen bringt mich ein kleiner Spaziergang zum ehemaligen Sommerhaus des Duke of Kent, dem Manoir Montmorency, welches schon von weitem Touristenfalle schreit. Ich lasse es also links liegen und begebe mich über Holzstege an und - per Hängebrücke - über die Fälle.
Über dem tosenden Abgrund erwartet mich ein wunderbarer Ausblick. Im Hintergrund ist die 1934 erbaute Brücke nach Ile d'Orléans zu sehen. Mit 4.4km spannt sie über den St. Lorenz Strom. Gemessen an ihrer Gesamtlänge ist die die längste Hängebrücke in Kanada.
Inzwischen sind auch die ersten Busladungen asiatischer Touristen eingetroffen und es ist Zeit für mich, weiter zu ziehen. Die Gondel nach unten ist zu dieser Zeit fast leer, da die meisten hier den ganzen Tag verbringen.
Am Parkausgang nehme ich noch den touristisch vernachlässigten Brautschleier-Fall für einen Schnappschuss mit.
Nur wenige Kilometer, nachdem ich Quebec City verlassen habe, wird es schon ländlich und der Verkehr immer weniger (Baustellen gibt es allerdings immer noch). Jetzt kommt so langsam Cruiser-Feeling auf. Mit gemütlichen 80 km/h folge ich dem St. Lorenzstrom abwärts. Jedes Mal, wenn ich mich wieder dem Wasser nähere, wird es abrupt kühler. Da ich nicht bei jedem schlagartigen Temperaturwechsel die Klamotten wechseln will, entscheide ich mich, das Innenfutter aus der Motorradjacke zu nehmen und dafür eine Fleece-Jacke anzuziehen, welche etwas winddurchlässiger ist. Das klappt gut.
In La Malbaie mache ich bei Vege-Sandwich, Suppe und Kaffee Mittagspause. Ich bin immer noch etwas angeschlagen von meinem Schnupfen und fühle mich erschöpft.
Auf einer Parkbank mit Blick auf den Strom, der inzwischen Ozean-Charakter angenommen hat (es riecht nach Meer!) lege ich dann ein Nickerchen ein und bin nach einer halben Stunde wieder fit für den Rest der Tagesetappe.
Gerade rechtzeitig komme ich bei der Fähre von Baie St. Catherine nach Tadoussac an, die über den Saguenay Fjord führt. Eine Truppe Harley Fahrer, mit der ich ins Gespräch komme, wundert sich darüber, dass man auch allein (als Frau) unterwegs sein kann. Hier oben scheint das Motorradfahren noch eine Männerdomäne zu sein.
Eigentlich wollte ich in Tadoussac übernachten, aber hier ist der sprichwörtliche Bär los. Irgendein Veteranen-Treffen. Zu viel Trubel für meinen Geschmack. Bei der Tourist Information macht man mir wenig Hoffnung auf ein freies Zimmer, und so fahre ich noch ein Stück weiter.
An einer vorsintflutlichen Tanksäule (ohne Kreditkarte... das es sowas noch gibt) gebe ich der Honda den besten Stoff, der dort zu haben ist, und frage nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe. Die Pächterin empfahl mir das La Croisière Motel in Grandes-Bergeronnes und ich bekam dort das letzte freie Zimmer. Na also, geht doch!
Ich werfe mein Gepäck ab und mache mich auf, den den lokalen Supermarkt zu erobern. Eigentlich habe ich keinen großen Hunger, aber als ich mit dem Einkauf fertig bin, sind Soja-Joghurt, Reiskräcker, Hummus und Quark zum Dippen, Melone und Banane im Einkaufskorb, die sich samt Getränken sodann in meinem Kofferraum verlieren... (Es hätte auch ein Wochenendeinkauf bei Aldi hinein gepasst.)
An einem kleinen Jachthafen parke ich mal wieder, wo man eigentlich nicht darf (aber es war eh keine Menschenseele hier) und verbringe mein Abendessen in Ruhe mit Blick auf Black Betty und über den Strom. Eine bessere Perspektive kann es kaum geben...
| Ich foto-bombe mein eigenes Bild |
Die Honda fährt bisher ohne Mullen und Knullen, mit nur geringem Luftdruckverlust nach bisher etwas über 600km. Die Windschutzscheibe hat sich im besonderen als Fliegenfänger bewährt. Betty's Fahreigenschaften sind die eines typischen Cruisers, aber das bin ich ja von der Sportster gewohnt. Allein der Durst der Dame irritiert mich etwas, fast 6l auf 100km... das darf noch etwas besser werden.

Aber wenigstens scheint der Wasserfall immer in Betrieb zu sein, nicht wie der Lichtenhainer Wasserfall...
ReplyDeleteAls Frau alleine auf dem Motorrad unterwegs, insbesondere wenn sie nicht in heimatlicher Umgebung sich bewegt, erregt immer Aufsehen. Auch hierzulande ist das noch nicht überall ein üblicher Anblick.
Stimmt wohl. Außer mir habe ich auch noch keine weitere allein reisende Dame angetroffen. Die selbst oder mit reitenden Ladies (meist auf Harleys) waren alle als Paare oder in gemischten größeren Gruppen unterwegs.
Deletedas sw-Foto des Motorrads sieht super aus!
ReplyDeleteDie Wasserfaelle sind sehr schoen, und die "Brautschleier"-Faelle gibts namentlich ja gefuehlt an jeder 2. Ecke in Kanada *lach*. Genau wie die asiatischen Touristen an den Highlights.
danke fuers mitnehmen :-)
Ich glaube in BC gibt's den entlang der Sea-to-Sky Route und die Niagara-Fälle haben auch einen Nebenfall des gleichen Namens... nicht sehr einfallsreich.
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