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September 13, 2015

Folge dem Seestern

12.9. Zwischen Frust und Belustigung: Ich habe auf den Übernachtungspreis einen Seniorenrabatt von 10% bekommen, weil ich ÜFU bin. Das waren mal eben 12$. Dafür kann ich mir dann - wie meine Schwester so treffend auf Whatsapp bemerkte - einen Senioren-Teller leisten. Gut das ich weiß, dass es so etwas gibt, in Zukunft werde ich nun immer danach fragen...


Noch ein Abschiedsfoto beim Fisch und dann verlasse ich Campbellton mit dem Ziel, vor 12 Uhr in Bathurst beim Honda Vertragshändler einzutreffen. Viertel vor 12 angekommen teilt man mir mit, dass die Motorrad-Mechaniker samstags nicht arbeiten und die Auto-Mechaniker gerade Feierabend machen. "Toller" Service. Mein Auspuff-Problem wird also an diesem Wochenende nicht gelöst werden können. Nichtsdestotrotz kaufe ich noch einen Liter Öl für meine Betty. Das werde ich bestimmt noch brauchen.


Ich konzentriere mich also wieder auf das Wesentliche, meine Tour, und entdecke am Straßenrand ein Schild mit Seestern, der die Scenic Route an der akadischen Küste markiert.


Akadier nennt man die frankophone Bevölkerung der Atlantikprovinzen. In New Brunswick haben etwa 1/3 der Einwohner akadische Vorfahren. Ihre Geschichte ist über 400 Jahre alt und von Besetzung, Vertreibung und Neubesiedelung geprägt, was sich vor allem in ihrer Musik und Literatur widerspiegelt. Im Sommer gibt es viel Festivals mit Gesang, Tanz und Handwerkskunst. Leider bin ich dafür zu spät dran.


Die Akadier sind heute mehr denn je stolz auf ihre Herkunft und zeigen das auch gern in den traditionellen Farben. Doch - hier sind sie ganz Kanadier - die meisten wachsen zweisprachig auf und können auch ganz gut Englisch. Für mich eine erhebliche Erleichterung in der täglichen Kommunikation. Endlich ist wieder Smalltalk möglich.


Weiter geht es am Wasser entlang, immer dem Salzgeruch nach. Obwohl Wochenende, habe ich die Straßen für mich allein. Auch hier scheint nach dem Labour Day die Saison beendet zu sein, viele Touristeninformationen und lokale Museen sind geschlossen.


Abwechselnd geht es mal direkt an der Küste entlang, durch Marschland und durch dichten Wald. Gerade im Wald wird vor Moose-Crossing gewarnt. Ich cruise mit gemütlichen 80 km/h (90 km/h sind erlaubt) daher und habe das Glück, keinen Elch vor die Scheinwerfer zu bekommen. Das kann meinetwegen auch so bleiben. Immer mal wieder fahre ich an toten Kleintieren vorbei... Bei Stinktieren heißt es, unbedingt dem Kadaver ausweichen und die Luft anhalten, den Gestank riecht man noch meilenweit.


Das Marschland mit seinen typischen Gerüchen erinnert mich immer mal wieder an Meck-Pomm. (Nur, dass es in Meck-Pomm längst nicht so leer ist wie hier...).


Ich reite noch ein Stück dem Seestern nach, der mich auf die Miscou Insel bringt. Am dortigen Strand parke ich die Shadow ab und mache einen Strandspaziergang. Auch der Strand gehört mir allein! Nachdem ich genügend Ozeanluft getankt habe, geht es wieder Richtung Osten zu meinem Etappenziel Miramichi.


Das dortige Motel ist mir ein wenig zu weit ab vom Schuss, also buche ich die Nacht in der Econo Lodge, die im Stadtkern, nicht weit vom Miramichi River entfernt, liegt. Und wie immer werden zunächst Ausrüstung ge- und Mopped verpflegt, bevor ich mich selbst pflege.


Wie mein Glück es will, liegt Sobey's, eine große kanadische Supermarktkette, nicht mal fünf Minuten entfernt und somit wäre mein Abendessen gesichert. Es gibt Sushi, Obst, Ziegenkäse und zum Nachtisch ein Snickers. Alles ist ein bißchen größer hier:

die Obst- und Gemüseabteilung
die Fleisch-Theke
eine Reihe nur für Chips (die andere Seite ist auch voll)

Mit meinen Einkäufen mache ich mir es auf dem Pier in der Nähe der Richie Wharf gemütlich, wo heute Country Life-Musik gespielt wird und genieße mein Abendessen im Abendlicht. Wie ein Tramp sitze ich auf meiner Jacke, lasse die Füße ins Wasser baumeln, die Plastiktüten von Sobey's liegen neben mir und das Essen auf dem Schoß. Manchmal sind es die einfachen Dinge, die am schönsten sind.

Sushi am Abend

7 comments:

  1. Oh ja, doch, die einfachsten Dinge sind oft die schönsten! Da hast Du recht, da sollte man sich öfter mal drauf besinnen.
    Das hört sich nach einem absoluten Traum an, tolle Landschaft, schöne Straßen - und alles für sich alleine!

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    1. Das ist wirklich schon ein kleines Abenteuer (und dafür muss es gar nicht in die Pampa gehen...)

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  2. Ah - jetzt hab ich die Berichte endlich gefunden ;-).
    Sushi am Abend - verflixt, nun habe ich Appetit bekommen!
    Der Blick auf das Wasser und Essen "aus der Hand" - für mich Urlaubsfeeling total ...

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  3. was fuer ein wunderschoener Leuchtturm *schmacht*

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    1. Vielleicht "gewinnt" der Gatte ja mal einen Business-Trip in diese Richtung...

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    2. zweimal gings ja schon nach Montreal, aber da waren keine bezahlbaren Fluege mehr fuer uns verfuegbar. Ist ja immer recht kurzfristig, manchmal nur 2 Tage Vorlaufzeit. Nun warten wir auf naechstes Fruehjahr. :-)

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