Um 10 Uhr geht es heute auf der Lighthouse Route immer am Wasser entlang. In Riverport setze ich nach LaHave mit einer niedlichen Kabelfähre über und spare mir so eine 3/4 Stunde und ca. 30km Umweg.
Wie der Zufall es will, wohnen zwei "alte Bekannte" aus Calgary-Zeiten nur 20km südlich von meinem temporären Domizil. Und meine heutige Tagesetappe führt sogar direkt bei ihnen vorbei. Per moderner Kommunikationsmittel wird kurzfristig ein Treffen verabredet.
| Blick vom Haus auf Crescent Beach |
Die beiden sind zwar ein bisschen im Stress, da sie just heute Familienbesuch erwarten, aber nehmen sich dann doch die Zeit für einen ausgedehnten Klönschnack. Schön war's, Ihr zwei. Ich hoffe, man sieht sich mal wieder...
Kurz nachdem ich die beiden verlassen habe, fängt der Motor an zu stottern. Nanu? Benzin alle? Jetzt schon? Nun, ich bin ja am Vortag zügige 110 bis 120 km/h gefahren, da muss sich Betty ganz schön was 'reingezogen haben. Ich fummle am Reservehahn. Ups, der Hebel steht ja schon auf Reserve. Damit ist es offiziell: ich sitze auf dem Trockenen.
Gut, dass ich die Benzinflasche dabei habe. Der Liter verdunstet zwar sofort im Tank, aber ein besorgter Anwohner, der sich gerade ein Bild von meiner Situation machen will, bringt Entwarnung und Erleichterung: nur wenige Kilometer entfernt gibt es einen General Store mit Tanksäule und ich bin gerettet. Ich mache sowohl den Tank als auch die Flasche wieder voll: 14,7l. In den Tank passen 13.8l, damit bin ich zum Schluss wirklich nur noch auf Benzindämpfen gefahren...
Es ist heute einfach zu warm zum Mopped fahren (dass ich das in diesem Urlaub noch mal sagen würde...) und so ich fahre 'runter an den Crescent Beach, setze mich in den Sand und genieße die Sonnenstrahlen. Also, wenn es mich nicht schon vorher beim Quatschen auf der Terrasse erwischt hat, jetzt habe ich ihn sicher... den Sonnenbrand.
Zudem werde ich immer mal wieder von irgendwelchen blutsaugenden Viechern angezapft. Also ziehe ich noch einmal weiter.
Kurz vor meinem Ziel fahre ich durch das wohl tiefste Schlagloch Nova Scotias, wenn nicht Kanadas. Das ist kein normales Schlagloch, sondern ein schwarzes Loch. Unsichtbar, im Schatten liegend, wird Betty da hinein gezogen. Jedenfalls haut es mich fast aus dem Sattel und ich höre ein verdächtiges Geräusch von hinten. Uh, oh. (höre ich die Teletubbies sagen).
In der Garage meiner Gastgeber angekommen mache ich mich sofort auf die Suche, prüfe die Speichen, checke die Stoßdämpfer und den Druck der Vordergabel. Da scheint alles ok. Die Kettenspannung sieht auch ok aus. Ich kann keinen offensichtlichen Defekt erkennen (soweit das für mich als Laien überhaupt möglich ist).
Dann rüttle ich an den Satteltaschen. Aha! Der linken Satteltasche hat es fast die Befestigung abgerissen. Ich hole mir die Erlaubnis vom Eigentümer, Werkzeug und Ersatzteile benutzen zu dürfen und schraube ein bisschen an der Halterung herum. Es scheint nichts gebrochen, sondern nur gelockert. Ein paar Handgriffe später macht diese wieder einen soliden Eindruck. Ich hoffe, dass das Mopped sonst nichts abbekommen hat. Eigentlich müsste es so einen Stoß schon mal abkönnen... So, jetzt gehe ich erst einmal den Sonnenbrand und die Mückenstiche pflegen...

Was mich bei Deinem heutigen Bericht besonders beeindruckt hat, ist daß als Dir das Benzin ausging, sofort jemand sich erkundigt hat, ob alles in Ordnung ist. Da könntest Du hier Stunden stehen und keiner würde fragen. Klasse, beide Daumen hoch!
ReplyDeleteSo Canyons auf der Straße haben wir hier auch zuweilen auf den Landes und Kreisstraßen. Da sah ich schon mal ein Auto vor mir bis zum Radkasten versinken.
Hoffentlich lassen die Mücken noch etwas von Dir übrig. Gegen die juckenden Mückenstiche hilft übrigens sehr gut, eine heißen Messerklinge (heisses Leitungswasser reicht!) platt draufdrücken. Dann zerfällt das Eiweiß des Mückengiftes.
In der Stadt würde so etwas bestimmt nicht passieren, aber je weiter draußen man (Frau) ist, desto größer sind die Chancen, dass jemand hält. Das ist mir aber im Schwarzwald auch schon passiert...
DeleteDas mit der heißen Klinge probiere ich mal. Danke für den Tipp.
Minya, das mit der heißen Klinge funktioniert tatsächlich!!!
DeleteKlar funktioniert das. Geht auch mit Löffelstiel. Man kann auch teuer in der Apotheke so einen Stift kaufen, wo sich eine Porzellanplatte durch Batteriebetrieb heiß macht und man dieses auf den Stich legt, eine Taste drückt und wenn es piept ist das Essen fertig - pardon, der Stich gebranntdingst.
ReplyDeleteAber SO geht das auch - und kostengünstiger :-)