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September 07, 2015

Nächster Halt: Quebec City

5.9. Nachdem ich am Vorabend schon einmal den Kofferraum gepackt hatte (Packtasche kann man das Sissy Bar Monster wohl nicht nennen), stellte ich fest, dass ich immer noch Unmengen Platz hatte, d.h. es ist Stauraum für Souvenirs! Alles, was schwer oder sperrig war, wurden in den Seitentaschen (Werkzeug, Mini Kompressor, Laptop u.a.) verstaut. Andere Kleinigkeiten kamen in die überaus praktischen Außentaschen der Sissy Bar Tasche. Jetzt muss ich mir nur noch merken können, wo ich was untergebracht hatte...


In die auf dem Soziussitz fest verschnürte Rolltasche kam mein "Kühlschrank", der Kosmetikbeutel und der Selfie Stick (irgendwie ist mir immer noch ein wenig peinlich, damit 'rumzulaufen...).

Die Nacht zum 5. September wurde kurz. Ich konnte kaum schlafen, weil mich immer noch die Erkältung quälte, aber in erster Linie, weil ich einfach aufgeregt war, dass mein erster großer Solo-Tripp starten würde. Also stand ich um 7 Uhr auf, machte mich fertig und versuchte, ein kleines Frühstück (Cornflakes mit Reismilch und Pfefferminztee, um den Magen zu beruhigen) herunter zu bringen. Die Kette war geschmiert, und David, der von meinem Rumoren wach geworden war, prüfte noch einmal den Reifendruck.


Zuguterletzt ließ es sich mein Freund nicht nehmen, mich noch auf den richtigen Weg zu schicken und fuhr mit seiner Vespa voran. An der Rampe zum Highway 40 trennten sich dann unsere Wege und ich setzte Kurs auf Quebec City. Normalerweise beträgt die Entfernung etwa 280km, das wären etwa drei Stunden Fahrzeit, aber auf dem Motorrad verlängern sich solche Strecken magisch. Es wurden über 350km und ich war sechs Stunden im Sattel. Wie konnte das den passieren? Nun, erst einmal musste ich aus Montreal heraus kommen, dafür stand ich wegen des Verkehrsaufkommens zum langen Wochenende zweimal im Stau und konnte dabei prima mein Kupplungsspiel verbessern und mich an die Balance der Honda gewöhnen.

Pause!

Überall gab es Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen, und mehr als 100km/h darf man hier ja eh nicht fahren. So verging die Zeit.


Nach einem Tankstopp bei Trios Rivières entschloss ich mich dann, den Highway zu verlassen und auf Nebenstraßen am St. Lorenz Strom entlang zu fahren und stand erstmal wieder im Stau... es schien, als wenn andere Verkehrsteilnehmer die gleiche Idee hatten. Motorräder, Trikes und andere sonderbare Dreiräder in Massen. Kaum eine(r) trug Sicherheitskleidung (außer dem obligatorischen Helm), alle waren sie typische Schönwetterfahrer, keiner hatte Gepäck dabei.


Ich folgte den sanften Kurven der 138 vorbei an pittoresken Städchen mit kleinen Kirchen, viel katholisches Volk hier. Gegen drei war ich dann am Chateau Bellevue im Herzen von alt Quebec angekommen und habe dabei wahrscheinlich das Gesetz gebrochen, denn Motorrädern ist die Ein- und Durchfahrt innerhalb der Stadtmauern verboten, aber ich musste ja irgendwie dorthin kommen, nicht?


Leider war mein Zimmer noch nicht fertig, also verbrachte ich eine 3/4 Stunde bei freiem Kaffee und Saft in der Lobby.



Ich parkte inzwischen mein Mopped ab (es gab einen geheimen Parkplatz für 19$ im Schuppen gegenüber) und lud mein Gepäck ab.


Mein Raum war so riesig, da hätten auch vier drin übernachten können.


Gut, dass ich vorgebucht hatte, denn in der Stadt war die Hölle los, langes Wochenende, irgendein Festival und werweißwasnoch. Ich machte mich stadtfein und wanderte los. Quebec City thront auf einem Felsen (Kap Diamant) über dem St. Lorenz Strom und wurde bereits 1608 gegründet, ist also für nordamerikanische Verhältnisse verdammt alt.


Außerdem handelt es sich um die einzige durch Stadtmauern befestigte Ansiedlung Nordamerikas. Architektonisch erinnert sie - wie ich finde ein bisschen an die Bretagne.

Chateau Frontenac
Die glückliche Karotte, mein Bio-Laden

Es gab Straßenkünstler, Maler, fliegende Händler und Menschenmassen. Ich suchte einen Bioladen auf, um Vorräte für unterwegs aufzustocken und machte mich dann auf, die Nebenstraßen und Gassen in näheren Augenschein zu nehmen.


Und schon waren die Massen nicht mehr zu sehen... ich wanderte hin und her, kreuz und quer und drumherum. Irgendwann war ich am Fuße des Kaps angekommen und musste natürlich irgendwie wieder da hinauf.


Der nächste Aufstieg war dann auch nur ein paar Kilometer entfernt und dann erklomm ich anfangs noch enthusiastisch, später japsend den Gipfel. Keine Ahnung wie viele Stufen das waren... bei 200 habe ich aufgehört zu zählen und war noch nicht mal halb oben.


Jedenfalls hatte ich mir nach dieser Fitnessübung ein Luxus-Abendessen verdient. Im Cafe de Paris wurde ich fündig, denn die hatten sogar eine komplett vegetarische Menükarte. Ich hatte Frühlingsrollen und Reisnudeln mit Gemüse. Dazu gab es ein (ok, zwei) Glas Merlot. Offensichtlich wird dieses Restaurant gern von Paaren besucht, die romantisch zu Kerzenschein dinieren wollen. Da passte ich als Solo-Gast gar nicht so recht hinein. Witzig war, dass sich die Kellner gerade bei mir vor Aufmerksamkeit und Freundlichkeit bald überschlagen haben. Naja, vielleicht hatten sie Mitleid mit einer alleinstehenden Dame...

6 comments:

  1. wie nett, wie nett, sonja! ich wuensche dir fuer die weitere strecke weniger staus und immer einen bioladen zur hand ;-) die bilder aus der stadt, tja, fast wie sunset house, oder? ;-) man kann wirklich kaum glauben, dass das alles zu "unserem" land gehoert - faszinierend!

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    1. Dankeschön, Petra. Der Verkehr hat sich bereits gelichtet, nur das mit dem Bioladen an jeder Ecke ist in rural Quebec etwas schwierig.

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  2. Diese Baustellen scheinen ein Weltumspannendes Problem zu sein... :)
    Klasse, daß Du nun auf zwei Rädern unterwegs bist und die "Gegend" erkundest.
    Es ist spannend zu sehen, wie es dort am anderen Ende der Welt aussieht. Bei manchen Gassen hat man das Gefühl, das könnte auch hier um die Ecke sein.

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    1. Das ist eine internationale Baustellen-Verschwörung ;-) Der europäische Look verliert sich ganz schnell, wenn man über Land unterwegs ist.

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  3. Respekt vor der Tour allein, aber Du meisterst das mit Bravour. Die Stadt sieht sehr einladend (und europaeisch) aus. Lese mich so langsam durch all die Berichte :-). Gute Fahrt weiterhin.

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    1. Danke schön, bisher läuft's (fährt's) noch immer gut. Hoffen wir mal, dass es bis zum Schluss so bleibt ;-)

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