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September 16, 2015

Ein (halber) Tag am Meer


Bevor ich P.E.I. verlasse, bin ich noch einmal zum Strand, und zwar im Prince Edward Island Nationalpark, der sich über 60km an der Nordküste der Insel erstreckt. Die Landschaft ist geprägt von Dünen und rotem Sand, Salzmarsch und Süßwasserfeuchtgebieten. Angeblich sollen hier über 300 Tierarten dokumentiert sein. Leider habe ich auf meiner Durchfahrt nur ein paar Waschbären, Stinktiere und Eichhörnchen gesehen, und die waren bereits... nun, wie sag' ich's? Die waren schon platt.


Wind und Wasser sind für einen Fischkopp wie mich Lebenselixier. Da stört es auch nicht, dass es (mal wieder) pladdert was das Zeug hält.


Meine Wanderschuhe haben inzwischen eine rote Farbe angenommen. Ob ich die jemals wieder 'rausbekomme? Übrigens, ist ja klar, dass ich bei dem Wetter den Park fast ganz für mich allein habe.


Gegen Mittag verlasse ich dann die Insel endgültig. Schön war's. In einem Zug (nur durchbrochen durch eine Tee-Pause bei Tim's) geht es dann über die Confederation-Brücke zurück nach New Brunswick bevor ich dann nach Nova Scotia Richtung Truro abbiege.


Der nächste Streckenabschnitt ist eher langweilig. Bei Sprühregen (wäh!) spule ich etliche Highway-Kilometer 'runter. Aber Nebenstrecken machen bei diesem Sauwetter nun wirklich wenig Spaß.


Daher treffe ich schon am frühen Nachmittag in Truro, dem Drehkreuz Nova Scotia's, wie es sich großspurig nennt, ein und nehme ein Zimmer im Holiday Inn. Leider gibt es keine Einzelzimmer, aber das kann ja nicht mein Problem sein. Also überzeuge ich den Concierge, mir das Doppelzimmer zum Single-Preis zu überlassen. Na also, geht doch.


Ich mache mich fertig und erkunde das nahegelegene Stadtzentrum, welches eigentlich nur aus einer Straße mit vielen verrammelten Ladenlokalen besteht. Hier ein Second-Hand-Laden, dort die Heilsarmee, da eine Suppenküche und drüben ein Beratungszentrum für (gegen) Drogensucht und Suizid. Ein McD Drive-Thru und ein Dairy Queen, ein paar schummrig aussehende Kneipen. Ein einsamer Skateboarder mit Dreadlocks zieht seine Runden und legt sich bei seinem Stunt fast auf die Schnauze. Ein Penner grüßt mich freundlich, ich nicke zurück. Was für ein trauriger Ort.


Für den Erhalt der Kirche wird um Spenden gebeten. Die Straßen sind von Schlaglöchern übersät, die Bordsteine uneben, so dass ich stolpere und mich selbst fast auch noch hinlege. Einziger Lichtblick dieses Gott verlassenen Ortes ist der Atlantic Superstore. Hier bekomme ich heute zur Abwechslung mal alles, was für eine ausgewogene Ernährung nötig ist, an einem Platz. Ich nehme ein Gluten freies Brot mit, Reismilch, Veggie Chips (meine Lieblingssorte), Saft, Kefir (den vertrage ich komischerweise) und Ziegenkäse sowie drei Sorten Salat von der Gemüsetheke: Quinoa-, Kichererbsen- und Grünkohlsalat, jeweils mit Essig/Öl Dressing angemacht. Es ist angerichtet:


Angesichts des heutigen Wetters war dies insgesamt keine aufregende Tagesetappe, aber dafür war der Vormittag am Strand ein besonderer Genuss und die Strecke ohne besondere Gefahren und Hindernisse (damit meine ich Baustellen...). Beruhigend ist, dass der Auspuff nun wieder gut fest sitzt. Ich habe ja doch ein besseres Gefühl, dass sich ein Fachmann der Sache angenommen hat.

4 comments:

  1. Beim Thema der - nun ja - platten Tieren hörte ich mal bei Eltern, daß sie ihrem Kinde erzählen, die Tiere würden auf dem warmen Asphalt nur ausruhen.
    Deine Beschreibung des Ortes hört sich an, als würde die Beratungsstelle dort wirklich gebraucht werden.

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    1. Das mag ja Sinn machen, aber es war kalt und regnerisch... da hilft die Erklärung wenig. Ich habe noch nie einen tristeren Ort als Truro gesehen.

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    2. Das stimmt, das habe ich mir auch überlegt, denn es ist ja nicht immer warm. Wer weiß, was die den Kindern dann erzählen...
      Oh je, wenn Du noch nie einen tristeren Ort als Truro gesehen hast, dann warst Du noch nicht in Pirmasens oder Frankenthal. Die können es bestimmt damit aufnehmen. Man sollte mal eine Sammlung anlegen, "Orte, an denen man nicht als Bild an der Wand hängen möchte". :)

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    3. Das ist doch was: Orte, die die Welt nicht braucht ... ;-) Tristesse gibt es auch in DE (Kassel ist da so ein Trauma von mir...)

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